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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

85.

Wer sieht nicht, wenn er Dieß vernimmt, ihre Ränke? Denn sie verbergen nicht, was sie gethan haben, oder gestehen vielmehr gegen ihren Willen die Wahrheit ein. Denn wenn ich es war, der den Arianern den Eintritt verweigerte, und sie Aufnahme fanden, als ich unter ihren Ränken zu leiden hatte, worauf anders geht das hinaus, als daß das ihretwegen1 geschehen ist und sie ihretwegen Alles gegen uns thaten, und daß sie sowohl die Zerbrechung des Kelches als auch die Ermordung des Arsenius erdichtet haben, um nur der Gottlosigkeit Eingang in der Kirche zu verschaffen und nicht für Häretiker zu gelten? Denn das war es, was der Kaiser auch früher mir in einem Drohbriefe schrieb.2 Und sie schämten sich nicht, das zu schreiben und zu behaupten, daß die die richtige Ansicht hätten, welche die ganze ökumenische Synode mit dem Anathem belegte. Und sie scheuten sich nicht, eine so große Synode, so weit es von ihnen abhing, in einer Winkelsynode kraftlos zu machen, sie, die leichthin Alles sagen und thun. Und der Lohn der Verleumdung zeigt noch mehr ihre Niedertracht und gottlose Absicht. Die Mareotis ist, wie bereits gesagt, eine alexandrinische Landschaft. Es war noch niemals in dieser Landschaft ein Bischof, noch ein Landbischof,3 sondern dem Bischof von Alexandria sind die Kirchen des ganzen Landes unterworfen. Die einzelnen Priester haben die eigenen großen Dörfer, der Zahl nach wohl zehn und darüber.4 Das Dorf aber, wo Ischyras seinen Wohnsitz hat, ist ganz klein und hat eine geringe Einwohnerzahl, so zwar, daß es [S. 163] dort keine Kirche gab, sondern im nächstgelegenen Dorfe. Und obschon er in diesem Dorfe nicht einmal Priester war, so beschloßen sie dennoch, gegen die alte Überlieferung ihn Bischof zu nennen, indem sie wohl selbst es für unpassend hielten, aber durch das Versprechen für die Verleumdung genöthigt sich gleichwohl auch dazu verstanden, damit nicht jener Erzbösewicht wegen erlittenen Undanks die Wahrheit aussagte und die Bosheit der Eusebianer verriethe. Es ist ausgemacht, daß er weder eine Kirche hat noch Laien ihm anhängen, sondern er vielmehr von Allen wie ein Hund verfolgt wird. Dessenungeachtet haben sie den Kaiser bewogen, an den Katholikus zu schreiben (denn es ist ihnen Alles erlaubt), es möge ihm eine Kirche verschafft werden, damit er im Besitze einer solchen Glauben fände, wenn er von einem Kelche und Altare sprach. Denn sie ließen ihn sogleich auch Bischof nennen, weil es, wenn er keine Kirche hatte und gar nicht einmal Priester war, deutlich hervorgetreten wäre, daß er ein Verleumder sei und Alles erfinde. Gewiß hilft ihm, da das Volk und selbst die Seinigen sich ihm nicht anschließen, wie der leere Name so auch der folgende Brief Nichts, den er zum Beweise für seine und der Eusebianer ganz verkehrte Richtung vorzeigt.

Brief des Katholikus.

Flavius Hemerius dem Exactor in der Mareotis Gruß.

Da der Priester Ischyras die Gottesfurcht unserer durchlauchtigsten Herren und Kaiser gebeten hat, es möge ihm an der Stelle des Friedens des Sekontarurus eine Kirche gebaut werden, so befahl ihre göttliche Würde, es möge das möglichst schnell geschehen. Sei also darauf bedacht, wenn du die Abschrift des göttlichen Schreibens, das mit der gebührenden Verehrung an erster Stelle niedergelegt ist, sowie die unter meiner geheiligten Auktorität aufgenommenen Aktenstücke empfangen hast, sie schnell zu copiren und im [S. 164] Archiv zu hinterlegen, damit der von göttlicher Seite gekommene Auftrag seine Erledigung finden könne.“

1: Wegen der Arianer.
2: Nämlich, es sollte Athanasius die Arianer in die Kirchengemeinschaft aufnehmen.
3: Landbischöfe oder Chorbischöfe im Gegensatz zu den Stadtbischöfen hatten geringere Befugnisse.
4: Die größeren Dörfer waren die Sitze je eines Priesters, nicht die kleineren.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen: Schutzschrift gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger