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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift an Kaiser Constantius (Apologia ad Constantium)

3.

Ich schäme mich nun fürwahr, mich wegen solcher Punkte zu vertheidigen, die, wie ich glaube, nicht einmal der Ankläger in unserer Gegenwart erwähnen würde. Denn er weiß ganz gut, daß er lügt, und daß ich weder [S. 178] wahnsinnig bin, noch den Verstand verloren habe, so daß man muthmaßen könnte, ich hätte so Etwas auch nur gedacht. Deßhalb würde ich auch sonst Niemandem auf gestellte Frage antworten, damit nicht, die mich anhören, während der Zeit der Vertheidigung in Ungewißheit schweben. Vor Deiner Gottesfurcht aber vertheidige ich mich mit lauter und deutlicher Stimme und ausgestreckter Hand, wie ich es vom Apostel gelernt habe: „Ich rufe Gott zum Zeugen an auf meine Seele,“1 und wie in den Büchern der Könige geschrieben steht: „Zeuge ist der Herr, und Zeuge sein Gesalbter,“2 so gestatte auch mir zu sagen: Ich habe niemals über Deine Gottesfurcht ein schlimmes Wort bei Deinem Bruder Constans seligen Andenkens, dem gottesfürchtigen Kaiser, gesprochen. Ich habe ihn nicht aufgestachelt, wie Diese mich verleumdet haben. Vielmehr, wenn er einmal, da wir zu ihm kamen, Deiner Menschenfreundlichkeit Erwähnung that, — und er that Erwähnung, als Thalassus nach Pitybion kam und wir in Aquileja verweilten, — so sei der Herr mein Zeuge, wie ich Deiner Gottesfurcht erwähnte und so über Dich redete, wie der Herr es Deiner Seele offenbaren möge, damit Du Dich von der Ränkesucht meiner Verleumder überzeugest. Gestatte mir, menschenfreundlicher Kaiser, Dieß zu sagen, und gewähre mir großmüthige Nachsicht. Nicht hat jener Freund Christi sich so viel vergeben, noch war ich ein so bedeutender Mann, daß wir über solche Dinge mit einander Rücksprache nahmen, oder daß ich den Bruder beim Bruder hätte anschwärzen, oder vor dem Kaiser hätte des Kaisers in ungünstigem Sinne gedenken sollen. Ich bin nicht wahnsinnig, o Kaiser, und ich vergesse nicht des göttlichen Ausspruches, welcher lautet: „Und in deinem Gewissen verfluche den König nicht, und in den Räumen deines Schlafgemaches verfluche den Reichen nicht. Denn ein Vogel des Himmels wird dein Wort weiter tragen, und das beflügelte Thier deine [S. 179] Rede verkünden.“3 Wenn aber sich nicht verbergen läßt, was man insgeheim gegen euch Könige spricht, wie ist es glaubwürdig, daß ich vor dem Kaiser und vielen Anwesenden gegen Dich gesprochen habe? Denn niemals habe ich Deinen Bruder allein gesehen, noch hat dieser jemals mit mir allein verkehrt, sondern immer kam ich in Begleitung des Bischofs der Stadt, wo ich war, und Anderer, die dort sich ausserdem aufhielten, zu ihm, und wir sahen ihn gemeinschaftlich und gingen mit einander wieder zurück. Es kann Dieß Fortunatian, der Bischof von Aquileja, bezeugen. Auch der Vater Hosius kann es bestätigen, ebenso Crispinus, der Bischof von Patavium, Lucillus in Beroni, Dionysius in Leis, der Bischof Vincentius in Campanien, und da Maximin von Trier und Protasius von Mailand gestorben sind, kann der damalige Magister4 Eugenius Zeugniß geben. Denn dieser stand an der Schwelle und vernahm, um was wir ihn baten, und was er uns zu erwidern geruhte. Obschon nun das ein genügender Beweis ist, so gestatte mir gleichwohl, daß ich Dir den Zweck meiner Reise auseinandersetze, damit Du auch daraus die kennen lernst, so uns leichtfertig verleumden.

1: II. Kor. 1, 23.
2: I. Kön. 12. 5 [= 1 Samuel].
3: Ekkl. 10, 20 [ Ekklesiastes = Prediger].
4: Nach der Anordnung Constantin des Großen standen an der Spitze des Heeres zwei Magister. Später wuchs ihre Zahl auf acht. Ausserdem gab es einen Magister officiorum (Staatskanzler).

 

 

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Einleitende Notizen zur Schutzschrift an Kaiser Constantius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger