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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Dritte Homilie.

4.

Laßt uns also zusehen, wie die Niniviten gefastet und jenes Zornwetter von sich abgewandt haben. Da heißt es: „Es sollen weder Menschen noch Thiere, weder Schafe noch Ochsen auf die Weide kommen.” 1 Was sagst du? Antworte mir! Auch das unvernünftige Vieh soll fasten? Und Pferde und Maulesel soll man in Säcke verhüllen? Die Antwort ist: Ja! Denn wie bei dem Tode eines Reichen nicht seine Diener und Dienerinen allein, sondern auch seine Pferde von den Angehörigen mit einem Sacke bekleidet und den Händen ihrer Wärter übergeben werden, daß sie ihm nach dem Grabmale folgen, um die Größe des Trauerfalls zu bezeichnen und Alle zum Mitleid zu bewegen: so haben auch Jene, als ihre Stadt untergehen sollte, die unvernünftige Kreatur mit einem Sacke umhüllt und ihr das Joch des Fastens aufgelegt. Das Vieh, dachten sie, kann den Zorn Gottes nicht durchs Wort lernen; so lerne es am Hunger, daß ein Schlag von Gott uns bedroht. Denn wenn die Stadt in Trümmer geht, so wird sie nicht nur für uns, die wir sie bewohnen, sondern auch für Jene zum gemeinschaftlichen Grab werden. Was also nahe daran ist, an der Strafe Theil zu nehmen, das möge sich auch am Fasten betheiligen. Sie haben dabei noch etwas Anderes gethan, was auch die Propheten zu thun Pflegen: denn auch Diese, sobald sie eine schwere Plage vom Himmel herabkommen sehen, und dann Diejenigen, welche die Strafe erleiden sollen, von aller Zuversicht verlassen, mit Scham erfüllt und auch gar keiner Verzeihung und Entschuldigung werth sind, und sie (die Propheten) also nicht haben, was sie thun, und nicht wissen, woher sie eine Entschuldigung [S. 83] für die Verurtheilten entlehnen sollen, — auch sie fliehen sodann zu den unvernünftigen Thieren, und indem sie ihr Verschmachten bejammern, nehmen sie davon Anlaß zur Bitte und stellen Gott deren kläglichen und beweinungswürdigen Untergang vor. Als daher einst Hungersnoth die Juden ergriff und große Dürre auf dem Lande lag und Alles verzehrt war, so sagte Einer von den Propheten: „Die Kälber springen auf an ihren Krippen, die Rinderheerden weinen, denn sie haben kein Futter; alle Thiere des Feldes schauen nach dir, denn die Behälter des Wassers sind ausgetrocknet.” 2 Wiederum spricht ein anderer: „Die Hündinen werfen auf dem Felde und verlassen die Jungen, weil kein Gras da ist; die Waldesel stehen in den Büschen und schnappen nach Luft wie ein Drache; ihre Augen vergehen, weil kein Kraut da ist.” 3 Darum habt ihr auch heute den Joel sagen hören: „Der Bräutigam gehe aus seiner Kammer und die Braut aus ihrem Gemach, die Kinder, welche an den Brüsten saugen.” 4 Denn sage mir, warum ruft er das unreife Alter zur Bitte herbei? Augenfällig aus dem angegebenen Grunde. Denn da die Erwachsenen alle ohne Ausnahme Gott gereizt und erzürnt haben, so flehe, spricht er, das Alter, das der Sünden unkundig ist, für euch den Erzürnten an. Indeß, was ich vorhin gesagt, — laßt uns zusehen, was es denn war, das jenen unvermeidlichen Zorn abwandte. Etwa das Fasten allein und der Sack? Keineswegs, sondern die Änderung des ganzen Lebens. Woraus erhellt das? Aus den Worten des Propheten selber. Denn nachdem er von dem Zorne Gottes und dem Fasten der Niniviten erzählt hat, kommt er selbst auch auf deren Errettung und zeigt uns die Ursache dieser Errettung, indem er sagt: „Und Gott sah ihre Werke.” 5 Was für Werke? Daß sie gefastet? Daß sie einen Sack umgethan? Nichts von Dem allen, sondern Das alles übergeht er mit Schweigen und [S. 84] fährt fort: „Daß sich bekehrte ein Jeder von seinen bösen Wegen; — und es reuete ihn des Übels, das der Herr geredet hatte ihnen zu thun.” Siehst du, daß nicht das Fasten sie der Gefahr entriß, sondern daß die Änderung des Lebens Gott diesen Barbaren wieder gnädig und hold machte? Dieß sage ich nicht, um dem Fasten die Ehre zu nehmen, sondern daß wir das Fasten recht ehren. Denn die Ehre des Fastens ist nicht Enthaltung von Speisen, sondern Vermeidung von Sünden, so daß, wer das Fasten allein mit der Enthaltung von Speisen abgrenzt, gerade er es ist, der es am meisten verunehrt. Du fastest? Zeige es mir durch die Werke! Durch welche Werke? sagst du. Siehst du einen Armen, erbarme dich; siehst du einen Feind, versöhne dich; siehst du einen Freund in Ehren, beneide ihn nicht; siehst du ein wohlgestaltetes Weib, gehe vorüber! Denn nicht nur der Mund soll fasten, sondern auch Auge und Ohr und Füße und Hände und alle Glieder unseres Leibes. Fasten sollen die Hände, daß sie sich reinigen von Raub und Übervortheilung; fasten die Füße, daß sie sich des Laufens zu den unerlaubten Schauspielen enthalten; fasten die Augen, daß sie sich gewöhnen, nimmer den Blick auf schöne Gesichter zu heften und fremde Schönheiten zu Umschweifen. Denn das Schauen ist der Augen Speise, aber wenn es gesetzwidrig und verwehrt ist, so thut es dem Fasten Abbruch und zerrüttet das ganze Heil der Seele; wenn es aber gesetzlich und mit Sicherheit geschieht, so ziert es das Fasten. Gewiß wäre es das Allerverkehrteste, in Betreff der Speisen ob des Fastens auch von der erlaubten Nahrung abzustehen, hinsichtlich der Augen aber auch die verbotene zu genießen. Du issest kein Fleisch? So verspeise auch mit den Augen keinen Frevel. Ferner faste das Ohr. Das Ohr aber fastet, wenn es üble Nachreden und Verleumdungen nicht aufnimmt; denn „du sollst ein eitles Gehör nicht aufnehmen,” heißt es. 6 [S. 85]

1: Jon. 3, 7.
2: Joel l, 18. 20.
3: Jerem. 14,5. 6.
4: Joel 2, 16. 17.
5: Jon. 3, 10.
6: Exod. 23, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger