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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift an Kaiser Constantius (Apologia ad Constantium)

26.

[S. 201] Warum also faßten sie diesen Beschluß, oder warum unternahmen sie es, mit Hinterlist uns nachzustellen, da sie ja auch hätten befehlen und den Befehl schriftlich übergeben können ? Denn der Befehl des Kaisers flößt großes Zutrauen ein. Aber der Umstand, daß sie es geheim halten wollten, verstärkte den Verdacht, daß sie keinen Auftrag hatten. Wie war mein Begehren auch ungeziemend, wahrheitsliebender Kaiser? Wie sollte man nicht zugeben, daß eine solche Forderung von Seite eines Bischofs gerechtfertigt sei? Du weißt aus der Lesung der Schrift, welch große Verantwortung es für einen Bischof sei, die Kirche zu verlassen und sich um die Herde Gottes nicht zu kümmern. Denn die Abwesenheit der Hirten verschafft den Wölfen eine Gelegenheit, die Heerde zu überfallen. Darnach strebten eben die Arianer und alle übrigen Häretiker, daß es durch unsere Entfernung ihnen möglich würde, das Volk zur Gottlosigkeit zu verführen. Wenn ich also geflohen wäre, welche Rechtfertigung fände ich bei den wahren Bischöfen, und welche erst bei dem, der mir die Heerde anvertraut hat? Das ist aber der, welcher die ganze Erde richtet, der wahre König aller Dinge, unser Herr Jesus Christus. Wie hätte man nicht mit Fug und Recht die Vernachlässigung des Volkes mir zur Last gelegt? Hätte mich nicht Deine Gottesfurcht mit Recht tadeln und sagen können: Warum bist Du, da Du mit einem Schreiben angekommen warst, ohne Schreiben fortgegangen und hast das Volk verlassen? Hätte nicht auch das Volk selbst am Tage des Gerichtes mit Recht seine Vernachlässigung mir zur Last gelegt und gesagt: Unser Bischof hat uns verlassen, und wir waren vernachlässigt, da Niemand war, der uns ermahnte? Wenn sie das gesagt hätten, was hätte ich erwidern können? Diesen Tadel sprach ja Ezechiel auch gegen die Hirten im Alterthum aus.1 Auch der selige Apostel Paulus ermahnte uns alle, da er Dieß erkannte, in seinem Jünger: „Vernachlässige nicht die [S. 202] Gnade in Dir, welche Dir gegeben wurde bei der Handauflegung der Ältesten.“2 Da auch ich das fürchtete, so wollte ich nicht fliehen, sondern einen Auftrag erhalten, wenn es der Wille Deiner Gottesfurcht war. Aber ich erhielt nicht nur nicht, was ich mit Recht forderte, sondern wurde auch jetzt noch ohne Grund bei Dir angeklagt. Denn ich widersetzte mich weder dem Befehle Deiner Gottesfurcht, noch werde ich jetzt nach Alexandria zurückzukehren versuchen, bevor Deine Menschenfreundlichkeit das will. Und das erkläre ich im Voraus, damit die Ränkeschmiede nicht auch darin eine Gelegenheit finden, uns zu verleumden.

1: Ezechiel 34, 2.
2: I. Timoth. 4, 14.

 

 

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Einleitende Notizen zur Schutzschrift an Kaiser Constantius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger