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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift an Kaiser Constantius (Apologia ad Constantium)

17.

Ich muß nun seinem zweiten noch übrigen Einwurf begegnen. Der Verleumder sagt nämlich: Der Bau war noch nicht vollendet, und man hätte dort keine Gebete verrichten sollen. Der Herr aber sagt: „Wenn du beten willst, so gehe in deine Kammer und sperre die Thüren zu.“1 Was mag also der Ankläger sagen? Oder was mögen die vernünftigen und wahren Christen sagen? Diese frage, o Kaiser! Denn von jenen steht geschrieben: „Der Thor wird Thörichtes sagen,“2 von diesen aber: „Von jedem Weisen nimm Rath an.“3 Da die Kirchen zu enge und die Menschen in so großer Anzahl waren und in die Wüsten gehen wollten, was hätte man thun sollen? Denn die Wüste hat keine Thüren, und es kann durch dieselbe schreiten, wem es beliebt; der Raum des Herrn aber ist mit Mauern und Thüren umgeben und scheidet die Frommen von den Unheiligen aus. Stimmt nicht, o Kaiser, mit Deiner Frömmigkeit mir jeder Verständige hierin bei? Denn sie wissen, daß auf dieser Seite die rechte Weise des Gebetes sich befinde, auf der andern aber Unordnung zu befürchten sei. Es müßten ja sonst, wenn es keine Orte gäbe, die Betenden allein in der Wüste wohnen, wie es die Israeliten thaten. Aber auch sie erhielten, als sie das Zelt errichtet hatten, von da an einen bestimmten umgrenzten Ort zum Gebete. O Christus, Herr und wahrer König der Könige, eingeborner Sohn Gattes, Wort und Weisheit des Vaters, weil das Volk zu Deiner Güte betete und durch Dich zu [S. 192] Deinem Vater, dem Gott aller Dinge, für das Wohlergehen Deines Dieners, des gottesfürchtigen Constantius, flehte, werde ich angeklagt! Aber es sei Deiner Güte Dank gesagt, daß ich deßhalb und wegen Erfüllung Deiner Gebote verleumdet worden bin! Denn es hätte mich ein schwererer Vorwurf getroffen, und ich hätte eine wirkliche Schuld auf mich geladen, wenn wir die vom Kaiser erbaute Stätte unbenützt gelassen und zum Gebete die Wüste aufgesucht hätten. Wie würden erst dann dem Ankläger die Worte aus dem Munde gesprudelt sein? Mit welcher Ueberzeugungskraft würde er gesagt haben: Er hat Deine Stätte verachtet, er mißbilligt Dein Unternehmen, er hat Dich verhöhnt, indem er davon keinen Gebrauch machte? Er hat zeigen wollen, daß die Wüste dem Bedürfniß der Stätte genüge. Das Volk, das beten wollte, hat er davon abgehalten. So wünschte er sprechen zu können. Das strebte er an, und weil es ihm nicht gelang, ist er unzufrieden und spricht nun leere Worte. Hätte er nämlich das gesagt, so hätte er auch mich bestürzt gemacht, wie er mir jetzt Unrecht zufügt, indem er das Verfahren des Teufels nachahmt und die Betenden belauscht.4 Deßhalb täuschte er sich, indem er sich an dem Schicksal des Daniel verrechnete. Denn in seiner Unwissenheit glaubte er, daß bei Dir die Sitten der Babylonier sich geltend machen, und übersah, daß Du ein Freund des seligen Daniel bist und den nämlichen Gott wie er anbetest und nicht hinderlich bist, sondern vielmehr willst, daß Alle beten, da Du weißt, daß Alle darum beten, daß es Dir wohl ergehe und Du beständig in Frieden herrschest.

1: Matth. 6, 6.
2: Is. 32, 6.
3: Tob. 4, 19.
4: Daniel 6, 11.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Schutzschrift an Kaiser Constantius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger