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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift an Kaiser Constantius (Apologia ad Constantium)

31.

Was aber in Betreff des Frumentius, des Bischofs von Auxumis,1 an die dortigen Tyrannen geschrieben wurde, ist Folgendes.

[S. 208] Der Sieger Constantius, der große Kaiser, an Äzanas und Sazanas. Daß der Höchste erkannt werde, liegt uns sehr am Herzen und macht uns große Sorgen. Denn man muß, glaube ich, dem gemeinsamen Menschengeschlecht in diesen Dingen die gleiche Fürsorge widmen, damit sie ihr Leben in Hoffnung hinbringen, indem sie eine solche Kenntniß von Gott haben und in der Untersuchung der Gerechtigkeit und Wahrheit in Nichts von einander abweichen. Die nämliche Fürsorge widmen wir nun auch euch, theilen euch das Nämliche wie den Römern mit und befehlen, daß in eueren Kirchen eine und dieselbe Lehre wie bei ihnen Geltung habe. Sendet also den Bischof Frumentius schleunigst nach Ägypten zum ehrwürdigen Bischof Georgius und zu den übrigen Bischöfen in Ägypten, die zur Wahl und zum Urtheilsspruch in solchen Dingen vorzugsweise berechtigt sind. Denn ihr wißt ja und erinnert euch, wenn ihr euch nicht etwa gar stellt, als ob ihr allein das nicht wüßtet, was von Allen zugestanden wird, daß dieser Frumentius von Athanasius zu diesem Rang im Leben erhoben worden, der mit unzähligen Lastern behaftet ist, so daß er, da er keine von den gegen ihn erhobenen Beschuldigungen mit Recht widerlegen konnte, sogleich seinen Bischofssitz verloren hat und aus der ganzen Welt vertrieben herumirrt und von einem Lande zum andern wandert, als ob er so seiner Lasterhaftigkeit entrinnen wollte. Sollte nun Frumentius freiwillig sich fügen und über alle Umstände seiner Erhebung Rechenschaft geben, so wird Allen einleuchten, daß er mit den kirchlichen Gesetzen und dem herrschenden Glauben in keinem Widerspruch steht. Hat er sich aber dem Richterspruch unterworfen, sein ganzes Leben der Untersuchung unterzogen und vor den zuständigen Richtern darüber Rechenschaft gegeben, so wird er von ihnen eingesetzt werden, wenn er für einen wahren rechtmässigen Bischof gehalten werden will. Sollte er aber Anstand nehmen und dem Urtheilsspruch sich zu entziehen suchen, dann ist es wohl klar, daß er durch die Reden des lasterhaften Athanasius verleitet über die Gottheit gottlose Ansichten hat, und in einer [S. 209] solchen Geistesrichtung sich befindet, wie sie jenem Lasterhaften nachgewiesen ist. Und es ist zu fürchten, er möchte nach Auxumis kommen und euere Leute verführen, indem er frevelhafte und gottlose Reden führt und nicht bloß in den Kirchen Verwirrung und Aufruhr stiftet und den Höchsten lästert, sondern auch den ganzen Volksstarnm dadurch in eine vollständige Umwälzung und Auflösung stürzt. Wir sind überzeugt, daß er seine Kenntnisse erweitern und aus dem Umgang mit dem ehrwürdigen Georgius und den Übrigen, die hierin einen gründlichen Unterricht zu ertheilen verstehen, einen großen gemeinsamen Nutzen ziehen, in der Kenntniß aller kirchlichen Dinge den höchsten Gipfel erreichen und so wieder an seinen bisherigen Sitz zurückkehren wird. Gott schütze euch, hochgeehrte Brüder!“

1: Stadt im südlichen Theil von Äthiopien. Frumentius war als Knabe auf einer Seereise in die Gefangenschaft des Vorfahrers der äthiopischen Herrscher gelangt, an die dieser Brief gerichtet ist, und an seinem Hofe erzogen worden. Später ging er nach Alexandria und kehrte, zum Bischof geweiht, als Glaubensprediger nach Auxumis zurück, wo die Herrscher und ein großer Theil des Volkes sich zum Christenthum bekehrten. Der Zweck der vorliegenden diplomatischen Drohnote war, daß Athanasius bei seinem Freunde Frumentius keine Zufluchtsstätte ftnden sollte.

 

 

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Einleitende Notizen zur Schutzschrift an Kaiser Constantius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger