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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXI-XXX: Zehn Predigten am Geburtsfeste unseres Herrn Jesu Christi.
Sermo XXVIII. 8. Predigt auf Weihnachten.

4.

Der Glaube der Katholiken verachte darum, Geliebteste, die Irrlehren der belfernden Häretiker, die getäuscht von der Nichtigkeit weltlicher Weisheit, von dem Evangelium der Wahrheit abgewichen sind und sich in ihrem Unvermögen, die Menschwerdung des Wortes zu begreifen, aus der Quelle der Erleuchtung eine Ursache der Verblendung geschaffen haben! Denn nehmen wir noch einmal die selbst bis zur Leugnung des Heiligen Geistes gehende Lehren1 fast aller Irrgläubigen durch, so kommen wir zu der Erkenntnis, daß sozusagen nur derjenige den rechten Weg verließ, der nicht an die Wahrheit zweier Naturen in Christus unter dem Bekenntnis einer einzigen Person geglaubt hat: Wiesen doch die einen dem Herrn nur eine menschliche Natur zu, die anderen nur eine göttliche2 . Andere behaupteten, daß in ihm zwar die wahre Gottheit gewohnt habe, daß aber sein Leib nur ein Scheinleib gewesen sei3 . Andere bekannten sich zu der Anschauung, daß er zwar einen wahren Leib angenommen, aber nicht die göttliche Natur des Vaters gehabt habe. Und da sie seiner Gottheit beimaßen, was zu seinem menschliche Wesen gehörte, so schufen sie sich in ihrer Phantasie einen größeren und einen kleineren Gott4 , während es doch bei der wahren Gottheit keinerlei Abstufungen geben kann; denn alles, was kleiner als Gott ist, ist eben nicht Gott. Wieder andere erkannten zwar, daß zwischen Vater und Sohn keinerlei Unterschied bestehe, vertraten aber, da sie sich die Einheit der Gottheit nur in der Einheit der Person vorstellen konnten, die Meinung, daß Vater und Sohn ein und derselbe seien, so daß Geburt und Ernährung, Leiden und Sterben, Begräbnis und Auferstehung mit dem gleichen Vater in Verbindung gebracht werden müßten, der in allem sowohl die Rolle des Menschen wie des Wortes bekleidete5 . Manche wiederum glaubten, daß der Herr Jesus Christus keinen Leib aus unserer Substanz gehabt habe, sondern einem der aus edleren und feineren Stoffen genommen worden sei6 Manch andere dagegen huldigten der Ansicht, daß in dem Leibe Christi überhaupt keine menschliche Seele gewohnt, sondern daß das göttliche Wort selbst ihre Seele vertreten habe7 . Die Torheit dieser artete so weit aus, daß sie auf der einen Seite sich dazu bekannten, der Herr habe zwar eine Seele gehabt, andererseits aber erklärten, diese Seele sei ohne Vernunft gewesen, da für den Menschen die göttliche Natur allein genüge, um ihm alle die Dienste zu leisten, die die Vernunft erweise. Zuletzt erkühnten sich diese auch noch zu der Behauptung, daß nur ein Teil des Wortes Fleisch angenommen habe, so daß bei der mannigfachen und verschiedenen Natur des Leibes und der Seele, sondern auch die Wesenheit des Wortes selbst aufgehoben wurde.

1: Semiarianer
2: Sabellius
3: Eutychianer
4: Arianer
5: Patripassianer
6: Valentinus 2.Jhdt.
7: Apollinaris

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger