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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Neunzehnte Homilie.

2.

Schämen sollen sich also die Heiden, sich verbergen und verkriechen mit ihren Philosophen und ihrer Weisheit, die armseliger ist als jegliche Thorheit. Denn Diese haben während ihrer ganzen Lebenszeit nur sehr Wenigen, die leicht gezählt werden können, ihre Lehren beizubringen vermocht und selbst Diese beim Nahen einer geringen Gefahr wieder verloren; die Jünger Christi hingegen, Fischer, Zöllner und Teppichweber, haben in wenigen Jahren die ganze Welt zur Wahrheit geführt, und obwohl ihnen dabei zahllose Gefahren erwuchsen, so wurde die Predigt dennoch nicht nur nicht unterdrückt, sondern sie blüht noch fort und nimmt immer mehr zu; sie machten dadurch ungebildete Menschen, Landleute und Hirten zu Weisen. Da Diese nebst allen andern Tugenden auch den Grund aller Güter, eine tiefgewurzelte Liebe besitzen, so eilten sie zu uns her und durchliefen einen so gewaltigen Weg, um ihre eigenen Glieder umarmen zu können. Wohlan denn! Auch wir wollen ihnen für dieses Geschenk, nämlich für ihre Liebe und Zuneigung, ein Gegengeschenk auf die Reise mitgeben und sie also entlassen. Wir wollen wieder das Schwören behandeln, um diese böse Gewohnheit aus dem Herzen Aller mit der Wurzel aus- [S. 373] zurotten. Vorher aber will ich heute etwas Weniges von dem, was uns neulich gesagt worden ist, wieder in Erinnerung bringen. Nachdem nämlich die Juden von den Persern entlassen und von jener Knechtschaft befreit in ihre Heimath zurückgekehrt waren, heißt es: „Ich sah eine fliegende Rolle, die zwanzig Ellen lang und zehn Ellen breit war.” 1Und sie hörten, wie der Prophet sie darüber belehrte: „Das ist der Fluch, der ausgeht über das Angesicht der Erde und eingeht in das Haus Desjenigen, der da falsch schwört, und es bis in die Mitte hinein zertrümmert und Gebälk und Gemäuer zerstört.” 2Als wir Dieß damals lasen, untersuchten wir, warum der Fluch nicht nur den Schwörer, sondern auch seine Wohnung vertilgt. Und wir sagten, daß Dieß die Ursache sei: Gott will, daß die Strafen für die schwersten Verbrechen fortdauern sollen, damit sie allen Nachkommen zur Warnung dienen. Weil es nun nothwendig ist, daß man einen Meineidigen, wenn er gestorben, begrabe und dem Schooße der Erde übergebe: so verwandelt der Fluch, auf daß mit dem Leibe nicht auch dle Bosheit begraben werde, auch dessen Haus in einen Schutthaufen, damit Alle, die da vorübergehen, ihn sehen, den Grund der Zerstörung erfahren und sich hüten, in die nämliche Sünde zu fallen. Das ist auch in Sodoma geschehen. Weil nämlich die Bewohner in Lust gegen einander entbrannten, so wurde auch ihr Land durch das vom Himmel gefallene Feuer verzehrt: denn Gott wollte, daß die Strafe für dieses Verbrechen ununterbrochen fortdauern sollte. Erwäge dabei die Barmherzigkeit Gottes. Er hat nicht die Sünder selbst bis auf den heutigen Tag beständig fortbrennen lassen, sondern dieselben, nachdem sie einmal verbrannt waren, den Augen entzogen; aber die verbrannte Erde hat er Allen, die sie nachher anschauen wollten, vor Augen gestellt: und der Anblick dieses Erdstrichs ruft jetzt allen nachkommenden Geschlechtern fast lauter zu als jegliche Stimme und spricht: [S. 374] „Erfrechet euch nicht wie die Sodomiter zu freveln, damit ihr nicht die Strafe der Sodomiter erleidet!” Denn gewöhnlich dringt ein Zuspruch nicht so sehr ins Herz wie ein furchtbarer Anblick, der fortwährend die Spuren des Unglückes zeigt. Das bezeugen Diejenigen, welche in jene Gegenden eine Reise gethan; Diese erschracken nicht sehr, als sie wiederholt die Erzählung davon in der Schrift hörten, als sie aber dahin kamen und die Stelle betraten und sahen, daß die ganze Oberfläche derselben verwüstet sei, und als sie das Feuer erblickten, und daß sich nirgends der Erdboden, sondern nur Staub und Asche zeige: so erstaunten sie, schöpften aus diesem Anbllck eine eindringliche Mahnung, enthaltsam zu sein, und gingen in dieser Stimmung davon. Denn die Art und Weise der Strafe richtet sich nach der Art und Weise der Sünde. Denn gleichwie Jene eines widernatürlichen Beischlafes pflogen, der nicht auf Kindererzeugung hinzielte, so belegte sie auch Gott mit einer Strafe, welche den Schooß der Erde ganz und gar unfruchtbar machte und aller Früchte beraubte. Darum hat er auch gedroht, die Häuser der Schwörer vertilgen zu wollen, und Andere durch die Bestrafung derselben zu besserer Einsicht zu bringen.

1: Zach. 5, 1. 2.
2: Ebend. Verse 3. 4.

 

 

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Einleitung in die Säulenhomilien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger