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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

86.

In dieser Weise nun gingen Jene listig zu Werke und schmiedeten Ränke. Wir aber gingen zum Kaiser und entdeckten ihm die Ungerechtigkeiten der Eusebianer, da ja auch er es war, der die Abhaltung der Synode angeordnet hatte, und sein Comes dieselbe leitete. Da nun dieser mich vernommen hatte, ging es ihm zu Herzen, und er schrieb Folgendes:

Der siegreiche Constantin, der Größte, Erlauchteste, an die in Tyrus versammelten Bischöfe.

„Ich weiß nicht, was für Dinge von euerer Synode unter Lärm und Geräusch entschieden worden sind. Es scheint aber wohl durch eine gewisse geräuschvolle Unordnung die Wahrheit verkehrt worden zu sein, da ihr offenbar wegen eueres Haders mit eueren Nächsten, in dem ihr unerschütterlich beharren wollt, nicht auf das schauet, was Gott gefällt. Aber es wird ein Werk der göttlichen Vorsehung sein, die Übel solcher Zwietracht handgreiflich nachzuweisen und zu beseitigen und uns augenscheinlich zu beweisen, ob ihr bei euerer dortigen Versammlung auf die Wahrheit irgend eine Rücksicht genommen und ob ihr euere Entscheidungen ohne irgend welche Gunst und Feindschaft getroffen habt. Deßhalb will ich, daß ihr alle vor meiner Gottesfurcht schnell euch einstellet, damit ihr persönlich über euere Thaten genaue Rechenschaft gebet. Warum ich aber für gut fand, Dieß an euch zu schreiben, und euch schriftlich zu mir vorlade, werdet ihr aus Folgendem ersehen. Als ich nämlich in der nach uns genannten hochbeglückten Vaterstadt Konstantinopel mich herumtrieb, — ich befand mich aber damals zu Pferde, — da begegnete mir plötzlich mitten auf der Gasse Bischof Athanasius mit einigen Andern, die ihn begleiteten, und zwar so unvermuthet, daß ich davon nicht wenig überrascht war. Gott ist mein Zeuge, der Alles sieht, [S. 165] daß ich auf den ersten Anblick nicht einmal zu erkennen vermocht hätte, wer er sei, wenn nicht Einige von den Unsrigen auf unsere Anfrage, wie es zu geschehen pflegt, uns gemeldet hätten, wer er sei, und welche Ungerechtigkeit er erlitten habe. Ich unterredete mich nun in jenem Zeitpunkte weder mit ihm, noch trat ich mit ihm in irgend einen Verkehr. Als er aber um Audienz bat, wies ich ihn ab und war nahe daran, seine Entfernung zu befehlen. Da bat er mit größerem Freimuth, es möge ihm von uns weiter Nichts gewährt werden, als euere Ankunft, damit er in euerer Gegenwart über Das Beschwerde erheben könnte, was er habe erdulden müssen. Da mir das vernünftig und zweckdienlich zu sein schien, so ließ ich bereitwillig Dieß an euch schreiben, damit ihr alle, die ihr bei der in Tyrus gehaltenen Synode versammelt waret, unverzüglich ins Lager meiner Milde euch verfüget, um aus den Thaten selbst die Gewissenhaftigkeit und Unbestechlichkeit bei euerem Richterspruche zu beweisen, in meiner Gegenwart nämlich, da wohl auch ihr nicht in Abrede stellen dürftet, daß ich ein wahrer Diener Gottes bin. Es wird daher durch meine Gottesverehrung überall Friede gestiftet und selbst bei den Barbaren der Name Gottes in geeigneter Weise gepriesen, die bisher die Wahrheit nicht kannten. Offenbar aber kennt der, dem die Wahrheit unbekannt ist, auch Gott nicht. Es haben aber auch, wie gesagt, jetzt durch mich, den wahren Diener Gottes, die Barbaren Gott kennen und verehren gelernt, da sie an den Thaten selbst wahrnahmen, daß er überall für mich kämpfe und sorge. Dadurch ist ihnen zumeist Gott bekannt geworden, den sie aus Furcht vor uns verehren. Wir aber, die wir die heiligen Geheimnisse seiner Güte an uns zu tragen scheinen, denn ich möchte nicht sagen, daß wir sie bewahren, wir, sage ich, thun Nichts, als was auf Zwietracht und Haß abzielt und, um es gerade herauszusagen, auf den Untergang des menschlichen Geschlechtes hinarbeitet. Beeilet euch also, wie gesagt, und kommt alle möglichst schnell zu uns. Ihr könnt überzeugt sein, daß ich meine ganze Kraft einsetzen werde, um es dahin zu bringen, daß im Gesetze Gottes [S. 166] vorzugsweise das unversehrt erhalten bleibe, was weder einem Tadel noch einem üblen Rufe je ausgesetzt sein kann, wenn nämlich die Feinde des Gesetzes beseitigt, von Grund aus zermalmt und ganz und gar vernichtet sind, die unter dem Scheine des heiligen Namens mannigfaltige und verschiedene Lästerungen vorbringen.“

 

 

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Einleitende Notizen: Schutzschrift gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger