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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXI-XXX: Zehn Predigten am Geburtsfeste unseres Herrn Jesu Christi.
Sermo XXVIII. 8. Predigt auf Weihnachten.

5.

Es gibt noch viele andere Ungeheuerlichkeiten in falschen Auslegungen, mit deren Aufzählung ich euere Aufmerksamkeit, Geliebte, nicht ermüden will. Nein, nach Erwähnung dieser verschiedenen gottlosen Lehren, die untereinander durch die Verwandschaft, wie sie zwischen den mannigfachen Arten der Gotteslästerung besteht, aufs engste verbunden sind, wende ich mich an eueren frommen Eifer mit der Mahnung, namentlich den zwei folgenden Häresien aus dem Wege zu gehen: Die eine von ihnen, die zum Urheber den Nestorius hat, versuchte bereits vor längerer Zeit nicht ungestraft ihr Haupt zu erheben; die andere aber, die ebenso verwerflich und verdammungswürdig ist und in Eutyches einen eifrigen Verfechter fand, kam erst jüngst zum Ausbruch. Jener wagte zu predigen, von der allerseligsten Jungfrau sei nur ein Mensch geboren worden, so daß man nicht glauben dürfe, es habe, als sie empfing und gebar, irgendeine Vereinigung zwischen dem Worte und dem Fleische stattgefunden; denn der Sohn Gottes sei nicht selbst des Menschen Sohn geworden, sondern habe sich nur aus Würdigung1 einem erschaffenen Menschen zugesellt2 . Solche Worte konnten die Ohren der Katholiken unmöglich ertragen. Waren sie doch in dem Evangelium der Wahrheit so unterrichtet, daß sie aufs bestimmteste wußten, es gebe für das Menschengeschlecht keinerlei Hoffnung auf Erlösung, wenn nicht gerade jener selbst der Sohn der Jungfrau wäre, der auch der Mutter Schöpfer ist. Eutyches aber, der gottlose Verfechter der unlängst auftauchenden sakrilegischen Lehre, bekannte zwar eine Vereinigung zweier Naturen in Christus, behauptete aber, eine Wirkung eben dieser Vereinigung sei es, daß von den zwei Naturen nur noch eine übrigbleibe, indem die Wesenheit der anderen3 überhaupt nicht mehr existiere. Könne doch diese nur durch ein Aufgehen4 oder nur durch eine Trennung5 ihr Ende finden. Diese Anschauungen aber widerstreben so sehr dem gesunden Glauben, daß man sich diese nicht zu eigen machen kann, ohne den Namen Christ zu verlieren. Wenn nämlich die Menschwerdung des Wortes eine Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur ist, gerade durch diese Verbindung aber das, was zweifach war,6 zur Einheit wurde, so kam nur die Gottheit aus dem Schoße der Jungfrau zur Welt, so unterzog sich diese nur zu trügerischem Scheine körperlicher Ernährung und körperlichem Wachstum. Dann hat man um alle Veränderlichkeit bei uns Menschen beiseite zu lassen nur die göttliche Natur gekreuzigt, dann ist nur die göttliche Natur gestorben, nur die göttliche Natur ins Grab gelegt worden. Daher ist auch für jene, die solchem Glauben anhängen, kein Grund vorhanden, auf eine Auferstehung zu hoffen, dann ist auch Christus nicht mehr "der Erstgeborene von den Toten"7 . Gab es doch keinen, dessen Wiedererweckung nötig gewesen wäre, wenn es keinen gegeben hätte, der getötet werden konnte.

1: dignatione
2: sociaverit
3: der menschlichen
4: in der Gottheit
5: von ihr
6: nach häretischer Anschauung
7: Kol 1,18; 1 Kor 15,20

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger