Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Zehnte Homilie.

1.

Ich freue mich und wünsche euch allen Glück, daß ihr meine Ermahnung, die ich vor Kurzem in Bezug auf Jene gegeben, die nicht gefastet und deßwegen von der Versammlung weggeblieben sind, ins Werk gesetzt habt. Denn ich glaube, daß heute Viele, die ihre Mahlzeit gehalten, anwesend sind und diese schöne Versammlung vollzählig machen; ich schließe Dieß daraus, weil ich eine geschmücktere Kirche 1und eine größere Zahl von Zuhörern habe. Ich habe letzthin, wie es scheint, über die Abwesenden nicht vergeblich so Vieles gesagt und euere Liebe ermahnet, sie zu ihrer Mutter2zu führen und ihnen zu zeigen, daß es erlaubt sei, auch nach dem Genusse leiblicher Speise eine geistige Nahrung zu nehmen. Denn saget mir, meine Geliebten, wann habt ihr besser gethan: zur Zeit der letzten Versammlung, wo ihr euch nach der Mahlzeit zur Ruhe begeben, oder jetzt, da ihr hieher [S. 206] kamet zur Anhörung der göttlichen Lehren? Damals, als ihr euch auf dem Markte herumtriebet und an Gesellschaften Theil nahmet, die keinerlei Nutzen gewähren, oder jetzt, wo ihr unter euren Brüdern seid und die Lehren der Propheten anhört? Essen ist keine Schande, meine Geliebten, wohl aber, nach genossener Speise zu Hause zu bleiben und dieser heiligen Feier verlustig zu gehen. Denn wenn du zu Hause bleibst, wirst du träger und fauler; kömmst du aber hieher, so wirst du alle Schlafsucht und Trägheit vertreiben; ja nicht die Trägheit allein, sondern alle Traurigkeit wirst du ablegen und bei allen Zufällen, die sich ereignen, wirst du fröhlicher und heiterer sein. Und was brauche ich noch weiter zu sagen? Stelle dich nur in die Nähe eines Fastenden, und du wirst sogleich seinen Wohlgeruch spüren; denn wer fastet, ist eine geistliche Salbe: er offenbart durch seine Augen und durch seine Zunge und durch alles Andere den guten Zustand der Seele. Das sage ich nicht, um gegen Diejenigen, die nicht gefastet haben, Klage zu führen, sondern um den Nutzen des Fastens zu zeigen. Unter Fasten aber verstehe ich nicht bloß die Enthaltung von Speisen, sondern auch, und noch mehr, die Enthaltung von Sünden; denn sowie Derjenige, der gegessen hat, aber dann mit gebührender Sittsamkeit hieher kömmt, vom Fastenden nicht weit übertroffen wird; ebenso wird Derjenige, der zwar fastet, hier aber dem Vortrage nicht mit dem gehörigen Eifer und Fleisse zuhört, vom Fasten keinen großen Gewinn haben. Wer nämlich, nachdem er gegessen, mit gebührender Andacht an dieser heiligen Versammlung Theil nimmt, ist viel besser als der, welcher fastet und wegbleibt; denn das Fasten wird uns nicht in dem Maaße zu frommen vermögen, als es heilsam und nützlich ist, an dem geistlichen Unterricht sich zu betheiligen. Denn wo anders wirst du das hören, was du hier weislich vernimmst? Gehst du in die Gerichtsversammlung: dort gibts Hader und Streit; ins Rathhaus: dort plagt man sich mit städtischen Dingen; in irgend ein Privathaus: dort quält man sich allseitig mit Familiensorgen. Besuchst du die Zusammenkünfte und Versammlungen des Forums, so hörst du auch dort nur über [S. 207] Irdisches und Vergängliches reden: denn Alle, die sich dort einfinden, sprechen nur entweder von verkäuflichen Dingen, oder von Einkünften, oder von einer köstlichen Mahlzeit, oder von einem Güterverkauf, oder von andern Verträgen, oder von Testamenten, oder von Erbschaften oder von andern ähnlichen Dingen. Ja begibst du dich selbst in die Königspaläste, so wirst du auch dort das Nämliche hören: Alle reden von Reichthümern, von Macht und Ehre, die dort in Ansehen steht; von einem geistlichen Gespräche ist gar keine Spur. Hier aber ist es ganz anders: wir unterhalten uns über den Himmel und himmlische Dinge; über die Seele und unsern Wandel; wir untersuchen, warum wir erschaffen worden, warum wir hier so lange verbleiben, wohin wir von hier aus gelangen, und was uns nach diesem Leben erwarte, warum wir einen irdischen Leib haben, worin denn der Tod, worin das gegenwärtige und zukünftige Leben bestehe: alle unsere Reden enthalten nichts Irdisches, sondern betreffen das geistige Leben; hier bekommen wir reiche Zehrpfennige auf unsere Reise zur Seligkeit, und so werden wir voll guter Hoffnung von hier abscheiden. —

1: Λαμπρότερον θέατρον — der Hauptschmuck der Kirche besteht eben darin, daß sie von Gläubigen angefüllt ist.
2: D. h. in die Kirche.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung in die Säulenhomilien

Navigation
. Mehr
. Zweite Homilie.
. Dritte Homilie.
. Vierte Homilie.
. Fünfte Homilie.
. Sechste Homilie.
. Siebente Homilie.
. Achte Homlie.
. Neunte Homilie.
. Zehnte Homilie.
. . Inhalt.
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. Elfte Homilie.
. Zwölfte Homilie.
. Dreizehnte Homilie
. Vierzehnte Homilie. ...
. Fünfzehnte Homilie. ...
. Sechszehnte Homilie. ...
. Siebenzehnte Homilie. ...
. Achtzehnte Homilie. ...
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger