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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Siebente Homilie.

5.

Es wäre aber nöthig, noch mehreres Andere zu untersuchen; allein ich sehe, daß es uns die Zeit nicht gestattet, mit unserer Rede auf diesen Ozean zu steuern; deßhalb versparen wir uns Dieß auf eine gelegenere Zeit und wollen jetzt abermals über die Enthaltung vom Schwören zu euch sprechen und euere Liebe ermahnen, auf diese Sache ja großen Fleiß zu verwenden. Denn ist es nicht ungereimt, während ein Sklave seinen Herrn nicht beim Namen, noch auch ohne Umstände und mit Gleichgiltigkeit zu nennen wagt, den Herrn der Engel mit großer Geringschätzung allenthalben leichtsinnig im Munde zu führen? Und wenn du das Evangelienbuch anfassen mußt, so waschest du dir die Hände und hältst es mit großer Scheue und Andacht, voll Furcht und Zittern: den Herrn des Evangeliums aber trägst du leichtsinnig allenthalben auf der Zunge umher? Willst du wissen, wie ihn die obern Gewalten nennen? Mit welchem Schauer? Mit welchem Beben? Mit welchem Staunen? „Ich sah den Herrn sitzen,” heißt es, „auf einem hohen und erhabenen Thron, und die Seraphim standen im Kreise um ihn und schrien einer zu dem andern und sprachen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerschaaren; die ganze Erde ist seiner Herrlichkeit voll.” 1Siehst du, mit welcher Furcht, mit welchem Schauer sie ihn unter Preis- [S. 173] und Lobgesang nennen? Du aber nennst in Gebet und Bitte ihn mit großem Leichtsinne, während du doch schauern solltest und wachen und nüchtern sein? Und beim Schwören, wo dieser wunderbare Name ganz und gar nicht über deine Lippen kommen sollte, kettest du in bunter Reihe Eid an Eid? Und welche Vergebung, welche Entschuldigung wird uns zu Theil werden, ob wir auch tausendmal die Gewohnheit vorschützen? Man erzählt von einem heidnischen Redner, 2der die unverständige Gewohnheit hatte, im Gehen immerfort mit der rechten Schulter zu zucken; und dennoch ward er dadurch der Gewohnheit Herr, daß er spitze Dolche auf beiden Seiten über den Schultern aufhing, um das zur Unzeit sich bewegende Glied durch die Furcht vor Verwundung zu witzigen. Solches thue auch du mit der Zunge, und statt eines Dolches hänge die Furcht vor Gottes Strafe über ihr auf, und du wirst sie völlig bemeistern. Denn unmöglich ist's, unmöglich, daß die Sorgsamen und Fleissigen, die sich mit diesem Werke befassen, je unterliegen sollten. — Jetzt lobt ihr das Gesagte; aber wenn ihr euch gebessert habt, werdet ihr noch viel lauter loben nicht uns allein sondern auch euch selber, und werdet das Gesagte mit größerer Lust anhören und mit reinerem Gewissen Gott anrufen, der deiner so schonet, daß er sagt: „Auch bei deinem Haupte sollst du nicht schwören.” 3 Du aber achtest ihn dermassen gering, daß du auch bei seiner Glorie schwörst! „Allein was kann ich dafür,” sprichst du, „wenn man mich dazu zwingt?” Was zwingen, o Mensch! Laß Alle erfahren, daß du es vorziehst, Alles zu leiden, als das Gebot Gottes zu übertreten, und sie werden ablassen, dich zu zwingen. Denn daß nicht der Eid glaubwürdig machte sondern das Zeugniß des Lebens und die Unbescholtenheit des Wandels und die gute Meinung, ist daraus klar, daß oftmals Viele vor Schwören barsten und doch Keinen überzeugten; Andere nickten nur und fanden mehr Glauben [S. 174] als Jene mit allen ihren Eiden. — Da wir nun Dieß alles wissen und die den Schwörern sowohl als den Meineidigen drohende Strafe vor Augen sehen: so laßt uns abstehen von der bösen Gewohnheit, damit wir alsdann auch zu den übrigen Besserungen fortschreiten und so die zukünftigen Güter erlangen, deren wir alle gewürdiget werden mögen durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesu Christi, durch welchen und mit welchem dem Vater sammt dem heiligen Geiste sei Ehre, Kraft und Herrlichkeit jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

1: Isai. 6, 1—3.
2: Demosthenes.
3: Matth. 5, 36.

 

 

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Einleitung in die Säulenhomilien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger