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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Dreizehnte Homilie

5.

Das laßt uns also bedenken und uns selber ermuntern! Denn wenn ihr euch nicht durch euch selber aneifert, so ist von meiner Seite alles Bemühen umsonst. Wie denn so? Weil es sich mit dem Unterricht nicht wie mit andern Künsten verhält. Denn hat ein Silberarbeiter das Gefäß gegossen und auf die Seite gestellt, so wird er, wenn er am folgenden Tage erscheint, dasselbe wieder ebenso finden. Ein Kupferschmid, ein Bildhauer und jeder andere Künstler wird das Werk, das er geschaffen, immer wieder als dasselbe vorfinden. Bei uns aber ist es nicht so; es findet vielmehr gerade das Gegentheil statt; denn wir haben nicht leblose Gefäße, sondern vernünftige Seelen zu bilden. Darum finden wir euch nicht wieder so, wie wir euch verlassen; sondern nachdem wir euch in die Lehre genommen, mit vieler Mühe gebildet, gebessert und in euch einen größern Eifer angefacht haben, verkehrt euch wieder, sobald ihr die Kirche verlassen, die Menge der Geschäfte, die euch von allen Seiten umgibt, und verursacht uns so eine noch größere Mühe. Darum bitte und beschwöre ich euch, mir die Hand zu reichen und, nachdem ihr diese Stätte verlassen, für euer Heil dieselbe Sorgfalt zu zeigen, die ich zu eurer Bekehrung mit solchem Eifer anwende. Daß es mir doch möglich wäre, anstatt eurer diese Tugend zu üben, und daß ihr die Belohnung der Verdienste empfinget! Ich würde euch dann nicht so sehr plagen. Aber was soll ich thun? Das ist nicht ausführbar; denn Gott wird einem Jeden nach seinen Werken vergelten. Gleichwie also eine Mutter beim Anblick des fiebernden Kindes demselben in seinen Schmerzen und seiner Glühhitze beisteht und oft unter Thränen vor dem kranken Kinde in die Worte ausbricht: O Kind, könnte doch [S. 272] ich dem Fieber ausstehen und die Fieberhitze auf mich übertragen; so sage auch ich jetzt: O wäre es doch thunlich, daß ich für euch Alle mich mühen und der Tugend befleissigen könnte! Allein das ist nicht möglich, nein; sondern Jeder muß über seinen persönlichen Wandel Rechenschaft geben, und es ist klar, daß Keiner für den Andern gestraft werden wird. Das verursacht mir eben Kummer und Schmerz, daß ich an jenem Tage, wenn ihr angeklagt werdet, euch nicht werde beistehen können, zumal ich mir nicht einbilden darf, bei Gott viel zu gelten. Hätte ich aber auch diese Zuversicht, so bin ich nicht heiliger als Moses, nicht gerechter als Samuel, von denen Gott sagt, daß sie, obgleich sie eine solche Höhe der Tugend erreicht, den Juden dennoch nicht zu helfen vermöchten, weil diese sich selbst einer so großen Trägheit ergaben. Weil wir also nach den persönlichen Werken Strafe oder Belohnung zu gewärtigen haben, so laßt uns eifrig bestrebt sein, mit allen übrigen Geboten auch dieß zu erfüllen, damit wir in guter Hoffnung das Diesseits verlassen und der versprochenen Güter theilhaftig werden durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesu Christi, durch welchen und mit welchem dem Vater und zugleich dem heiligen Geiste sei Ehre jetzt und alle Zeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

 

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Einleitung in die Säulenhomilien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger