Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Zweite Homilie.

9.

Lasset uns demnach Weisheit üben in Allem, Geliebte, und es wird uns die Armuth in keinem Stücke zu schaden vermögen, sondern uns vielmehr aufs höchste nützen und uns herrlicher machen und wohlhabender als Alle, die reich sind. Denn wie, sag' an, war je einer ärmer als Elias? Aber eben darum, weil er arm war und die Armuth aus Reichthum an Einsicht erwählt hatte, ragte er über alle Reichen empor. Denn nur weil er jeglichen Reichthum an Schätzen geringer hielt als die Hoheit seiner Seele und nicht würdig seiner Weisheit, — nur darum erkor er sich so große Armuth. Gewiß, hätte er das Zeitliche hochgeachtet, so würde er mehr besessen haben als einen Schafpelz. Allein in solchem Maaße verachtete er die Eitelkeit der zeitlichen Dinge und sah alles Gold für hingeworfenen Koth an, daß er Nichts weiter besaß als jenes Gewand. Darum bedürfte der König dieses Armen, und der so viel Gold hatte, haftete an dem Munde dessen, der Nichts besaß als einen Pelz. Um so viel herrlicher war der Pelz als der Purpur, und die Höhle des Gerechten als die Hallen des Königs! Darum ließ er auch, als er gen Himmel fuhr, dem Jünger nichts Anderes als den Schafpelz zurück. 1Mit diesem, sprach er, habe ich wider den Teufel gerungen; ihn nimm auch du und waffne dich damit wider Jenen. Denn eine starke Waffe ist Besitzlosigkeit, eine unbezwingliche Behausung, ein unerschütterlicher Thurm. Gleich der reichsten Erbschaft übernahm Eliäus den Pelz; und es war in der [S. 71] That eine sehr reiche Erbschaft, köstlicher als alles Gold. Dieser war von nun an zwiefältig Elias: er war Elias von oben und Elias von unten. 2

Ich weiß, daß ihr jenen Gerechten selig preist, und daß Jeder von euch gerne sein möchte wie er. Wie nun, wenn ich euch zeigte, daß wir alle, die wir in die Geheimnisse des Glaubens eingeweiht sind, etwas viel Größeres empfangen haben als Jener? Denn Elias hinterließ seinem Schüler einen Pelz; aber der Sohn Gottes hat uns, als er auffuhr, sein eigenes Fleisch hinterlassen. Elias entäußerte sich seines Pelzes; aber Christus hat uns dasselbe (sein Fleisch) hinterlassen und stieg doch auch im Besitze desselben empor. Darum laßt uns nicht muthlos werden, noch wehklagen, noch die Härte der Zeiten befürchten. Denn er, der nicht angestanden, für Alle sein Blut zu vergießen, und uns seines Fleisches theilhaftig gemacht und seines Blutes nicht minder: was sollte er anstehen, für unsere Rettung zu sorgen? Also auf diese Hoffnungen bauend laßt uns ihn ohne Unterlaß anrufen und anhalten mit Beten und Flehen und jeder andern Tugend mit allem Fleiß obliegen, damit wir sowohl der vorhandenen Gefahr entgehen, als auch die zukünftigen Güter erlangen, deren wir alle gewürdigt werden mögen durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesu Christi, mit welchem dem Vater sammt dem heiligen Geiste sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

1: IV. Kön. 2.
2: Er war zwiefach Elias — seiner Bitte gemäß (II. Kön. 2, 9.), er war Elias vom Kopf bis zum Fuß.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung in die Säulenhomilien

Navigation
. Erste Homilie.
. Zweite Homilie.
. . Inhalt.
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. Dritte Homilie.
. Vierte Homilie.
. Fünfte Homilie.
. Sechste Homilie.
. Siebente Homilie.
. Achte Homlie.
. Neunte Homilie.
. Zehnte Homilie.
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger