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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Siebente Homilie.

1.

Vieles und über Vieles habe ich gestern zu eurer Liebe geredet; unter dem Vielen aber — wenn ihr nicht Alles zu behalten vermöget — bitte ich euch, dessen am meisten von Allem zu gedenken, daß Gott uns die Traurigkeit zu nichts Anderm eingepflanzt hat, als nur um der Sünde willen, und Dieses hat er durch die Erfahrung der Dinge selber gezeigt. Wenn wir uns nämlich von Einbußen an Gütern, von Krankheit, vom Tode und den andern uns zustoßenden Unfällen betrüben und niederschlagen lassen, so gewährt uns die Traurigkeit nicht nur keinen Trost, sondern wir vergrößern noch dazu unser Unglück. Wenn wir aber ob der Sünden Leid tragen und trauern, so rauben wir der Sünde ihr Gewicht und machen die große klein, ja oftmals löschen wir sie auch ganz und gar aus. Daran also sollt ihr mir ohne Unterlaß denken, daß ihr nur wegen der Sünde Leid traget und um nichts Anderes; und zudem auf der andern Seite daran, daß die Sünde, welche Tod und Traurigkeit in unser Leben gebracht hat, von diesen beiden wiederum vernichtet wird, was wir neulich gleichfalls dargethan haben. Mögen wir demnach Nichts so sehr fürchten als Sünde und Fehltritt. Die Strafe laßt uns nicht fürchten; so werden wir der Strafe entfliehen, gleichwie auch die drei Jünglinge den Feuerofen nicht fürchteten und dem Feuerofen entgingen: so beschaffen müssen die Diener Gottes sein. Denn wenn die Zöglinge des alten Bundes, wo der Tod noch nicht getödtet, die ehernen Pforten noch nicht zertrümmert, die eisernen Riegel noch nicht durchbrochen waren, so edelmüthig ihr Leben einsetzten: womit werden wir uns entschuldigen können, und welche Vergebung wird denn uns werden, die wir so großer Gnade genießen und nicht einmal dasselbe Maaß der Tugend, wie Jene, jetzt erschwingen, [S. 164] da der Tod nichts als ein Name ist ohne Gehalt? Denn nichts Anderes ist der Tod als ein Schlaf, als eine Reise und eine Versetzung, als ein Ausruhen und ein heiterer Hafen, als ein Freiwerden von Unruhe und eine Erlösung von den Sorgen des Lebens. —Allein wir schließen hier mit dem Worte der Tröstung; denn Dieß ist bereits der fünfte Tag, 1 daß wir eurer Liebe tröstend zureden, und es scheint uns, als würden wir euch fürder selbst beschwerlich fallen. Für die Achtsamen reicht das Gesagte ja hin; den Kleinmüthigen würde es Nichts helfen, wenn wir auch zu dem Gesagten noch Mehreres fügten. Es ist Zeit, daß wir unsere Unterweisung fortan der Auslegung der Schrift zuwenden. Denn wie man uns der Gefühllosigkeit und Unmenschlichkeit hätte beschuldigen können, wenn wir über diesen Unfall gar Nichts gesagt hätten: so könnte man uns, wenn wir immerfort darüber sprächen, mit Recht Kleinmuth vorwerfen. Indem wir also eure Herzen Gott anempfehlen, der euch zu Herzen zu reden und alle Trauer daraus zu vertreiben vermag: so laßt uns jetzt zur gewohnten Unterweisung greifen, und zwar um so mehr, da ja die Auslegung der ganzen Schrift Trost und Beruhigung ist, so daß, auch wo wir vom Trösten abzulassen scheinen, wir von Neuem eben durch die Auslegung der Schrift in dieselbe Materie zurückfallen. Daß nämlich die ganze Schrift für die Achtsamen eine Tröstung ist. Dieß will ich euch auf der Stelle einleuchtend machen. Denn ich will nicht etwa die Geschichten der Schrift durchlaufen, um zu versuchen, ob ich etliche Trostworte darin finden möge, sondern damit ich euch einen um so kräftigern Beweis liefere von meiner Verheissung, will ich das heute vor euch verlesene Buch zur Hand nehmen und, wenn es euch zusagt, dessen Anfang und Eingang, der vornehmlich auch nicht eine Spur von Trost aufzuweisen, sondern sich mit durchaus [S. 165] andern Dingen als Tröstungen zu beschäftigen scheint, vorlegen und an ihm deutlich machen, was ich behaupte. — Wie lautet denn nun der Eingang? „Im Anfang erschuf Gott den Himmel und die Erde; die Erde aber war wüst und leer, und Finsterniß auf dem Abgrunde.” 2Scheint das Gesagte irgend einem unter euch in der Trauer einen Trost zu enthalten? Ist es nicht eine geschichtliche Angabe und die Lehre von der Schöpfung? —

1: Die eigentlichen Trostpredigten beginnen mit der dritten Homilie; die zweite ist mehr Klage als Trost.
2: Gen. 1, 1. 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger