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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

68.

Nachdem ich das Schreiben deiner Einsicht gelesen hatte, entschloß ich meinerseits mich dazu, deiner Standhaftigkeit zu antworten und dich zu ermahnen, du mögest das Volk Gottes zur Ordnung und zum Mitleide anzuhalten bestrebt sein. Denn das halte ich in meiner Seele als das Wichtigste fest, die Wahrheit hoch zu halten und immer im Herzen die Gerechtigkeit zu bewahren und zumeist an denen Freude zu haben, die den rechten Weg des Lebens [S. 140] wandeln. In Betreff jener ganz fluchwürdigen Männer aber, der ganz verkommenen und verruchten Melitianer nämlich, die nunmehr von Verrücktheit strotzen und nur aus Mißgunst unter Lärm und Getöse unsinnige Dinge treiben und ihren lasterhaften Sinn an den Tag legen, will ich Folgendes sagen. Du siehst nämlich, daß die Männer, von denen Jene sagten, daß sie mit dem Schwerte getödtet worden seien, jetzt mitten unter uns wandeln und sich des Lebens freuen. Was könnte es da nun für ein schlimmeres Präjudiz geben, das so klar und deutlich gegen ihre Sache gerichtet ist, als daß die, von denen sie sagten, daß sie ermordet worden seien, am Leben sind und sich wohl befinden, so daß sie offenbar für sich selbst werden das Wort führen können? Es brachten aber die Melitianer unter ihren Anschuldigungen auch Folgendes vor. Sie behaupteten nämlich, du wärest mit gesetzwidriger Gewalt eingedrungen, hättest einen an der heiligsten Stätte aufbewahrten Kelch an dich gerissen und zerbrochen. Das wäre fürwahr die schwerste Beschuldigung und der größte Verstoß, wenn das wirklich so vollbracht und begangen worden wäre. Aber was ist denn das für eine Anklage? Was ist das für eine Unbeständigkeit, was für ein Hin- und Herschwanken, was für eine Ungleichheit in Betreff der That, daß sie jetzt diese Schuld einer andern Person aufbürden? Es ist daher die Sache offenbar klarer als selbst die Sonne, daß sie deiner Klugheit Nachstellungen zu bereiten suchten. Wer sollte nun da noch es mit diesen Menschen halten wollen, die so viel Nachtheiliges ausgebrütet haben, zumal sie sich selbst ins Verderben stürzen und wissen, daß sie wegen erdichteter und erlogener Thaten als Ankläger auftreten? Wer also wird sich ihnen, wie gesagt, anschließen und unaufhaltsam den Weg des Verderbens betreten, jenen nämlich, auf dem nur sie die Hoffnung auf Rettung und auf Hilfe finden zu können glauben? Denn wollten sie ein reines Gewissen suchen und an die beste Meinung denken und einen gesunden Sinn annehmen, so würden sie leicht erkennen, daß ihnen keine Hilfe von der Vorsehung in Aussicht stehe, da sie in solchen [S. 141] Dingen ihren Eifer zeigen und zum eigenen Verderben Solches unternehmen. Das möchte ich nun mit Recht nicht Härte, sondern Wahrheit nennen. Zum Schluß füge ich aber noch hinzu, daß wir wollen, es möge Dieß von deiner Klugheit oft öffentlich vorgelesen werden, daß Alle davon Kenntniß erlangen und vorzugsweise die es erfahren können, welche so handeln und solche Umtriebe machen, daß das, was wir in geraden Worten sagen, der Ausdruck des wahren Sachverhaltes ist. Da also in dieser Sache so viel Ungerechtes vorkommt, so sollen sie wissen, daß ich mich dahin entschieden und diesen Vorsatz gefaßt habe, wenn sie solche Umtriebe machen, dann nicht mehr nach den Gesetzen der Kirche, sondern nach den Staatsgesetzen in eigener Person die Sache zu untersuchen. Und dann werde ich finden, daß sie nicht bloß als Räuber gegenüber dem Menschengeschlecht, sondern auch gegenüber der göttlichen Lehre selbst sich herausstellen. Gott möge dich erhalten, geliebter Bruder!“

 

 

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Einleitende Notizen: Schutzschrift gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger