Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

8.

Da Dieß also in dieser Weise als ausgemacht erscheint und von ihnen in entgegengesetzter Weise vorgebracht wird, was für eine Zuversicht gewährt die von ihnen vielgenannte Synode1 oder richterliche Entscheidung? Denn wie können die, welche in dieser Weise es wagen, sich mit dem zu befassen, was sie nicht sahen, worüber sie nicht zu richten hatten, wozu sie nicht zusammenkamen, und darüber zu schreiben, wie wenn sie überzeugt wären, in dem einen Glauben finden, was sie als Zweck ihrer Zusammenkunft bezeichnen? Wird man nicht glauben, daß sie das Eine wie das Andere in feindseliger Gesinnung gethan haben? Denn was für eine Synode von Bischöfen gab es damals auch? was für eine Versammlung, der es um die Wahrheit zu thun war? War nicht die Mehrzahl derselben gegen uns feindlich gesinnt? Lagen nicht wegen der Raserei des Arius [S. 63] die Anhänger des Eusebius mit uns im Kampfe? Verleiteten sie nicht die Andern, die mit ihnen gleicher Ansicht waren? Schrieben wir nicht beständig gegen sie, als gegen Meinungsgenossen des Arius? Wurde nicht Eusebius zu Cäsarea in Palästina von den Bekennern auf unserer Seite des Götzenopfers beschuldigt? Wurde Georgius nicht überwiesen, daß er von dem seligen Alexander abgesetzt worden sei? Wurden nicht Andere wegen verschiedener anderer Dinge angeklagt? Warum wollten sie also, um über uns zu richten, zusammenkommen? Und wie können sie sich erdreisten, von einer Synode zu reden, bei der ein Comes2 präsidirte, ein Spekulator3 anwesend war und ein Commentarius4 statt der Diakonen der Kirche uns einführte? Jener sprach, und die Anwesenden schwiegen oder gehorchten vielmehr dem Comes. Und die Bischöfe wurden durch sein Eingreifen gehindert, der Meinung ihres Herzens zu folgen.5 Jener commandirte, wir aber wurden von den Soldaten fortgeschleppt, oder er war vielmehr auf Befehl der Eusebianer ihrem Willen zu Diensten. Überhaupt aber, Geliebte, was ist das für eine Synode, wo der Ausgang Verbannung und Hinrichtung war, wenn es dem Kaiser gefiel? Was waren es aber auch für Beschuldigungen? Denn man muß sich hierin noch mehr über sie wundern. Es war ein gewisser Arsenius, dessen Ermordung sie zum Vorwurf machten, und sie sprachen die Verleumdung wegen eines zerbrochenen heiligen Kelches aus. Aber Arsenius lebt und wünscht mit [S. 64] uns in Gemeinschaft zu treten und erwartet keine anderen Zeugnisse, um zu beweisen, daß er lebt, sondern bekennt selbst, daß er lebt, und schreibt einen eigenhändigen Brief an unsern Mitbischof Athanasius, den sie als seinen Mörder erklärten. Die Gottlosen schämten sich nicht, die Anklage zu erheben, daß ein Mann trotz des großen Zwischenraumes, da er zu Wasser und zu Land eine gar weite Strecke entfernt war, von ihm getödtet worden sei. Und man wußte in jenen Zeiten nicht einmal seinen Aufenthaltsort, sondern sie haben sich sogar erkühnt, ihn unsichtbar zu machen, ohne daß ihm Etwas begegnet war. Und wäre es möglich gewesen, so hätten sie ihn in eine andere Welt versetzt oder ihn vielmehr wirklich aus der Welt geschafft, um nur, sei es durch einen wirklichen, sei es durch einen erdichteten Mord den Athanasius in Wahrheit zu morden. Aber der göttlichen Vorsehung sei auch in dieser Beziehung Dank gesagt, daß sie kein Unrecht gedeihen ließ, sondern den Arsenius in lebendem Zustand Allen vor Augen führte und ihre damaligen Intriguen und Ränke offen bewies. Denn er flieht uns nicht als Mörder, noch haßt er uns, als ob wir ihm ein Unrecht angethan hätten. Denn es ist ihm ganz und gar Nichts geschehen. Vielmehr will er mit uns in Gemeinschaft stehen und zu uns gezählt werden, wie er uns schreibt.

1: Die Synode in Tyrus 335.
2: Ein kaiserlicher Commissär. Den Titel Comes führte nur eine kleine Zahl der höchsten Staatsbeamten.
3: Ein Scharfrichter, denn die Griechen übersetzen das Wort durch δήμιος, ἀποκεφαλιστὴς [dēmios, apokephalistēs].
4: Ein kaiserlicher Beamter, dessen Aufgabe es war, die gestellten Klagen aufzubewahren. Vgl. Schutzrede an Kaiser Constantius K. 29.
5: Τὸ κινοῦν τοὺς δοκοῦντας ἐπισκόπους ... ἐνεποδίζετο … [To kinoun tous dokountas episkopous . . . enepodizeto . . .]. Montfaucon: Ne amoverentur, qui amovendi videbantur. . . impediebatur. Da müßte es aber κινεῖν [kinein] heißen.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen: Schutzschrift gegen die Arianer
Bilder Vorlage

Navigation
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger