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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

35.

Benachrichtigt uns also hierüber, Geliebte, damit wir sowohl an Jene als auch an die Bischöfe schreiben, die wieder zusammenkommen sollen, damit in Gegenwart Aller die Schuldigen verurtheilt werden und nicht mehr Verwirrung in den Kirchen herrsche. Denn es genügt das Geschehene. Es genügt, daß in Gegenwart von Bischöfen Bischöfe verbannt wurden. Darum soll man hierüber auch nicht viele Worte machen, damit es nicht scheine, als wollte man denen, welche damals anwesend waren, nahe treten. Denn wenn man die Wahrheit sagen soll, so hätte man es nicht so weit treiben und hätte die Engherzigkeit nicht so weit gehen sollen. Doch sei es so! Athanasius und Marcellus sind, wie ihr schreibt, aus ihren Sitzen entfernt worden. Was soll man von den Übrigen sagen, über die, wie gesagt, aus verschiedenen Gegenden hieher gekommenen Bischöfe und Priester? Denn auch sie sagten wieder, daß sie fortgeschleppt worden seien und Solches erduldet hätten. O Geliebte, nicht mehr in Übereinstimmung mit dem Evangelium, sondern zum Zwecke der Verbannung und Hinrichtung werden nunmehr die gerichtlichen Untersuchungen in der Kirche veranstaltet! Denn wenn sie überhaupt, wie ihr sagt, Etwas verbrochen haben, so hätte nach dem Kirchengesetze und nicht in solcher Weise das Urtheil gefällt werden sollen. Es hätte an uns Alle geschrieben werden sollen, damit dann von Allen über das Recht entschieden worden wäre. [S. 97] Denn Bischöfe waren es, die duldeten, und nicht die nächstbesten Kirchen duldeten, sondern die, an deren Spitze die Apostel selbst persönlich gestanden waren.1 Warum wurde uns aber gerade über die alexandrinische Kirche nicht geschrieben? Oder ist euch unbekannt, daß es Sitte war, zuerst an uns zu schreiben und dann von hier aus über das Recht entscheiden zu lassen? Wenn also gegen den dortigen Bischof ein solcher Verdacht bestand, so hätte an die hiesige Kirche geschrieben werden sollen. Nun aber verlangen die, welche uns keine Einsicht gestattet haben und selbst willkürlich verfahren sind, gar von uns, daß wir mit ihnen stimmen, die wir an der Untersuchung nicht Theil genommen haben. Nicht so lauten die Vorschriften des Paulus, nicht so die Überlieferung der Väter. Eine andere Gestalt ist das und eine neue Einrichtung. Ich bitte, tragt es gerne, es trägt zum gemeinen Besten bei, was ich schreibe. Denn was wir vom seligen Apostel Petrus überkommen haben, das theile ich euch mit, und ich würde es nicht geschrieben haben, da ich glaube, daß es Allen bekannt sei, hätte uns das Vorgefallene nicht bestürzt gemacht. Bischöfe werden weggeschleppt und vertrieben. Andere von einer andern Gegend werden dafür aufgestellt, und andere werden verfolgt, so daß sie wegen der fortgeschleppten trauern, wegen der gesendeten aber Zwang erleiden, damit sie die, welche sie wollen, nicht suchen, die sie aber nicht wollen, aufnehmen. Ich bitte euch, daß Solches nicht mehr geschehen möge. Schreibet vielmehr gegen die, welche so Etwas unternehmen, damit den Kirchen nichts Solches mehr begegne, noch ein Bischof oder Priester Mißhandlung erdulde, oder Jemand, wie sie uns mittheilten, genöthigt werde, gegen seinen Willen Etwas zu thun, damit wir nicht den Heiden zum Gespötte dienen, und vor Allem, damit wir Gott nicht erzürnen. Denn Jeder [S. 98] von uns wird am Tage des Gerichtes Rechenschaft ablegen müssen über das, was er hier gethan hat. Möchten aber Alle in ihrer Gesinnung mit Gott übereinstimmen, damit die Kirchen ihre Bischöfe wieder erhalten und sich beständig in Christus Jesus unserm Herrn freuen, durch den dem Vater die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Ich wünsche, daß es euch wohl ergehe im Herrn, geliebte und heißersehnte Brüder!

1: Es ist ohne Zweifel die Kirche in Alexandria gemeint, die vom Evangelisten Markus gegründet worden sein soll. Sieh Eusebius’ Kirchengesch. I. 16.

 

 

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Einleitende Notizen: Schutzschrift gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger