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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

62.

Mit welch großem Unverstande sie aber das thun, bitte ich euch selbst zu erwägen. Denn bei den Thoren ruht die Bosheit auf ihrer Zunge.1 Diese tragen nun gleichsam bleiernen Groll herum, um sich gegenseitig zu verwunden und uns den Gewinn ihrer eigenen Züchtigung finden zu lassen, und der gute Belehrung ertheilt, wird für einen Feind gehalten. Wer aber die Bosheit des Neides zur Schau trägt, der behandelt die Gutmüthigkeit des Volles nicht in geziemender Weise, verheert es und zehrt es auf, schmückt und verherrlicht sich selbst mit übelwollendem [S. 134] Lobspruch, stürzt die Wahrheit über den Haufen, verletzt die Treue, bis er für sein Gewissen eine Höhle und einen Schlupfwinkel gesucht und gefunden. Diese Verkehrtheit macht sie also unglücklich, wenn sie sich, obschon sie unwürdig sind, vorschnell loben und sagen: „Wehe über das Unheil! Der ist zu alt, Jener ein Kind. Mir gebührt die Ehre, mir ist man sie schuldig, Jener hat sie eingebüßt. Denn ich werde Alle an mich ziehen und sie mit Gewaltanwendung zu vernichten suchen.“ Gewiß ein trefflicher Ausruf des Wahnsinns! Man kann Truppen, aufgebotene Mannschaften, oder so zu sagen die ganze Vorstandschaft des Rudererpersonals bei diesen ihren seltsamen Aufwiegelungen sehen. O über unsere Verkehrtheit! In der Kirche Gottes tragen wir so zu sagen unsern Unverstand zur Schau. Und doch schämen sie sich nicht? Sie tadeln nicht sich selbst? Und es empfindet ihre Seele keinen Schmerz, daß sie wenigstens jetzt gegenüber dem Betruge und dem Zanke etwas Würdiges zu denken scheinen? Es ist bloße Gewaltthat des Neides, gestützt auf die ihm eigenen Zaubermittel. Es vermochten die Bösen Nichts gegen eueren Bischof. Glaubet mir, Brüder, sie sind um nichts Anderes besorgt, als unsere Zeiten zu bedrängen und in diesem Leben keine Zeit zur Reue mehr zu haben. Helfet also euch selbst, ich bitte euch, laßt euch von unserer Liebe fesseln und verfolgt mit aller Kraft die, welche das Glück unserer Eintracht zu zerstören wünschen, und indem ihr auf Gott schauet, liebet euch selbst. Denn ich habe eueren Bischof Athanasius gerne aufgenommen und habe mit ihm geredet wie mit einem Manne, von dem ich überzeugt bin, daß er ein Mann Gottes ist. Euch kommt es zu, Dieß einzusehen, nicht mir, darüber zu urtheilen. Meinen Gruß aber glaubte ich euch durch den ehrwürdigsten Athanasius selbst überbringen lassen zu müssen. Ich erwog nämlich die mit seiner Gerechtigkeitsliebe verbundene Sorgsamkeit, die in einer meines friedfertigen Glaubens nicht unwürdigen Weise immer auf die Wohlthat der heilsamen Lehre gerichtet ist und eindringliche [S. 135] Mahnworte finden wird. Gott möge euch beschützen, geliebte Brüder!“ So weit Constantin.

1: Ekkli. 21, 29 [Septuag. = 21, 27; Hebr. 21, 28; Ekklisiastikus = Sirach].

 

 

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Einleitende Notizen: Schutzschrift gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger