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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Zwanzigste Homilie.

7.

Denn ich höre Viele sagen: „Ich bin ihm nicht Feind, bin nicht ungehalten, habe mit ihm gar keine Gemeinschaft.” Aber Gott hat ja nicht befohlen, daß du keine Gemeinschaft mit ihm haben sollst, sondern daß du Vieles mit ihm gemein habest; denn darum ist er dein Bruder; darum sagte er nicht: „Vergib deinem Bruder, was du gegen ihn hast;” sondern was? „Gehe hin und versöhne dich zuerst mit demselben;” und wenn er etwas wider dich hat, so lasse nicht eher ab, als bis du dieses Glied mit dir in Eintracht vereiniget hast. — Um in den Besitz eines brauchbaren Sklaven zu kommen, wendest du Geld auf, unterredest dich mit vielen Verkäufern und unternimmst zuweilen eine weite Reise. Um aber den Feind dir zum Freunde zu machen, darum gibst du dir nicht alle erdenkliche Mühe? Antworte mir! Wie wirst du Gott anrufen können, da du dich um seine Gebote so wenig bekümmerst? Der Besitz eines Sklaven kann uns keinen großen Nutzen gewähren, aber der Feind, der uns zum Freunde geworden, wird bewirken, daß uns Gott barmherzig und gnädig sei und uns die Sünden leichter verzeihe; er wird uns bei den Menschen Lob erwerben und auch für das Leben uns viele Sicherheit bieten. Denn Nichts ist gefährlicher als auch nur einen einzigen Feind zu besitzen. Denn der Ruf unserer Aufführung leidet, wenn uns der Feind tausendmal bei Allen verschwärzt; unsere Seele wird beunruhigt und das Gewissen verwirrt; wir erdulden in unserm Gemüthe einen beständigen Sturm. Da wir nun das Alles wissen, so wollen wir uns selbst von der Züchtigung und Strafe befreien; wir wollen vor Allem, was gesagt worden ist, und vor dem gegenwärtigen Feste eine heilige Scheue empfinden, und was wir wegen des Festes vom Kaiser zu erhalten hoffen, das wollen auch wir Andern angedeihen lassen. Ich höre nämlich vielfach erzählen, daß der Kaiser aus Ehrfurcht vor dem heiligen Osterfeste sich mit der Stadt gänzlich versöhnen und ihr alle Beleidigungen nachsehen wolle. Ist es also nicht unbillig, auf dieses Fest und dessen Würde sich zu berufen, um von Andern begnadigt zu werden; dasselbe aber zu ent- [S. 407] ehren und für Nichts zu achten, wenn von uns verlangt wird, daß wir uns mit Andern aussöhnen sollen? Denn Niemand fürwahr entehrt diese heilige Festversammlung so sehr als Derjenige, welcher ihr mit einem feindseligen Herzen beiwohnt; ja ein solcher kann dieses Fest nimmermehr feiern, und wenn er sich zehn Tage hinter einander der Speise enthielte. Denn wo es Feindschaft und Haß gibt, dort gibt es kein Fasten, kein Fest. Du wagst es nicht, dieses heilige Opfer mit ungewaschenen Händen zu fassen, selbst wenn man bedeutenden Zwang anwenden würde. Komm' also nicht mit unreiner Seele hieher! Denn dieses ist ein weit größeres Verbrechen als jenes und zieht eine größere Strafe nach sich. Denn Nichts verunreinigt eine Seele so sehr als ein Zorn, der beständig un Innern kocht. Denn wo Zorn oder Wuth ist, da fliegt der Geist der Sanftmuth nicht hin. Was wird aber ein Mensch, der vom heiligen Geiste verlassen ist, für eine Hoffnung zur Seligkeit haben? Wann wird er den rechten Weg einschlagen? Stürze dich also, mein Geliebter, nicht selbst ins Verderben, indem du am Feinde Rache zu nehmen gedenkst, und beraube dich nicht des göttlichen Beistandes! Wenn aber auch die Sache noch so schwer ist, so ist doch die Größe der Strafe, welche der Ungehorsam nach sich zieht, vorzugsweise im Stande, selbst den Trägsten und Nachlässigsten zu ermuntern und zü bewegen, sich jede Anstrengung gefallen zu lassen. Nun aber hat unsere Rede gezeigt, wie leicht die Sache abzuthun ist, wenn wir nur wollen. Lasset uns also gegen unser eigenes Heil nicht gleichgiltig sein, sondern uns mühen und Alles thun, um uns ohne Feind dem heiligen Tische nahen zu können! Denn keines von Gottes Geboten wird uns zur Last sein, wenn wir uns nur daran halten: das ergibt sich aus denen, die wir schon treulich befolgt. Denn wie Viele ließen sich von der Gewohnheit zu schwören hinreissen und hielten eine Besserung fast für unmöglich? Und dennoch habt ihr, nachdem ihr euch eine kleine Mühe gegeben, euch größtentheils von dieser Sünde gereinigt. Darum bitte ich euch, auch noch den Rest zu entfernen und für die [S. 408] Übrigen ein Beispiel zu werden. Denjenigen aber, die sich noch nicht ganz gebessert haben, sondern uns die lange Zeit vorschützen, in der sie bisher geschworen, und die da behaupten, es sei doch unmöglich, diese vieljährige Gewohnheit in so kurzer Zeit mit der Wurzel auszurotten, — möchte ich antworten: Wenn es sich um die Erfüllung dessen handelt, was Gott uns geboten, bedarf es dazu nicht der Zeit, nicht vieler Tage, nicht einer Reihe von Jahren, sondern nur der Furcht und einer achtsamen Seele; damit werden wir, und zwar in kurzer Zeit, vollends als Sieger hervorgehen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger