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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Bildsäulen (Ad populum Antiochenum homiliae I-XXI [De statuis])
Erste Homilie.

5.

Wenn wir demnach Einen so Etwas sagen hören, so laßt uns ihm den Mund stopfen. Denn nicht der Genuß, sondern die Unmäßigkeit erzeugt die Trunkenheit — sie, die Wurzel alles Bösen. Der Wein ist dazu gegeben, daß er der Schwachheit des Leibes aufhelfe, nicht daß er die Kraft der Seele darnieder drücke; daß er die Krankheit des Fleisches wegnehme, nicht daß er die Gesundheit der Seele verwüste. Darum gib durch unmäßigen Genuß der göttlichen Gabe den Thoren und schamlosen Lästerzungen keine Blöße! Denn was ist beklagenswerther als Trunkenheit? Ein beseelter Leichnam ist der Berauschte; ein Teufel ist er aus freier Wahl; ein Kranker, der nicht zu entschuldigen ist; ein Gefallener, der keine Nachsicht verdient; eine allgemeine Schmach für unser Geschlecht! Denn nicht allein für das gesellige Leben ist der Betrunkene untauglich, und nicht nur zu häuslichen und öffentlichen Geschäften untüchtig; sondern selbst sein bloßer Anblick ist Allen unerträglich ob des Gestankes, den er aushaucht. Das Aufstoßen und Gähnen und auch die Stimme der Betrunkenen ist widerlich und rauh und [S. 23] erfüllt die, welche sie sehen und in ihre Nähe kommen, mit dem äussersten Ekel. Und das Hauptübel unter allen ist, daß diese Seuche den Trunkenbolden den Himmel unzugänglich macht und sie zu den ewigen Gütern nicht gelangen läßt; sondern daß Diejenigen, die an diesem Übel krank liegen, nach der Schande hienieden auch dort eine unerträgliche Strafe erwartet. Laßt uns daher diese böse Gewohnheit ablegen und auf Paulus hören, wenn er spricht: „Genieße ein wenig Wein.” Denn auch das Wenige gestattet er nur wegen der Schwäche, so daß er seinen Schüler, hätte denselben nicht die Schwachheit niedergebeugt, auch nicht gedrängt haben würde, dieses Wenige sich zu erlauben. Denn auch die uns zum nothwendigen Gebrauche angewiesenen Speisen und Getränke sind stets nach Zeit und Bedarf abzumessen, und nirgends sollen wir den Bedarf überschreiten, noch Etwas ohne Noth und Ursache thun.

Nachdem wir nun die Sorgfalt des Paulus und die Tugend des Timotheus betrachtet haben, wohlan so wollen wir forthin auf die eigentliche Lösung der Fragen bedacht sein. Welches waren nun diese Bedenken? Denn es thut Noth, sie zu wiederholen, damit die Lösung um so deutlicher werde. „Weßhalb ließ Gott es zu, daß ein so heiliger Mann, dem die Sorge für so viele und wichtige Dinge oblag, in Krankheit verfiel, so daß weder er selbst noch sein Lehrer die Krankheit zu heilen vermochte, sondern den Genuß des Weines zu Hilfe nehmen mußte?” Um das fragte es sich; hiezu müssen wir die Lösung beibringen, auf daß nicht nur in Betreff derer, die in gleiche Krankheit und Schwäche verfallen, sondern auch Derjenigen, welche in Armuth und Hunger, in Fesseln und Qualen, in Nachstellung und Verleumdung, in alle Leiden des gegenwärtigen Lebens gerathen, obschon sie heilige und große, ja bewunderungswürdige Menschen sind, — daß auch in Bezug auf Diese aus unserer heutigen Rede eine bündige und überzeugende Vertheidigung gegen Solche, die darauf einen Vorwurf gründen wollen, entnommen werden könne. Denn Viele habt ihr schon sicher Fragen, wie diese, thun hören: „Warum in [S. 24] aller Welt wird denn dieser mäßige und rechtschaffene Mann von jenem andern, der in Sünde und Bosheit dahin lebt, tagtäglich vor Gericht geschleppt und duldet tausend Unbilden, und Gott läßt es zu? Weßhalb mußte ein Anderer auf eine Verläumdung hin eines ungerechten Todes sterben? Der ist ersäuft, heißt es, jener von einem Felsen gestürzt worden. Und viele Heilige könnten wir nennen, sowohl unter uns als bei unsern Ahnen, die eine Fülle der verschiedensten und mannigfaltigsten Trübsale erduldeten.” Damit wir nun in alle diese Dinge eine gründliche Einsicht gewinnen und weder selbst durch sie beunruhigt, noch auch Andere, welche sich daran ärgern, rathlos zu lassen genöthiget werden, so laßt uns sorgfältig beachten, was jetzt gesagt werden wird.

 

 

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Einleitung in die Säulenhomilien

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger