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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift an Kaiser Constantius (Apologia ad Constantium)

32.

Als ich das vernahm und es beinahe mit Augen sah, weil die Boten darüber einen großen Jammer erhoben, so kehrte ich, ich gestehe es, wieder in die Wüste zurück. Ich dachte nämlich, was auch Deine Gottesfurcht einsieht: Wenn man uns aufsucht, um uns, wenn wir aufgefunden werden, zu den Eparchen zu senden, so ist uns verwehrt, zu Deiner Menschenfreundlichkeit zu kommen. Wenn ferner die, welche gegen uns nicht unterschreiben wollten, so große und schwere Strafen erlitten haben und die Laien, welche mit den Arianern nicht in Verbindung treten wollten, zum Tode verurtheilt wurden, so zweifelte ich nicht, daß gewiß neue und unzählige Todesarten die Ränkeschmiede gegen mich aussinnen und meine Feinde nach meinem Tode nach Belieben Alles gegen Jedermann in Bewegung setzen würden, indem sie um so mehr auf uns lögen, da Niemand mehr wäre, um sie zu widerlegen. Denn nicht aus Furcht vor Deiner Gottesfurcht floh ich, — kenne ich ja Deine Nachsicht und Güte, — sondern weil ich aus dem Geschehenen den Groll der Feinde sah und schloß, daß sie aus Furcht, der gegen den Willen Deiner Rechtschaffenheit unternommenen Thaten überführt zu werden, Alles versuchen würden, um mich zu tödten. Denn sieh, Deine Güte verordnete, daß die Bischöfe nur aus den Städten und der Eparchie [S. 210] vertrieben werden sollten. Die unbegreiflichen Menschen aber wagten es, über Deinen Befehl hinauszugehen, und verbannten greise Männer und hochbejahrte Blschöfe über drei Eparchieen hinaus in verlassene, unbebaute und schreckliche Gegenden. Denn die Einen wurden von Libyen in die große Oase, die Andern von der Thebais in die ammonische Oase in Libyen gesendet. Und nicht etwa floh ich aus Furcht vor dem Tode, — möge mich Keiner aus ihnen der Feigheit beschuldigen! — sondern weil es auch der Auftrag des Heilands ist, wenn wir verfolgt werden, die Flucht zu ergreifen und, wenn man uns aufsucht, uns zu verbergen und uns nicht in die offene Gefahr zu stürzen oder gar durch unser öffentliches Erscheinen den Groll der Verfolger noch mehr zu entzünden. Denn es ist ebenso viel als Selbstmord, wenn man sich seinen Feinden zur Ermordung preisgibt. Aber nach der Ermahnung des Heilandes fliehen heißt so viel, als die Zeit erkennen und in Wahrheit für seine Verfolger Sorge tragen, damit sie sich nicht zum Blutvergießen hinreissen lassen und gegen das Gebot sündigen: „Du sollst nicht tödten,“ da sie ja mit ihren Verleumdungen vorzugsweise beabsichtigen, daß uns Etwas begegnen solle. Denn auch, was sie jetzt wieder gethan haben, beweist, daß dahin ihr Streben gehe, und daß sie nach Blut dürsten. Wenn Du das vernimmst, so weiß ich wohl, o gottesfürchtiger Kaiser, daß Du überrascht sein wirst. Denn die Verwegenheit ist in Wahrheit geeignet, mit Entsetzen zu erfüllen. Wie groß sie aber ist, vernimm in kurzen Worten.

 

 

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Einleitende Notizen zur Schutzschrift an Kaiser Constantius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger