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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

17.

[S. 73] Daß das nicht eine leere Rede, sondern Thatsache ist, dafür sind Zeugen alle Priester in der Mareotis, die den Bischof immer auf seinen Rundreisen begleiten, und die damals gegen Ischyras schrieben. Aber weder gestattete man in Tyrus denen aus ihnen die Wahrheit zu sagen, die gekommen waren, noch erlaubte man denen, die in der Mareotis geblieben waren, dem Ischyras nachzuweisen, daß er ein Verleumder sei. Zeugniß geben auch die Abschriften der Briefe des Alexander, der Priester und des Ischyras. Wir schicken euch auch den Brief des Vaters der Kaiser.1 Darin zeigt er sich nicht bloß wegen des Arsenius ungehalten, daß man Anklage über die Ermordung eines Menschen erhebe, der noch lebt, sondern er drückte auch in Betreff des Kelches seine Verwunderung über das Schwankende und die Verworrenheit der Anklage aus, daß sie bald den Priester Makarius, bald den Bischof Athanasius anklagten, als hätte er den Kelch mit den Händen zerbrochen, und erklärt dann die Melitianer für Verleumder, dagegen den Athanasius für ganz schuldlos. Denn wie sind die Melitianer nicht Verleumder, und vor Allem Johannes?2 Dieser war in die Kirche aufgenommen worden und war mit uns in Gemeinschaft getreten. Er hatte sein eigenes Verfahren verurtheilt und Nichts mehr in Betreff des Kelches unternommen. Da sah er, daß die Anhänger des Eusebius den Ariomaniten ergeben seien, es aber nicht wagten, offen mit ihnen zu halten, sondern sich anderer Personen zu bedienen suchten, und so übernahm er eine Rolle wie ein Schauspieler bei den heidnischen Theatern. Das Stück hatte zum Gegenstand den Kampf der Arianer, der Grundgedanke war, ihnen zum Siege zu verhelfen, ihr Hinterhalt und ihre Wachposten Johannes mit seinem [S. 74] Anhang. Damit die Gönner der Arianer, indem sie diese vorschieben, scheinbar als Richter die Feinde der Gottlosigkeit zurückdrängen, die Gottlosigkeit befestigen und die Arianer in die Kirche einführen, suchen sie, die die Gottesfurcht verdrängen wollen, auch durch Gottlosigkeit den Sieg zu erzwingen. Und die der Gottlosigkeit gegen Christus sich ergeben haben, suchten die Feinde der Gottlosigkeit als gottlos aus dem Wege zu räumen, und sie reden uns von einem zerbrochenen Kelche, damit es scheine, daß auch Athanasius gleich ihnen gegen Christus gottlos sei. Wie kommen sie nur dazu, von einem heiligen Kelch Erwähnung zu thun? Woher kommt den Fahnenträgern der Gottlosigkeit gegen Christus der fromme Sinn in Betreff eines Kelches? Woher ist denen, die Christus nicht kennen, der Kelch Christi bekannt? Warum entehren die, welche sich stellen, als ob sie einen Kelch ehrten, den Gott des Kelches? Oder warum suchen die, welche wegen eines Kelches Lärm schlagen, den Bischof zu morden, der in ihm die heilige Handlung vollbringt? Sie hätten ihn ja getödtet, wenn es in ihrer Macht gestanden wäre. Und warum suchen sie, da sie den mit bischöflichem Schmucke gezierten Thron beweinen, den Bischof zu tödten, der ihn einnimmt? Damit der Thron den Bischof vermisse und das Volk der frommen Lehre beraubt werde? Es hat sie also weder ein Kelch noch ein Mord noch sonst irgend eine von ihnen gemeldete Schauderthat, sondern die bereits erwähnte Gottlosigkeit der Arianer hiezu verleitet, wegen der sie den Athanasius und andere Bischöfe verfolgten und jetzt noch die Kirche bekriegen. Denn von wem sind denn die Mordthaten und Verbannungen in Wahrheit ausgegangen? Nicht von diesen? Wer verfolgt die Bischöfe, indem er sich der weltlichen Macht bedient? Sind es nicht vielmehr die Eusebianer, statt Athanasius, wie sie selbst schreiben? Haben nicht vielmehr von ihnen Athanasius und Andere zu dulden gehabt? Denn auch vier Priester3 aus Alexandria, die doch nicht einmal nach Tyrus [S. 75] gekommen waren, sind in jener Zeit von ihnen in die Verbannung geschickt worden. Wer verdient beweint und betrauert zu werden? Nicht die, welche das Erste vollbrachten und Neues hinzuzufügen nicht verschmähten und alle Intriguen spielten, um einen Bischof zu verderben, der sich für ihre gottlose Häresie nicht gewinnen ließ? Daher stammt die Feindschaft der Eusebianer, daher stammen die Umtriebe in Tyrus, daher die vorgeblichen Richtersprüche, daher auch jetzt ihr Schreien ohne Richterspruch, wie wenn sie überzeugt wären, daher ihre Verleumdungen beim Vater der Kaiser und bei den gottesfürchtigen Kaisern selbst.

1: Die hier erwähnten Briefe finden sich weiter unten in den Kapiteln 64, 66, 68, 76.
2: Mit dem Beinamen Archaph, Bischof von Memphis in Mittelägypten. Er war nach dem Tode des Melitius das Haupt der Melitianer.
3: Diese vier Priester werden weiter unten K. 40 mit Namen angeführt: Apthonius. Athanasius, Paulus, Plution.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen: Schutzschrift gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger