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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Fünfzehnte Homilie.

4.

Wir wollen uns also selbst unterrichten, über die Dinge nicht solche Urtheile zu fällen, nicht die Werke Gottes, sondern den bösen Willen des Menschen zu tadeln. Einer niedrigen Seele kann der Reichthum Nichts helfen und einem erhabenen Geiste die Armuth nie schaden. Trachten wir also die Schlingen kennen zu lernen, und wandeln wir ferne von ihnen; suchen wir die Abgründe kennen zu lernen, und begeben wir uns nicht in die Nähe derselben! Das wird uns die größte Sicherheit bieten, wenn wir nicht bloß die Sünden, sondern auch diejenigen Dinge vermeiden, die gleichgiltig zu sein scheinen, uns aber zu den Sünden verlocken. Ich gebe ein Beispiel. Lachen und Scherzen scheint keine offenbare Sünde zu sein, führt aber zu einer offenbaren Sünde; denn oft entstehen aus einem Gelächter schandbare Worte, aus schandbaren Worten noch schändlichere Thaten. Oft entstehen ausScherzreden und Gelächter Schmähung und Unglimpf, aus Schmähungen und Unglimpf Schläge und Wunden, aus Schlägen und Wunden Todschlag und Mord. Wenn dir also dein eigenes Heil ernstlich lieb ist, so wirst du dich nicht nur von schandbaren Worten und schmählichen Thaten, nicht nur von Schlägen und Todschlag, sondern auch selbst vor unzeitigem Gelächter und vor Spottreden hüten; denn sie sind die Wurzel der daraus entspringenden Sünden. Darum spricht Paulus: „Thörichtes Gerede und witzige Possen sollen aus eurem [S. 305] Munde nicht kommen.” 1 Denn obgleich das an sich geringfügig zu sein scheint, so ist es doch für uns der Grund großer Übel. Ferner, ein üppiges Leben scheint kein offenbares und ausdrückliches Verbrechen zu sein, es bringt uns aber dennoch gewaltige Nachtheile: Trunkenheit, Ausgelassenheit, Habsucht und Raub. Denn ein Verschwender und Schwelger, der seinem Bauche unerschwingliche Opfer darbringt, wird oft zum Stehlen, fremde Habe zu rauben, zum Betruge und Gewalt zu üben gezwungen. Fliehst du also das üppige Leben, so entfernst du die Grundlage des Betruges, des Raubes, der Trunkenheit und unzähliger anderer Sünden, indem du die Wurzel der Bosheit im Voraus zerstörest. Darum sagte auch Paulus: „Eine Wittwe, die in Wollüsten lebt, ist lebendig todt.” 2Ferner, der Besuch der Theater, der Anblick der Pferdewettrennen, das Spielen mit Würfeln scheint den Meisten keine offenbare Sünde zu sein; allein es verursacht fürs Leben unzählige Übel. Denn der Aufenthalt in den Theatern erzeugt Hurerei, Zügellosigkeit und jegliche Ausschweifung; der Anblick der Pferdewettrennen hat Streit, Schmähungen, Schläge, Schimpfworte und langwierige Feindschaften in seinem Gefolge. Die Sucht zum Würfelspiel verursacht oft Lästerungen, Verluste, Zornausbrüche, Scheltworte und unzählige andere noch größere Übel als diese. Fliehen wir also nicht bloß die Sünden, sondern auch das, was an sich gleichgiltig scheint, uns aber nach und nach zu diesen Sünden verleitet. Denn wer neben einem Abgrunde wandelt, zittert, wenn er auch nicht hineinfällt, und Mancher stürzte hinab, weil er eben gezittert. So wird auch Derjenige, der vor den Sünden nicht von weitem sich flüchtet, sondern in ihrer Nähe hinwandelt, in Furcht dahinleben und öfter Fehltritte thun. Denn wer sich um fremde Schönheiten kümmert, der hat, wenn er auch nicht wirkliche Unzucht getrieben, sich darnach doch gesehnt und ist nach dem Ausspruche Christe ein Ehebrecher geworden; 3öfter [S. 306] aber wird er durch die Begierde selbst thatsächlich zur Sünde verleitet. Halten wir uns also von den Sünden recht ferne! Willst du keusch sein? Hüte dich nicht allein vor einem Ehebruch, sondern auch vor einem unzüchtigen Blick! Willst du dich unfläthiger Reden enthalten? Hüte dich nicht allein vor schandbaren Worten, sondern auch vor einem ausgelassenen Gelächter und vor jeder sinnlichen Lust! Willst du ferne von Mordthaten sein? Fliehe lästernde Worte! Willst du von Berauschung befreit sein? Fliehe ein üppiges Leben und die leckern Mahle und reisse das Übel mit der Wurzel heraus! Eine muthwillige Zunge ist eine gefährliche Schlinge und bedarf eines gewaltigen Zaumes. Darum sagt auch Jemand: „Eine starke Schlinge sind für den Mann seine eigenen Lippen, und er wird durch die Reden seines eigenen Mundes gefangen.” 4

1: Ephes. 5, 4.
2: I. Tim. 5, 6.
3: Matth. 5, 28.
4: Sprüchw. 6, 2 (LXX).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger