Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Zehnte Homilie.

6.

Lasset uns also über alle diese Geschöpfe hinaus unsern Erhalter selber verherrlichen, nicht nur in Worten, sondern auch in unsern Werken; führen wir den löblichsten Wandel, sowohl in andern Stücken, als auch in Bezug auf die Enthaltung vom Schwören. Denn nicht jegliche Sünde zieht dieselbe Strafe nach sich, sondern diejenigen, die leicht zu verbessern sind, bringen uns eine größere Strafe. Das deutet auch Salomon an mit den Worten: „Es ist nicht zu verwundern, wenn Jemand beim Diebstahl ertappt wird; denn er stiehlt, um seine hungrige Seele zu sättigen;1 der Ehebrecher aber stürzt aus Mangel am Verstande seine eigene Seele ins Verderben.”2 Er will damit Folgendes sagen: Der Dieb ist zwar ein großer Verbrecher, aber kein so gewaltiger Sünder, wie der Ehebrecher ist; denn wenn auch die Ursache, warum jener sündigt, Nichts taugt, so kann er doch den Zwang der Armuth vorschützen; dieser aber, den kein zwingender Grund dazu drängt, stürzt sich einfach aus Thorheit in den Abgrund des Lasters. Dieses läßt sich auch von denen bemerken, die sich dem Schwören ergeben; denn Diese haben keinen andern Vorwand, als nur die Verachtung. 3 Ich weiß wohl, daß ich durch das beständige [S. 220] Mahnen als ein lästiger und zudringlicher Plaggeist erscheine; ich lasse aber dennoch nicht davon ab, damit ihr wenigstens ob meiner Unverschämtheit von dieser bösen Gewohnheit zu schwören ablassen möget. Denn wenn jener harte und unbarmherzige Richter 4 aus Rücksicht für die ihm lästige Wittwe seine Gesinnung geändert: so werdet ihr um so mehr Dieses thun, und hauptsächlich darum, weil ich euch nicht meinetwegen, sondern wegen eures Heiles so inständig bitte. Doch will ich dabei wohl nicht leugnen, daß ich Dieses auch thue wegen meines eigenen Heiles; denn ich betrachte eure Verdienste als meine Verdienste. Ich wünschte aber. daß ihr mit eben dem Eifer für euer Wohl sorgtet, mit dem ich mich jetzt dafür mühe und quäle; wenn das geschähe, so würden wir mit der Besserung vollends zum Ziele gelangen. Und was brauche ich viele Worte zu machen? Denn gäbe es keine Hölle, für die Halsstarrigen keine Strafe, für die Gehorsamen keine Belohnung, und ich träte vor euch hin mit der Bitte, mir diesen Gefallen 5 zu thun, würdet ihr mir dieselbe abschlagen? Würdet ihr meinem Ersuchen nicht nachkommen, zumal da ich um eine so leicht zu gewährende Gunst flehe? Da nun aber Gott eben das thut und dieselbe Gunst fordert, und zwar wegen euch, die ihr sie erweiset, und nicht wegen seiner, der sie empfängt: wer ist wohl so undankbar, wer so elend und bejammernswürdig, daß er Gott, der darum bittet, eine Wohlthat versage, zumal ja der Spender selbst sich dadurch der Wohlthat theilhaftig macht?

Erwäget nun das, und wenn ihr euch von hier nach Hause begebet, so erzählet Alles, waσ ihr gehört, und [S. 221] suchet Diejenigen, die nicht darauf achten, auf jegliche Weise zu bessern, damit wir sowohl für unsere eigenen Tugenden als für die, welche dann die Andern üben, belohnt werden mögen durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesu Christi, durch welchen und mit welchem dem Vater und dem heiligen Geiste sei Ehre jetzt und immer und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. [S. 222]

1: Die Schrift redet also hier nur vom Diebstahl in der Noth.
2: Sprüchw. 6, 30. 32.
3: Καταφρώνησιν μόνον, d. h sie kennen ihre eigene Würde, ihren eigenen Werth nicht, ja rühmen sich oft noch ihres sündhaften Wandels, und das ist wahre Verachtung der eigenen unsterblichen Seele.
4: Luk. 18, 2 ff.
5: Nämlich nicht zu schwören.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung in die Säulenhomilien

Navigation
. Mehr
. Zweite Homilie.
. Dritte Homilie.
. Vierte Homilie.
. Fünfte Homilie.
. Sechste Homilie.
. Siebente Homilie.
. Achte Homlie.
. Neunte Homilie.
. Zehnte Homilie.
. . Inhalt.
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. Elfte Homilie.
. Zwölfte Homilie.
. Dreizehnte Homilie
. Vierzehnte Homilie. ...
. Fünfzehnte Homilie. ...
. Sechszehnte Homilie. ...
. Siebenzehnte Homilie. ...
. Achtzehnte Homilie. ...
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger