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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Neunte Homilie.

II.

Was heißt aber Das: „Wir sollen zur Vollkommenheit eilen“? Wir sollen, sagt er, dann zur Höhe selbst emporsteigen, d. h. wir sollen ein ganz ausgezeichnetes Leben führen. Denn wie bei den Anfangsgründen Alles auf dem Alpha und das Gebäude auf dem Fundamente beruht, so findet auch ein rechtschaffenes Leben seine Grundlage in der gläubigen Überzeugung. Ohne diese ist es nicht möglich, ein Christ zu sein, gleichwie ohne Fundament kein Gebäude und ohne die Anfangsgründe keine wissenschaftliche Bildung möglich ist. Aber wie wenn Jemand immer bei den Anfangsgründen verweilt, oder wie wenn Einer es bei dem Fundamente bewendet und sich nicht an das Gebäude selbst macht, nie etwas Vollendetes zu Stande fördern wird, so verhält es sich auch mit uns; denn wenn wir immer beim Beginne des Glaubens verbleiben, werden wir nie zu seiner Vollendung emporsteigen. Wähne aber nicht, der Glaube sei darum niedriger gestellt, weil er die [S. 157] erste Grundlage genannt worden; denn gerade er ist die Fülle der Kraft. Denn wenn er sagt: „Ein Jeder, der Milch bekommt, ist unempfänglich für das Wort der Gerechtigkeit, denn er ist ein Kind,“ so nennt er ihn (den Glauben) keineswegs Milch; wenn aber hierüber noch Zweifel obwalten sollten, so würden diese Zeugniß ablegen von einem schwachen Verstande, der noch vieler Beweisgründe bedürfte. Diese Lehrsätze sind unzweifelhaft richtig; denn wir nennen nur Den vollkommen, welcher mit dem Glauben auch ein rechtschaffenes Leben verbindet. Wenn aber Jemand zwar Glauben hatte, aber einen lasterhaften Wandel führte und in Betreff seines Glaubens selbst Zweifel hegte und der Lehre Schmach zufügte, so würden wir einen Solchen mit Recht ein Kind heissen, das zu den Anfangsgründen zurückläuft. Haben wir also tausend Jahre den Glauben, stehen aber in demselben nicht fest, so sind wir Kinder, wenn wir keinen demselben entsprechenden Lebenswandel zeigen und noch am Grundlegen sind. Diese tadelt er nun nicht allein wegen des Lebenswandels, sondern auch in anderer Hinsicht, weil sie nämlich noch schwankten und nöthig hatten, „Grund zu legen mit der Bekehrung von todten Werken“. Denn wer von einer Ansicht zu einer anderen übergeht, so daß er jene verläßt und diese annimmt, muß doch jene vorher verwerfen und davon abstehen und dann sich zur andern wenden; wenn er aber jene wieder aufnehmen will, wie kann er dann zu dieser gelangen? Wie verhält es sich nun, sagt er, in Bezug auf das Gesetz? Wir haben dasselbe verworfen und kehren zu ihm wieder zurück. Das ist aber kein Überzeugungswechsel; denn auch hier haben wir das Gesetz. „So heben wir also,“ heißt es, „das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne, sondern wir bestätigen das Gesetz.“1 Ich aber habe von verderblichen Dingen geredet; denn wer zur Tugend gelangen will, muß vorher das Böse verwerfen und [S. 158] dann zu jener kommen; denn die Buße vermöchte nicht, sie rein darzustellen. Deßhalb wurden sie auch sogleich getauft, damit Dasjenige, was sie aus sich selbst nicht vermochten, durch die Gnade Christi zu Stande käme. Die Buße genügt also nicht, um rein zu werden, sondern man muß auch die Taufe empfangen; man muß also zur Taufe kommen, nachdem man die Sünden vorher erkannt und verdammt hat. Was bedeutet denn aber der Ausdruck: „die Lehren von den Taufen“? Nicht als gäbe es viele Taufen; es gibt ja nur eine. Warum spricht er aber in der Mehrzahl? Weil er gesagt hatte: „Indem wir nicht abermal einen Grund legen mit der Bekehrung.“ Denn wenn er sie wieder getauft und von Neuem unterrichtet hätte, und sie abermals nach der Taufe belehrt worden wären, was man thun, und was man lassen müsse, so wäre nie an eine Besserung zu denken gewesen. - „Und der Händeauslegung;“ denn so empfingen sie den heiligen Geist. „Da Paulus ihnen,“ heißt es, „die Hände aufgelegt hatte, kam der heilige Geist.“2 - „Und Auferstehung der Todten;“ - denn Dieß geschieht in der Taufe und wird im Bekenntniß befestigt. - „Und des ewigen Gerichtes.“ Warum sagt er denn Das? Weil sie vielleicht, bereits gläubig geworden, schwanken oder ein lasterhaftes und leichtsinniges Leben führen konnten; darum sagt er: Wachet! Um sie also vor einem solchen Leichtsinne ferne zu halten und aufmerksam zu machen, führt er eine solche Sprache. Denn ihr dürfet nicht sagen: Wenn wir auch leichtsinnig leben, so werden wir wieder getauft, nochmals unterrichtet und empfangen abermals den heiligen Geist; oder gesetzt auch den Fall, wir hätten am Glauben Schiffbruch gelitten, so können wir doch wieder durch die Taufe von unseren Sünden gereiniget werden und Alles, was wir früher hatten, gewinnen. Ihr irret euch, sagt er, wenn ihr Das meint. [S. 159]

4. 5. 6. Denn es ist unmöglich, Diejenigen, welche einmal erleuchtet worden, auch gekostet haben die himmlische Gabe und theilhaftig geworden sind des heiligen Geistes, deßgleichen gekostet haben das gute, göttliche Wort und die Kräfte der zukünftigen Welt, und doch abgefallen sind, wieder zur Sinnesänderung zu erneuern, da sie, ein Jeder für sich, den Sohn Gottes auf ein Neues kreuzigen und verspotten.

Und siehe, wie beschämend und abwehrend gleich seine ersten Worte sind! „Es ist unmöglich,“ sagt er, d. h. erwarte nicht das Unmögliche! Er sagt nicht: Es ziemt sich nicht, es geht nicht an, es ist nicht thunlich, sondern: „Es ist unmöglich,“ so daß sie also zur Verzweiflung gebracht werden konnten durch die Worte: „welche einmal erleuchtet worden.“

1: Röm 3,31
2: Apg 19,6

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger