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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

22.

Doch was ist denn vorgekommen, das Groll zu erzeugen geeignet war? Oder was von dem, was wir schrieben, war geeignet, euern Groll zu erregen? Vielleicht, daß ich euch einlud, euch zu einer Synode einzufinden? Aber das hättet ihr eben mit Freude aufnehmen sollen. Denn die, denen ihre Thaten oder, wie sie selbst sagen, ihre Entscheidungen Zuversicht einflößen, nehmen es nicht übel auf, wenn die Entscheidung von Andern geprüft werden will, sondern sie zeigen Muth, weil die gerechte Entscheidung niemals ungerecht werden kann. Deßhalb haben auch die in der großen Synode von Nicäa versammelten Bischöfe nicht ohne göttliche Führung zugegeben, daß die Beschlüsse der ersten Synode in einer zweiten untersucht würden,1 damit die Richter, indem sie die spätere zweite Untersuchung vor Augen haben, mit aller Genauigkeit forschen, und damit die, über welche der Urtheilsspruch gefällt wird, fest glauben, daß sie nicht wegen des Hasses der früheren Richter, sondern nach Gerechtigkeit gerichtet werden. Wenn aber das eine alte Gewohnheit ist, die in der großen Synode erwähnt und schriftlich gemeldet wird, und ihr nicht wollt, daß sie bei euch zur Geltung komme, so ist eine solche Zurückhaltung ungeziemend. Denn was einmal in der Kirche zur Gewohnheit geworden und von den Synoden bestätigt worden ist, kann nicht mit Recht von Einigen abgeschafft werden. Aber auch ausserdem können sie sich hierin nicht mit Recht gekränkt fühlen. Denn als die, die von euch Eusebianern mit Briefen abgesendet worden waren, nämlich der Priester Makarius und die Diakonen Martyrius und Hesychius, hieher gekommen waren und den angekommenen Priestern des Athanasius nicht [S. 81] Stand halten konnten, sondern in Allem beschämt und überführt wurden, da baten sie uns, eine Synode zu berufen und sowohl an den Bischof Athanasius in Alexandria zu schreiben, als auch zu schreiben an die Eusebianer, damit in Gegenwart Aller die gerechte Entscheidung getroffen werden könne. Denn damals versprachen sie auch, Alles gegen Athanasius beweisen zu wollen. Denn öffentlich waren Martyrius und Hesychius mit ihren Begleitern von uns überführt worden, und die Priester des Bischofs Athanasius widerstanden unerschüttert. Die Begleiter des Martyrius aber, um die Wahrheit zu sagen, wurden in Allem beschämt, weßhalb sie auch auf den Zusammentritt einer Synode drangen. Hätte ich nun, ohne daß Martyrius und Hesychius mit ihren Begleitern auf den Zusammentritt einer Synode gedrungen hätten, wegen unserer Brüder, die über erlittenes Unrecht klagten, aufgemuntert, die Briefschreiber nicht leicht durchzulassen, so wäre selbst dann die Aufmunterung gerechtfertigt und gerecht gewesen, denn sie ist kirchlich und Gott wohlgefällig. Da aber die, welche ihr Eusebianer selbst eueres Vertrauens für würdig hieltet, uns um die Berufung baten, so wäre es für die Gerufenen billig gewesen, sich nicht gekränkt zu fühlen, sondern vielmehr bereitwillig zu kommen. Daraus geht also hervor, daß der angenommene Groll der Gekränkten grundlos, ihre Ablehnung aber, da sie nicht kommen wollten, ungeziemend und verdächtig sei. Erhebt Jemand über das, was er an sich selbst billigt, eine Anklage, sobald er es einen Andern thun sieht? Denn wenn, wie ihr schreibt, jede Synode eine Giltigkeit hat, an der man nicht rütteln darf, und der Richter entehrt wird, sobald Andere den Richterspruch untersuchen, so erwäget, Geliebte, wer die Synode entehrt, und wer die Entscheidungen der früheren Richter umstößt. Damit es aber nicht den Anschein gewinne, als wollte ich durch Erforschung des Einzelnen jetzt Jemand lästig fallen, so genügt, was zuletzt geschehen ist, bei dessen Anhörung man schaudern möchte, um einen Begriff von all dem zu geben, was wir übergehen.

1: Montfaucon bemerkt hier, daß ein solcher Beschluß sich in den zwanzig Kanonen des Concils von Nicäa nicht befinde. Uebrigens sei es gewiß, daß abgesehen von diesen Kanonen auch einige Beschlüsse in Bezug auf Disciplin gefaßt worden seien.

 

 

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Einleitende Notizen: Schutzschrift gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger