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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift an Kaiser Constantius (Apologia ad Constantium)

5.

Welches ist also der Ort und welches die Zeit, wo ich solche Reden geführt habe, wie sie der Ankläger mir zur Last legt? Oder in wessen Gegenwart habe ich so wahnsinnige Worte gesprochen, wie er sie mir in lügenhafter Weise unterschiebt? Oder was kann er gegen mich für einen Zeugen aufbringen? Denn was seine Augen gesehen haben, das muß er auch sagen, wie die heilige Schrift vorschreibt.1 Er nun wird keinen Zeugen für das finden, was nicht stattgefunden hat. Ich aber habe zum Zeugen, daß ich nicht [S. 181] lüge, ausser der Wahrheit auch Deine Gottesfurcht. Denn da ich weiß, daß Du ein sehr gutes Gedächtniß hast, so ersuche ich Dich an die Worte zu denken, die ich sprach, als Du mir die Ehre gewährtest, vor Deinen Augen erscheinen zu dürfen, zuerst in Viminacium,2 dann zu Cäsarea in Kappadocien, und drittens in Antiochia, ob ich, wenn ich von den Anhängern des Eusebius Dir gegenüber sprach, die mir arg mitspielten, irgend Einen von denen anschwärzte, welche mir Unrecht zufügten. Wenn ich aber nicht einmal die anschwärzte, gegen die ich mich erklären mußte, hätte ich nicht wahnsinnig sein müssen, um einen Kaiser bei einem Kaiser anzuschwärzen und Brüder an einander zu hetzen? Laß daher, ich bitte, entweder in meiner persönlichen Gegenwart mich überführen, oder verurtheile die Verleumdungen und ahme den David nach, welcher sagt: „Den, der heimlich über seinen Nebenmenschen Übles sagte, verfolgte ich.“3 Denn so weit es von ihnen abhing, haben sie gemordet; denn „ein lügnerischer Mund tödtet die Seele.“4 Aber Deine Geduld hat den Ausschlag gegeben und mir die Rechtfertigung gestattet, damit sie als zanksüchtige und verleumderische Menschen erkannt werden können. Dieß über Deinen gottesfürchtigen Bruder seligen Andenkens. Denn Du kannst vermöge der Dir von Gott verliehenen Weisheit aus diesem Wenigen schon Vieles abnehmen und die Anklage als Erfindung erkennen.

1: Sprüchw. 25, 8.
2: Stadt an der Donau ostwärts von Belgrad, nach Forbiger das heutige Kostolacz, nach Anderen Widdin.
3: Ps. 100, 5.
4: Weish. 1, 11.

 

 

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Einleitende Notizen zur Schutzschrift an Kaiser Constantius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger