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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift an Kaiser Constantius (Apologia ad Constantium)

12.

Wenn ich nun bei Andern verleumdet worden wäre, so hätte ich an Deine Gottesfurcht appellirt, wie der Apostel damals an den Kaiser appellirte1 und der Nachstellung seiner Feinde gegen ihn ein Ziel gesetzt worden ist. Da sie aber bei Dir die Verleumdung anzubringen gewagt haben, an wen soll ich von Dir appelliren? An den Vater dessen, der sagt: „Ich bin die Wahrheit,“ damit er Dein Herz zum Wohlwollen lenke? Allmächtiger Herr, König aller Zeiten, Vater unsers Herrn Jesus Christus! Du hast durch [S. 187] Dein Wort diese Herrschaft Deinem Diener Constantius verliehen. Erleuchte Du sein Herz, damit er, nachdem er die gegen uns gerichtete Verleumdung vernommen hat, mit Wohlwollen unsere Vertheidigung aufnehme und Alle erkennen lasse, daß sein Gehör durch die Wahrheit geschützt sei, und daß, wie geschrieben steht, „nur gerechte Lippen dem König angenehm sind.“2 Denn daß auf diese Weise der Thron der Herrschaft feststehe, hast du uns durch Salomo sagen lassen.3 Frage also nur, es sollen die Verleumder erfahren, daß Dir am Herzen gelegen sei, von der Wahrheit Kenntniß zu erlangen, auch wenn sie durch die Gesichtsfarbe ihre Verleumdung nicht verrathen sollten. Denn dadurch verräth sich das Gewissen, und es steht geschrieben: „Wenn das Herz sich freut, blüht das Antlitz; wenn aber das Herz mit Schmerz erfüllt ist, ist das Antlitz verdüstert.“4 So verrieth die, welche dem Joseph nachstellten, das Gewissen,5 und die böse Gesinnung des Laban gegen Jakob hat sich an seinem Antlitz zu erkennen gegeben6. Du siehst also ihre Befürchtung, indem sie fliehen und sich verbergen, und unsere Unbesorgtheit, da wir uns vertheidigen. Denn es steht jetzt nicht Reichthum, sondern die Ehre der Kirche auf dem Spiele. Wer von einem Steine getroffen wird, sucht den Arzt auf. Schmerzlicher als Steine treffen aber die Schläge der Verleumdung. „Eine Keule ist die Verleumdung, ein Schwert und ein spitziges Geschoß,“7 wie Salomo sagt. Und diese Schläge kann nur die Wahrheit heilen. Wird aber diese vernachlässigt, so werden die Wunden noch heftiger.

1: Apg. 25, 11.
2: Sprüchw.16, 13.
3: Sprüchw. 25, 5.
4: Sprüchw. 15, 13.
5: Genes. 42, 21.
6: Genes. 31, 5.
7: Sprüchw. 25, 18.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Schutzschrift an Kaiser Constantius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger