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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Vierte Homilie.

5.

Und auch du, — hast du diesen zum Freunde, so verzweifle nicht, ob man dich auch in einen Feuerofen würfe; [S. 111] ebenso, wenn er dir zürnet, traue nicht, und ob du auch in einem Paradiese lebtest. Denn Adam war in einem Paradiese; aber nachdem er Gott beleidiget hatte, half ihm das Paradies Nichts. Jene waren in einem Feuerofen; aber weil sie (Gott) wohlgefällig waren, schadete ihnen der Feuerofen nichts. Im Paradiese war Adam, und weil er leichtsinnig war, fiel er zu Boden. Auf dem Düngerhaufen saß Job; und weil er nüchtern blieb, behielt er den Sieg. Und um wie viel auch besser ein Paradies als ein Misthaufen ist, so half doch die Güte des Landstrichs dem Insassen Nichts, nachdem dieser sich selber verrathen; sowie die Ärmlichkeit des Ortes dem Nichts zu schaden vermag, der allenthaben mit Tugend umschanzt ist.

So laßt denn auch uns unsere Seele versichern; denn wenn auch Verlust an Gütern, wenn auch der Tod über uns kommt und uns nur Niemand die Gottesfurcht nimmt, so werden wir die seligsten Menschen sein. Das hat auch Christus geboten, wo er spricht: „Darum seid klug wie die Schlangen.”1 Denn wie diese, um den Kopf zu retten, den ganzen übrigen Körper preisgibt, so sei auch du, ob du dein Gut, ob den Leib, ob das zeitliche Leben, ob du Alles dahingeben müßtest, nicht trostlos, wenn du nur deine Frömmigkeit rettest. Denn gehst du im Besitze dieser von hinnen, so wird dir Gott Alles viel prachtvoller wieder erstatten und den Leib mit größerer Herrlichkeit wieder erwecken und statt Geld und Gut dir jene Güter bescheeren, die alle Kraft der Sprache übersteigen. Saß Job nicht nackt auf dem Miste, und war das Leben, das er ertrug, nicht beschwerlicher als tausendfältiger Tod? Aber weil er seine Gottesfurcht nicht fahren ließ, so kam ihm Alles, was er früher besessen, in größerer Fülle wieder: des Leibes Gesundheit und Schönheit, die ganze Schaar seiner Kinder, sein ganzes Besitzthum und, was größer war als Alles, die strahlende Krone der Geduld. Denn was an den Bäumen [S. 112] geschieht, daß nämlich, wenn auch Jemand die Frucht mit den Blättern abreißt, wenn er auch sämmtliche Zweige weghaut, falls nur die Wurzel verbleibt, der ganze Baum mit höherem Schmuck wieder auflebt: ebenso kehret auch uns, wenn nur die Wurzel der Frömmigkeit bleibt, Alles von Neuem mit größerer Herrlichkeit wieder, obschon uns der Reichthum entrissen und der Leib verderbt wird.

So wollen wir denn allen Kummer und jede überflüssige Sorge aus der Seele werfen und zu uns selber zurückkehren und den Leib und die Seele mit dem Schmucke der Tugend verschönern und die Glieder unseres Leibes zu Waffen der Gerechtigkeit zurüsten, aber nicht zu Waffen der Sünde. Und vor allen Dingen laßt uns unsere Zunge erziehen, daß sie sei eine Dienerin der Gnade des Geistes, und alles Gift und alles Arge und das Trachten nach schandbaren Worten wegthun aus unserm Munde; denn wir sind Herren darüber, jedes unserer Glieder zu einem Werkzeug der Bosheit oder der Gerechtigkeit zu machen. Höre nur, wie die Einen die Zunge zur Waffe der Sünde, die Andern zur Waffe der Gerechtigkeit machen. „Die Zunge derselben ist ein scharfes Schwert.” 2 Ein Anderer sagt von seiner eigenen Zunge: „Meine Zunge ist der Griffel eines schnellen Schreibers”3: jene bewirkte Todtschlag, diese schrieb die göttliche Satzung. Darum war jene ein Schwert, diese aber ein Griffel, — nicht nach der eigenen Natur, sondern nach der Willkür derer, die sie gebrauchten. Denn die Natur dieser wie jener Zunge war nur eine, aber ihre Wirkung nicht eine. Am Munde ferner kann man ganz dieselbe Beobachtung machen; die Einen nämlich halten den Mund voll Fäulniß und Bosheit; deßhalb sagte ihr Ankläger: „Ihr Mund ist voll von Fluch und Bitterkeit.” 4 Aber sein eigener ist nicht also, sondern: „Mein Mund wird Weisheit reden und das Sinnen meines Herzens klugen Rath.” 5 Wieder Andere [S. 113] hatten Hände, angefüllt mit Ungerechtigkeit, und deren Ankläger sagt wieder: „In ihren Händen ist Ungerechtigkeit und ihre Rechte voller Geschenke.” 6 Er selbst aber hatte Hände, gewöhnt an keinen andern Dienst, als sie zum Himmel zu heben. Darum sagt er auch von diesen: „Meiner Hände Aufheben ist ein Abendopfer.” 7 Ganz dasselbe ist ferner am Herzen bemerkbar. Denn der Einen Herz war eitel, das seine aber wahrhaftig. Darum sagt er auch von Jenen: „Das Herz derselben ist eitel;” 8 von dem seinen aber: „Mein Herz hat ausgesprudelt ein treffliches Wort.” 9 Aber auch am Gehör kann man Dasselbe bemerken. Die Einen hatten unerbittliche und unversöhnliche Ohren wie Thiere. Diese schilt er und sagt also: „Sie sind wie eine taube Natter, die ihre Ohren verstopft hat.” 10 Aber seine Ohren waren Empfänger göttlicher Sprüche; und eben das offenbart er selbst wieder, wenn er sagt: „Ich will mein Ohr zum Gleichnisse neigen, und auf dem Psalter meinen Vorsatz eröffnen.” 11

1: Matth. 10, 16.
2: Ps. 56, 5.
3: Ebend. 44, 2.
4: Ebend. 13, 3.
5: Ebend. 48, 4.
6: Ps. 25, 10.
7: Ebend. 140, 2.
8: Ebend. 5, 10.
9: Ebend. 44, 2.
10: Ebend. 57, 6.
11: Ebend. 48, 5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger