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Gregor der Grosse († 604) - Vier Bücher Dialoge (Dialogi de vita et miraculis patrum Italicorum)
Viertes Buch

XXXIX. Kapitel: Ob es nach dem Tode ein Fegfeuer gibt

Gregorius. Im Evangelium spricht der Herr: „Wandelt, solange ihr das Licht habet;”1 und beim Propheten sagt er: „Zur Zeit der Gnade erhör ich dich, am Tage des Heiles helf ich dir.”2 Der Apostel Paulus legt dies so aus: „Siehe, jetzt ist die gnadenreiche Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heiles!“3 Desgleichen sagt Salomon: „Tu’ eifrig, was immer deine Hand tun kann; denn in der Unterwelt, dahin du eilest, ist weder Werk, noch Vernunft, noch Wissenschaft, noch Weisheit.”4 Und David: „In Ewigkeit währt seine Barmherzigkeit.”5 Aus diesen Stellen geht hervor, daß jeder im Gerichte so erscheint, wie er von der Erde scheidet. Man muß jedoch glauben, daß es vor dem Gerichte noch für gewisse leichte Sünden ein Reinigungsfeuer gibt, weil die ewige Wahrheit sagt, daß, wenn jemand wider den Heiligen Geist lästert, ihm weder in dieser noch in der zukünftigen Welt vergeben wird.6 Aus diesem Ausspruch geht hervor, daß einige [S. 246] Sünden in dieser, andere in jener Welt nachgelassen werden können. Denn, was von einer Sünde ausdrücklich verneint wird, wird nach folgerichtiger Auffassung von den übrigen zugestanden. Jedoch muß man, wie bemerkt, glauben, daß dies nur bei geringen, ja ganz kleinen Sünden stattfinde, wie häufiges unnützes Gerede, unmäßiges Gelächter oder eine Sünde in der Leitung des Hauses, die kaum bei denen ohne Sünde abgeht, welche wissen, wie man der Sünde vorbeugen kann; dasselbe gilt von einem Fehler aus Unkenntnis in einer nicht bedeutenden Sache. Alles dies belastet die Seele noch nach dem Tode, wenn keine Nachlassung in diesem Leben erfolgte. Denn an der Stelle, wo Paulus sagt, Christus sei der Grundstein, fügt er hinzu: „Wenn jemand auf diesen Grund bauet Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stoppeln, so wird das Feuer erproben, wie das Werk eines jeden sei: wenn jemands Werk, welches er darauf gebaut hat, besteht, so wird er Lohn empfangen. Brennt aber jemands Werk, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird selig werden, jedoch so wie durch Feuer.”7 Obwohl dies auch von dem Feuer der Trübsal, das uns in diesem Leben prüft, verstanden werden kann, so muß man doch, wenn man es auf das zukünftige Fegfeuer anwenden will, wohl darauf achten, daß sich die Rettung, von der die Rede ist, nicht auf jenen bezieht, der auf diesem Grundstein Eisen, Erz oder Blei errichtet, das heißt größere und insofern härtere Sünden, die im Fegfeuer überhaupt nicht nachgelassen werden können, sondern auf einen solchen, der Gebäude aus Holz, Heu oder Stoppeln errichtet, d. h, ganz leichte und geringe Sünden, welche das Feuer leicht tilgen kann. Auch dies muß man wissen, daß dort niemand, selbst nicht für die geringsten Sünden, Reinigung erlangen wird, der sich dies nicht hier durch gute Werke zum voraus verdient hat. [S. 247]

1: Joh 12,35
2: Is 49,8
3: 2 Kor 6,2
4: Ekkle 9,10
5: Ps 117,2
6: Mt 12,32
7: 1 Kor 3,12ff

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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