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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Sechszehnte Homilie.

2.

Ich habe neulich zu eurer Liebe viel von den Schlin- [S. 316] gen, die uns aller Orten gelegt sind, von der Furcht und Muthlosigkeit, von der Trauer und Freude und von der Sichel, 1die in das Haus Derer kömmt, welche schwören, geredet. Erinnert euch jetzt aus all dem Vielen besonders an das, was über die fliegende Sichel gesagt worden ist, die in das Haus des Schwörenden einkehrt und Gebälk und Mauerwerk zerstört und Alles vernichtet. Und nebst dem merket auch das, daß es die größte Thorheit sei, mit dem Evangelium in der Hand zu schwören und das Gesetz, welches das Schwören verbietet, als ein Mittel zum Schwur zu gebrauchen, und daß es besser sei, einen Geldverlust zu erleiden als dem Nächsten einen Eid aufzutragen; denn dadurch wird Gott nicht wenig geehrt. Sprichst du nämlich zu Gott: „Deinetwegen habe ich den Nächsten, welcher gestohlen oder sonst einen Frevel begangen, nicht zum Schwören angehalten,” so wird er dich für diese Ehre sowohl hier als auch dort reichlich belohnen. Dieses erzählet auch Andern, beobachtet es aber auch selbst. Ich weiß, daß wir hier ehrerbietiger werden und jede böse Gewohnheit ablegen; allein es handelt sich darum, daß wir uns nicht bloß hier weise betragen, sondern daß wir diese heilige Scheue auch außer die Kirche mitnehmen, wo wir ihrer am meisten bedürfen. Denn Diejenigen, welche Wasser holen, haben nicht nur am Brunnen volle Gefäße, und schütten dieselben auf dem Wege nach Hause etwa aus, sondern stellen sie dort sorgfältig hin, damit sie nicht umgestürzt werden und so die Arbeit eine vergebliche sei. Machen auch wir es wie Diese: Bewahren wir, wenn wir nach Hause gekommen, fleissig, was da gesagt worden ist. Denn wenn ihr auch hier gesättiget werdet, aber leer nach Hause zurückkehrt, indem in den Gefäßen eurer Erinnerung das Gehörte nicht haftet, so wird euch diese Sättigung keinen Nutzen gewähren. Zeige mir den Athleten nicht in der Schule, sondern im Kampfe; beweise mir deine Gottseligkeit nicht zur Zeit des Unterrichtes, sondern zur Zeit der Aus- [S. 317] übung! Jetzt lobst du, was ich da sage; wenn du schwören sollst, dann erinnere dich an alle diese Ermahnungen! Wenn ihr dieses Gebot schnell in Ausübung bringt, so will ich bei meiner Unterweisung andere und wichtigere Gegenstände behandeln. Sehet, es ist nun schon das zweite Jahr, daß ich zu euch, Geliebte, rede, und noch bin ich nicht im Stande gewesen, euch hundert Verse der Schrift zu erklären. Der Grund davon aber ist, weil ihr von uns das lernen mußtet, was ihr von Haus aus und durch euch selbst zu erfüllen vermochtet, und weil ich den größern Theil meiner Unterweisung auf die Sittenlehre verwende. Das hätte nun nicht so sein sollen, sondern in Bezug auf die Sorge um den sittlichen Wandel solltet ihr von Haus aus und durch euch selber belehrt werden; die Erklärung der Schrift aber und die Betrachtungen über dieselbe bleibe uns überlassen. War es aber nothwendig, euere Pflichten auch von mir zu erfahren, so hätte doch das nicht länger als einen Tag dauern sollen; denn der Inhalt ist nicht so verschiedenartig und schwer und bedarf keiner Begründung. Denn wenn Gott Etwas offenbart, braucht es keine weitern Beweise. Gott hat gesagt: „Du sollst nicht schwören.” Frage mich nicht mehr um die Gründe dafür: es ist ein Gebot des Herrn; er, der es gegeben, wußte auch den Grund des Gebotes. Wäre dasselbe nicht nützlich, so hätte er (das Schwören) wohl nicht untersagt, wohl nicht verboten. Die Könige geben Gesetze, und diese sind oft nicht durchweg ersprießlich; denn sie sind Menschen und können nicht immer, wie Gott, das Richtige treffen; gleichwohl gehorchen wir ihnen. Wir mögen heirathen, Testament machen, Sklaven, Häuser oder Acker ankaufen oder sonst Etwas thun, so thun wir das nicht nach eigenem Bedünken, sondern gerade, wie jene es vorschreiben; wir sind nicht so sehr unsere eigenen Herren, daß wir unsere Handlungen nach unserer Willkür einrichten können, sondern wir gehorchen gar oft ihren Vorschriften, und wenn wir Etwas thun, was ihnen zuwiderläuft, so ist es ungiltig und nutzlos. Da wir nun den menschlichen Satzungen eine solche Ehre erweisen, werden wir denn Gottes Gebote so mit [S. 318] Füßen treten? Wie läßt sich das rechtfertigen? Wie ist da eine Verzeihung zu hoffen? Er hat gesagt: „Du sollst nicht schwören!” Stelle nicht seinem Gesetze durch dein Gebahren dein Gesetz gegenüber, damit du Alles mit Sicherheit thuest und redest.

1: Zach. 5,1.

 

 

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Einleitung in die Säulenhomilien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger