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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Sechste Homilie.

7.

So unterrede dich nun, wenn du heimgehst, hierüber mit allen deinen Hausgenossen. Und gleichwie Viele [S. 160] oftmals, wenn sie von einer Aue kommen, eine Rose oder ein Veilchen oder andere ähnliche Blumen mitnehmen und zwischen den Fingern nach Hause tragen; wie abermals Andere, wenn sie aus Gärten heimkehren, Baumzweige mit Früchten mitbringen; noch Andere Tafelreste von reichen Gastmahlen ihren Angehörigen zutragen: so nimm auch du, wenn du von hier weggehst, meine Ermahnung mit und trage sie deinem Weibe, deinen Kindern, und allen deinen Angehörigen zu. Denn dieser mein Rath ist nutzbarer als Wiese und Garten und Tafel. Diese Rosen welken nimmer, diese Früchte zergehen nimmer, diese Speisen verfaulen nimmer. Jene gewähren eine vorübergehende Lust, diese einen unaufhörlichen Nutzen — nicht nur nach der Besserung, sondern auch in der Besserung selber. Bedenke, was es sagen will: alles Andere bei Seite zu lassen, sowohl die öffentlichen als die Privatgeschäfte, und durchgehends von den göttlichen Gesetzen zu reden, bei Tisch, auf dem Markt und bei den andern Zusammenkünften! Wenn wir hierauf unsere Muße verwenden, werden wir nichts Gefährliches noch Schlüpfriges reden, noch auch wider Willen sündigen. Aber auch aus der auf uns lastenden Trübsal werden wir, falls wir solche Unterredungen pflegen, unsere Seele unvermerkt zu befreien vermögen — statt daß jetzt die Sorge uns quält und uns einander stets fragen läßt: Hat der Kaiser das Geschehene vernommen? Ist er zornig geworden? Und was hat er verfügt? Hat ihn Jemand gebeten? Und ferner wird er es über sich gewinnen, eine so große und volkreiche Stadt von Grund aus zu zerstören? Dieß und dergleichen laßt uns auf Gott werfen und allein für das von ihm uns Anbefohlene sorgen! Denn so werden wir auch alle jene Räthsel lösen, und wenn nur zehn unter uns sich bessern, so werden aus den zehn bald zwanzig, aus zwanzig fünfzig, aus fünfzig hundert, aus hundert tausend, aus tausend die ganze Stadt. Und sowie, wenn zehn Leuchter angezündet sind, Jemand leicht das ganze Haus mit Licht zu erfüllen vermag, so verhält es sich auch mit der geistlichen Besserung: wenn nur zehn sich bessern, so werden wir bald die ganze [S. 161] Stadt in Brand setzen, daß sie Licht hat und uns Sicherheit bringt. Denn nicht also ergreift eine Flamme, die auf Holz fällt, ihrer Natur nach immer die ihr zunächst befindlichen Scheiter, wie der Tugendeifer, wenn er wenige Seelen erfaßt, fortgesetzten Laufs die ganze Stadt zu erfüllen vermag. So machet jetzt, daß ich mich euretwegen rühmen könne, sowohl im gegenwärtigen Leben, als an dem zukünftigen Tage, wo Diejenigen vorgeführt werden, denen die Talente anvertraut sind: hinlänglicher Lohn für meine Bemühung ist eure Bewährung, und wenn ich euch in Frömmigkeit wandeln sehe, so habe ich Alles empfangen. Darum thuet, wozu ich schon gestern ermahnte, und was ich heute wieder sagen will und zu sagen nicht aufhören werde. Bestimmt eine Buße für die Schwörer, — eine Buße, die Gewinn, nicht Strafe mit sich führt; richtet euch darauf ein, daß ihr uns fortan werdet Rechenschaft geben müssen von eurer Besserung. Denn ich werde nach Auflösung dieser Versammlung mit einem Jeden von euch eine lange Zwiesprache zu halten versuchen, um im Laufe der Unterredung die Gebesserten herauszufinden. Und wenn ich Jemanden schwören sehe, so werde ich ihn allen Gebesserten kundthun, damit wir ihn durch Bedrohen, Verweisen, Verbessern in Bälde von der bösen Gewohnheit befreien. Denn es frommt mehr, hienieden gescholten und gebessert zu werden, als an jenem Tage im Angesichte der ganzen Welt zu Schanden zu werden und Strafe zu leiden, wenn uns die Sünden vor Aller Augen aufgedeckt werden. O möchte doch Keiner aus dieser schönen Versammlung dort sich befinden, dem Solches widerführe! Möchten wir vielmehr durch die Fürbitte der heiligen Väter alle Sünden ablegen und viele Frucht der Tugend bringen und so mit großer Freudigkeit von hinnen scheiden — durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesu Christi, durch welchen und mit welchem dem Vater sammt dem heiligen Geiste sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger