Gregor der Grosse († 604) - Vier Bücher Dialoge (Dialogi de vita et miraculis patrum Italicorum) Zweites Buch
XXV. Kapitel: Von einem Mönch, der das Kloster verlassen will und dem sich auf dem Weg ein Drache entgegenstellt Gregorius. Einer seiner Mönche überließ sich einst einer unsteten, wankelmütigen Gesinnung und wollte nicht mehr im Kloster bleiben. Unablässig wies ihn der Mann Gottes zurecht und ermahnte ihn häufig; er aber wollte durchaus nicht mehr der Klostergemeinde angehören, sondern verlangte mit ungestümen Bitten seine Entlassung. Als dieses Drängen nun eines Tages den ehrwürdigen Vater mit Überdruß erfüllte und erzürnte, [S. 89] befahl er ihm, er solle nur gehen. Kaum hatte er aber das Kloster verlassen, sah er einen Drachen mit aufgesperrtem Rachen auf sich zukommen. Da ihn der Drache verschlingen wollte, schrie er zitternd und bebend mit lauter Stimme: „Kommt, kommt, ein Drache will mich verschlingen!” Die Brüder liefen herzu, sahen aber keinen Drachen, sondern führten den zitternden und bebenden Mönch in das Kloster zurück. Sogleich versprach er, er werde nie mehr das Kloster verlassen, und blieb von dieser Stunde an seinem Versprechen getreu. Denn nun hatte er durch das Gebet des heiligen Mannes den Drachen vor sich gesehen, dem er vorher folgte, ohne ihn zu sehen.
|