Gregor der Grosse († 604) - Vier Bücher Dialoge (Dialogi de vita et miraculis patrum Italicorum) Zweites Buch
XI. Kapitel: Von einem jungen Mönch, der von einer einstürzenden Mauer erschlagen, durch das Gebet des Heiligen aber wieder hergestellt wurde Als ein andermal die Brüder eine Mauer, weil es so notwendig war, erhöhten, weilte der Mann Gottes eben ins Gebet vertieft in seiner Zelle. Da erschien ihm der Urfeind, verspottete ihn und sagte ihm, er gehe zu den Brüdern, die an der Arbeit seien. Der Mann Gottes teilte dies sogleich durch einen Boten den Brüdern mit und ließ ihnen sagen: „Brüder, seid vorsichtig, denn in dieser Stunde kommt der böse Feind zu euch!” Kaum hatte der Bote das ausgerichtet, so stürzte der böse Feind die Mauer, an welcher gebaut wurde, ein, verschüttete einen jungen Mönch, der noch ein Knabe war, den Sohn eines Beamten, und zerquetschte ihn unter den Trümmern. Alle waren voll Trauer und Betrübnis, nicht weil die Mauer einstürzte, sondern weil der Bruder verunglückt war, und berichteten es schnell mit großer Trauer dem ehrwürdigen Vater Benedikt, welcher den erschlagenen Knaben sogleich zu sich bringen ließ. Sie konnten ihn nur auf einem Mantel zu ihm tragen, da die Steine beim Einsturz der Mauer nicht bloß die Glieder, sondern auch die Gebeine zerquetscht hatten. Der Mann Gottes ließ ihn sogleich in seiner Zelle auf dem Psiathium, d.i. einer Matte, auf der er gewöhnlich [S. 71] betete, niederlegen; dann ließ er die Brüder hinausgehen und schloß die Zelle. Inständiger als sonst betete er, und wunderbar: Noch in derselben Stunde sandte er den Knaben gesund und wohlbehalten wie vordem zu der Arbeit zurück, um mit den Brüdern die Mauer zu vollenden, durch deren Einsturz der Urfeind Benedikt verhöhnen zu können glaubte.
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