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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer

Vierte Homilie.

I.

5. 6. 7. Denn nicht Engeln hat Gott die zukünftige Welt unterworfen, von der wir predigen. - Bezeugt hat aber irgendwo Einer und gesagt: Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, oder der Menschensohn, daß du nach ihm siehst? - Du hast ihn ein wenig unter die Engel verringert.

Ich möchte bestimmt wissen, ob Einige mit dem gebührenden Eifer, was gesagt wird, anhören, so daß wir den Samen nicht auf den Weg streuen; denn alsdann würden wir noch freudiger das Lehramt ausüben. Zwar werden wir sprechen, wenn auch Niemand aufmerkt, weil die Furcht vor dem Erlöser uns drängt. Denn gib Zeugniß, sagt er, diesem Volke, und wenn sie nicht auf dich hören, wirst du keine Rechenschaft geben. Wenn ich aber von euerem Eifer überzeugt wäre, würde ich nicht allein wegen der Furcht sprechen, sondern auch mit Freude Das thun. Denn wenn jetzt Niemand aufmerkt, so kann, obgleich mir keine Gefahr droht, da ich meine Pflicht erfülle, die Arbeit doch nicht mit Vergnügen vollbracht werden. Denn was nützt es, wenn zwar ich ohne Schuld bin, Niemand aber einen [S. 67] Vortheil hat? Wenn nun Einige aufmerken wollten, so würde mir daraus, daß ich ungestraft bleibe, kein so großer Vortheil erwachsen wie aus eueren Fortschritten. Wie soll ich nun aber Das wissen? Wenn ich unter euch Solche bemerkt haben werde, die nicht recht aufmerksam sind, werde ich sie gelegenheitlich unter vier Augen befragen, und wenn ich finde, daß sie Einiges von dem Vorgetragenen wissen, nehme ich nicht Alles vor; denn Das möchte für euch nicht so leicht sein, sondern wenn sie aus dem Vielen auch nur Einiges wissen, bin ich offenbar auch in Betreff des Vielen nicht weiter im Zweifel. Es wäre zwar nicht nöthig gewesen, euch vorher davon in Kenntniß zu setzen; wir hätten euch einer unerwarteten Prüfung unterwerfen können; jedoch kann es uns lieb sein, auch so zum erwünschten Ziele zu gelangen, um so mehr, da ich auch auf diese Weise euch immer noch zu überraschen vermag. Denn daß ich euch fragen werde, habe ich vorher gesagt; wann ich aber diese Prüfung vornehmen werde, bestimm’ ich noch nicht: vielleicht heute, vielleicht morgen, vielleicht nach zwanzig oder auch nach dreissig Tagen; sie kann auch früher oder später stattfinden. So hat uns auch Gott in Betreff unseres Todestages in Ungewißheit gelassen, und weder ob heute, noch ob morgen, noch ob nach Verlauf eines vollen Jahres, noch ob nach mehreren Jahren der Herr kommen wird, hat er uns geoffenbart, damit wir durch die ungewisse Erwartung standhaft in der Tugend ausharren, und nur daß wir einmal von hier abscheiden werden, hat er gesagt, über das Wann aber Nichts. So habe auch ich ausgesprochen, daß ich euch fragen werde, wann aber, hab’ ich nicht beigefügt, weil ich euch in steter Sorge erhalten will. Da soll auch Keiner sagen: Ich habe Dieses vor vier oder fünf oder mehreren Wochen gehört und kann es nicht behalten. Denn ich will, daß der Zuhörer, was er vernommen, mit unvergeßlichem und treuem Gedächtnisse festhalte und das Gesagte nicht schnöde von sich weise. Denn ich verlange, daß ihr es behalten sollet, nicht um mir zu antworten, sondern um daraus Nutzen zu ziehen, und [S. 68] Das ist meine wichtigste Sorge. Nachdem euch nun das zum sichern Behalten Erforderliche mitgetheilt worden, müssen wir weiter mit Dem beginnen, was der Ordnung nach folgt. Was liegt uns nun heute als Redestoff vor? „Denn nicht Engeln,“ sagt er, „hat Gott die zukünftige Welt unterworfen, von der wir predigen.“ Spricht er da von irgend einer anderen Welt? Nein, sondern von dieser; denn darum setzt er hinzu: „von der wir predigen,“ damit er den Geist nicht veranlasse, sich verirrend nach einer andern zu suchen. Wie aber nennt er sie eine zukünftige? Wie er auch anderwärts spricht: „Der ein Vorbild des Zukünftigen ist,“1 da er im Briefe an die Römer von Adam und von Christus redet, und in Bezug auf die Zeiten Adams Christum nach dem Fleische zukünftig heißt, wie er es ja war; so auch jetzt, da er sagt: „Und wenn er den Erstgebornen abermal in die Welt einführt,“ damit du dich überzeugest, er meine keine andere Welt, was aus vielen anderen Zeugnissen klar ist, und weil er sie zukünftig nennt; denn diese Welt war zukünftig, der Sohn Gottes aber war immer da. Diese zukünftige Welt nun hat er nicht Engeln unterworfen, sondern Christus. Daß aber zum Sohne die Worten gesprochen seien, ist offenbar, und es wird Niemand die Behauptung aufstellen, sie seien zu Engeln geredet. Dann führt er ein anderes Zeugniß an mit den Worten: „Bezeugt hat aber irgendwo Einer und gesagt.“ Warum aber nennt er den Namen des Propheten nicht, sondern verschweigt ihn? Dasselbe thut er auch bei anderen Zeugnissen, da er z. B. sagt: „Und wenn er den Eingebornen abermal in die Welt einführt, spricht er: Es sollen ihn anbeten alle Engel Gottes;“ und wieder: „Ich werde ihm Vater sein. Und in Bezug auf die Engel sagt er zwar: [S. 69] Er macht seine Engel zu Winden; zum Sohne aber: Du hast im Anfang, oHerr, die Erde gegründet!“ So sagt er auch hier: „Bezeugt hat aber irgendwo Einer und gesagt.“ Aber eben Dieses, daß er so stillschweigend den Namen Desjenigen wegläßt, von dem das Zeugniß herrührt, und daß er dasselbe als allgemein verbreitet und bekannt einführt, ist meines Erachtens ein Beweis von ihm dafür, daß sie sehr schriftkundig waren. „Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, oder der Menschensohn, daß du nach ihm siehst? Du hast ihn ein wenig unter die Engel verringert;“

7. 8. mit Ruhm und Ehre ihn gekrönt und ihn gesetzt über die Werke deiner Hände: Alles hast du seinen Füßen unterworfen.

1: Röm 5,14

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger