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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

2.

Es hätte das Urtheil so vieler Bischöfe genügt, um die Leute zu beschämen, die gegen uns auch nur zum Scheine noch Etwas vorbringen wollten. Da aber sogar die Feinde für uns und gegen sich selbst Zeugniß geben, indem sie das, was gegen uns geschehen ist, für Ränke erklären, wer schämt sich nicht, jetzt noch einen Zweifel zu hegen? Denn während das Gesetz befiehlt, daß die Urteilssprüche auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruhen [S. 53] sollen,1 so haben wir eine so große Menge Zeugen für uns, zu der auch noch die Erklärung unserer Feinde hinzutritt, daß auch die Übrigen sich nicht mehr auf ihren willkürlichen Urteilsspruch berufen, sondern sich genöthigt sehen, uns, von denen sie überführt werden, mit Beleidigungen statt mit Gründen zu bekämpfen. Denn das macht ihnen den größten Kummer, daß das, was sie selbst heimlich thaten und in einem verborgenen Winkel unter sich abmachten, von Valens und Ursacius ausgeredet und ans Licht gezogen wurde. Auch ist ihnen wohl bekannt, daß deren Sinnesänderung ihnen zum Verdammungsurtheil wird, denen aber, die von ihnen gekränkt wurden, zur Rechtfertigung dient. Deßhalb wurden sie auch auf der Synode in Sardica, wie ich vorhin gemeldet, verurtheilt, und zwar mit Recht. Denn in dieser Weise vertheidigten einst auch die Pharisäer den Paulus und verriethen ihre und der Juden Verschwörung gegen ihn.2 So wurde bewiesen, daß der selige David ohne Grund verfolgt wurde, als sein Verfolger das Geständniß machte: „Ich habe gefehlt, Sohn David!“3 So wollten auch diese es machen, indem sie von der Wahrheit sich besiegen ließen, und übergaben dem Julius, Bischof von Rom, ein Schreiben. Sie schrieben auch an uns und verlangten in Frieden mit uns zu leben, da sie doch so großen Lärm geschlagen hatten und wohl jetzt noch erröthen, weil sie die, welche sie zu tödten gesucht hatten, durch die Gnade des Herrn noch am Leben sehen. Und über Arius und seine Häresie sprachen sie das Verdammungsurtheil aus und handelten hierin folgerichtig. Denn da sie wußten, daß die Anhänger des Eusebius uns lediglich wegen ihrer eigenen Gottlosigkeit verfolgten, so sagten sie sich, nachdem sie einmal zum Geständniß sich entschlossen hatten, uns verleumdet zu haben, zugleich auch von der christusfeindlichen Häresie los, wegen welcher sie auch [S. 54] auf uns gelogen hatten. Was nun von den Bischöfen zu unserer Vertheidigung in verschiedenen Synoden geschrieben worden ist, und zuerst von den ägyptischen, ist Folgendes.

Die heilige Synode in Alexandria, versammelt aus Ägypten, der Thebais,4 Libyen und der Pentapolis,5 entbietet allen Bischöfen der katholischen Kirche, den geliebten und heißersehnten Brüdern im Herrn ihren Gruß.

1: Deuter. 19, 15.
2: Apostelg. 23, 9.
3: I. Kön. 26, 21 [= 1. Sam.].
4: Es gab eine untere und obere Thebais, das heutige Mittel- und Unterägypten.
5: Das Hochland von Barka, ostwärts von Tripolis gelegen.

 

 

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Einleitende Notizen: Schutzschrift gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger