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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Achte Homlie.

3.

Da wir nun Solches wissen, so laßt uns Fleiß verwenden auf unser Leben und weder um Schätze besorgt sein, die da vergehen, noch um Ruhm, der erlischt, noch um den Leib, welcher altert, noch um Schönheit, die verwelkt, noch um Wohlleben, das zerrinnt, — sondern auf die Seele laßt uns alle Sorgfalt verwenden und sie auf alle Weise hegen und Pflegen. Denn erkrankte Leiber herzustellen ist nicht Allen gegeben; aber eine siechende Seele zu heilen, ist Allen leicht. Ferner, die Krankheit des Leibes bedarf zur Wiederherstellung Arzneimittel und Geld, aber die Heilung der Seele geschieht ohne Aufwand und Kosten. Sodann, das Fleisch wird seiner Natur nach nur mit großer Mühe von den dasselbe beschwerenden Wunden befreit; denn oft [S. 182] ist es nothwendig, das Eisen und bittere Heilmittel zu brauchen. Bei der Seele aber kömmt nichts Ähnliches vor, sondern es genügt Wunsch und Wille allein, — und Alles ist in Ordnung gebracht. Und daß es sich also verhält, ist ein Werk der Vorsehung Gottes. Weil nämlich aus der Krankheit des Leibes kein großer Schaden entstehen kann (denn wenn wir auch nicht erkrankten, kömmt doch der Tod daher und verdirbt und zerstöret ihn gänzlich). Alles aber an der Gesundheit unserer Seele gelegen ist: so hat Er die Heilung des weitaus Nützlichern und Nothwendigern leicht und kostenlos und schmerzfrei gemacht. Womit wollen wir uns also entschuldigen? Können wir Vergebung erwarten, wenn wir auf den siechenden Leib so große Sorgfalt verwenden, wobei wir Geld ausgeben, Ärzte herbeirufen und viel Schmerz ausstehen müssen, ohne daß uns nebstbei aus solchem Siechthum großer Schaden erwüchse; die Seele aber gering achten, noch dazu, da wir dabei weder Geld aufwenden noch Andere beschweren, noch uns Schmerzen unterziehen dürfen, sondern ohne das Alles durch bloßen Willen und Entschluß unsere Besserung vollständig ins Werk setzen können und mit Bestimmtheit wissen, daß, wenn wir Dieses nicht thun, wir die äusserste Buße werden aushalten müssen und unabwendbare Züchtigungen und Strafen? Denn sage mir, wenn dir Jemand verspräche, dir in einem kurzen Augenblick die Heilkunde zu lehren — ohne Entgelt und Mühe: würdest du ihn nicht für deinen Wohlthäter halten? Würdest du nicht Alles zu thun und zu leiden übernehmen, was ein solcher Lehrmeister dir auftragen würde? Siehe, jetzt wird dirs geboten, — ohne Mühe, nicht für die Gebrechen des Leibes, sondern für die Wunden der Seele die Heilmittel zu finden und dieselbe ohne allen Schmerz zur Gesundheit zurückzubringen! Darum laßt uns nicht saumselig sein. Denn welchen Schmerz macht es, sprich, gegen deinen Beleidiger den Zorn fahren zu lassen? Schmerz in Wahrheit macht es, angethanes Unrecht nachzutragen und unversöhnlich zu sein. Welche Mühe ist es, von Gott, dem bereitwilligen Geber, zahllose Güter zu erbitten und zu erflehen? Welche [S. 183] Mühe, über Niemanden Übles zu reden? Welche Schwierigkeit, von Neid und Mißgunst abzulassen? Welche Beschwerde, den Nächsten zu lieben? Welche Drangsal, keine schandbaren Worte zu reden, nicht zu schmähen, noch zu höhnen? Welche Arbeit, nicht zu schwören? Denn ich komme abermals auf dieselbe Ermahnung. Fürwahr, das Schwören selber ist die größte Last; denn oft verschwören wir uns, von Zorn und Ingrimm erfaßt, uns nun und nimmer auszusöhnen mit denen, die uns wehe gethan; darauf, wenn der Zorn erloschen ist und sich die Wallung gelegt hat und wir uns aussöhnen möchten, und nun der Eid mit seinem Zwang uns zurückhält: da schmerzt es uns, daß wir wie in einem Stricke gefangen und mit unauflöslichen Ketten gebunden sind. Und da der Teufel Dieß weiß und gar wohl versteht, daß der Zorn ein Feuer ist und leichtlich erlischt und nach erloschenem Zorn Versöhnung und Freundschaft eintritt: so hat er, da er will, daß dieses Feuer ungelöscht bleibe, uns schon oft mit einem Eide gebunden, auf daß, wenn der Zorn auch aufhört, doch der Zwang des Eides bestehe und den Brand in uns wahre und Eines von Beiden geschehe, entweder daß wir uns versöhnen und meineidig werden, oder unversöhnt bleiben und uns der Strafe der Rachsucht schuldig machen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger