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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

11.

Welcher heilige Kelch aber und wo ist ein solcher von Makarius zerbrochen worden? Denn das verbreiten sie und sprengen es nach allen Richtungen aus. Aber den Athanasius haben nicht einmal die Ankläger zu beschuldigen gewagt, wenn sie nicht von ihnen angestiftet wurden. Gleichwohl richten sie den Tadel gegen ihn, da er doch nicht einmal den Makarius hätte treffen sollen, wenn er nicht überführt war. Und sie schämen sich nicht, mit diesen Geheimnissen vor den Katechumenen, ja was das Schlimmste ist, vor den Heiden Scandal zu erregen, da man doch, wie geschrieben steht, das Geheimniß des Königs verbergen soll,1 wie auch der Herr befahl: „Gebet das Heilige nicht den Hunden, und werfet die Perlen nicht den Schweinen vor!“2 [S. 67] Denn man muß nicht die Geheimnisse den Uneingeweihten zum Besten geben, damit nicht die unwissenden Heiden darüber lachen, den Katechumenen aber, indem sie zur Neugierde gereizt werden, Ärgerniß gegeben werde. Gleichwohl, was für ein Kelch oder wo oder von wem ist ein solcher zerbrochen worden? Melitianer sind ja die Ankläger, die durchaus keinen Glauben verdienen; denn sie sind Schismatiker und Feinde der Kirche, nicht erst jetzt, sondern seit dem seligen Petrus, dem Bischof und Martyrer, da sie ja auch den Petrus selbst verfolgten, den Achillas, seinen Nachfolger, verleumdeten und den Alexander sogar beim Kaiser anklagten. Denn nachdem sie so in dieser Weise verfahren waren, machten sie sich zuletzt auch an Athanasius und thaten Nichts, was mit ihrer Bosheit nicht in Einklang stand. Denn wie gegen die Früheren, so intriguirten sie auch gegen ihn, nur haben erst jetzt und nicht früher ihre Intriguen und Verleumdungen Erfolg gehabt, weil sie die Eusebianer zu Gehilfen und Führern hatten, wegen der den Ariomaniten eigenen Gottlosigkeit, in welcher sie wie gegen viele Bischöfe so auch gegen Athanasius Ränke schmiedeten. Denn der Ort, an dem nach ihrer Angabe der Kelch zerbrochen wurde, war keine Kirche, kein Priester bewohnte den Ort. Der Tag, an dem Makarius das gethan haben soll, war kein Sonntag. Da also dort weder eine Kirche war noch ein Priester, noch auch der Tag es mit sich brachte, was für ein heiliger Kelch oder wann oder wo ist er zerbrochen worden? Denn es gibt offenbar auch viele Kelche in den Häusern und mitten auf dem Markte, und wer einen von diesen bricht, handelt nicht gegen die Gottesfurcht.3 Der heilige Kelch aber, durch dessen absichtliche Zerbrechung der, welcher es unternimmt, als gottlos erscheint, ist nur bei den rechtmäßigen Vorständen zu finden. Dieß Verhältniß allein hat es mit diesem Kelche, kein anderes. Diesen reicht ihr dem Volke vorschriftsmäßig zum Genusse, diesen habt ihr von der kirchlichen Anordnung überkommen, dieser [S. 68] gehört denen allein, die der katholischen Kirche vorstehen. Denn euch allein kommt es zu, das Blut Christi auszuspenden, ausserdem Keinem. Aber so gottlos der ist, der den heiligen Kelch zerbricht, so ist doch der noch gottloser, der das Blut Christi verhöhnt. Diese Verhöhnung begeht aber der, welcher das gegen die kirchliche Vorschrift thut.4 Und das sagen wir, nicht als ob von Makarius auch nur ein Kelch von Schismatikern zerbrochen worden wäre, da ja vielmehr ganz und gar kein Kelch dort war. Denn wie wäre es möglich gewesen, da dort keine kirchliche Stätte, kein Diener der Kirche, und da nicht einmal die Zeit für die Feier der Geheimnisse war?5 Es war dieß der vielgenannte Ischyras, der nicht einmal von der Kirche gewählt war noch, als Alexander die von Melitius eingesetzten Priester aufnahm, unter jener Zahl sich befand, also nicht einmal bei dieser Gelegenheit eingesetzt wurde.

1: Tob. 12, 7.
2: Matth. 7, 6.
3: D. h. er begeht kein Sacrilegium.
4: D. h. der, ohne Priester zu sein, das Blut Christi ausspendet.
5: Die Annahme einer Verstümmelung des Textes an dieser Stelle weist Montfaucon mit der Bemerkung zurück, daß der hier folgende Satz mit den kurz vorhergehenden Worten: „Der, welcher das gegen die kirchliche Vorschrift thut,“ zu verbinden, was dazwischen liegt, als Parenthese zu betrachten sei.

 

 

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Einleitende Notizen: Schutzschrift gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger