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Gregor der Grosse († 604) - Vier Bücher Dialoge (Dialogi de vita et miraculis patrum Italicorum)
Erstes Buch

IV. Kapitel: Von Equitius,1 Abt in der Provinz Valeria2

Gregorius. Was ich jetzt erzähle, erfuhr ich von dem ehrwürdigen Fortunatus, Abt des Klosters Balneum Ciceronis,3 sowie aus dem Munde einiger anderer ehrwürdiger Männer.

Im Gebiete der Provinz Valeria lebte ein heiligmäßiger Mann namens Equitius, der dort, wie es sein Leben verdiente, allgemeine Bewunderung genoß, und zu dem Fortunatus in freundschaftlichen Beziehungen stand. Equitius war wegen seiner großen Heiligkeit erklärlicherweise der Abt über viele Klöster der dortigen Provinz. Er wurde in seiner Jugend von sinnlichen Lockungen aufs heftigste angefochten, und gerade diese schweren Versuchungen führten ihn zu besonders eifriger Pflege des Gebetes. Als er nun unablässig Gott den Allmächtigen anflehte, er möge ihm in dieser Bedrängnis zu Hilfe kommen, hatte er einmal in der Nacht ein Gesicht, als ob ein Engel zu ihm träte und er verschnitten würde. In dieser Erscheinung zeigte es sich an, daß ihm jede sinnliche Regung benommen wurde. Von jener Zeit an [S. 14] war er so von allen Versuchungen frei, als ob er dem Leibe nach kein Geschlecht hätte. Im Vertrauen auf diese wunderbare Hilfe des allmächtigen Gottes unternahm er es, ähnlich wie er bisher Männer geleitet, so auch Frauen vorzustehen. Er unterließ es aber niemals, seine Jünger zu mahnen, daß sie nicht in dieser Sache wegen seines Beispiels zu leicht auf sich selbst vertrauen, und zu ihrem Falle sich eine Kraft zuschreiben sollten, die sie nicht empfangen hätten.

In jener Zeit wurden hier in Rom die Zauberer gefänglich eingezogen. Damals flüchtete sich Basilius, ein Hauptmagier, in einem Mönchshabit in die Valeria. Er begab sich zum hochwürdigsten Bischof Castorius von Amiternum4 und bat ihn, er möge ihn dem Abt Equitius zuweisen und zur Aufnahme in sein Kloster empfehlen. Da begab sich nun der Bischof ins Kloster, brachte den Basilius als Mönch mit sich und ersuchte den Diener Gottes Equitius, diesen Mönch in sein Kloster aufnehmen zu wollen. Kaum hatte jedoch der heilige Mann ihm ins Antlitz gesehen, so sprach er: „Den du mir da empfiehlst, Vater, der ist, ich sehe es, kein Mönch, sondern ein Teufel.” Da entgegnete der Bischof: „Du suchst nur einen Vorwand, mir meine Bitte abschlagen zu können.” Darauf erwiderte der Diener Gottes: „Ich bezeichne ihn als das, als was ich ihn sehe. Doch damit du nicht meinst, ich wolle dir nicht gehorchen, erfülle ich deinen Wunsch.” Basilius wurde also ins Kloster aufgenommen. Nach einigen Tagen entfernte sich der Diener Gottes etwas weiter vom Kloster, um die Gläubigen zu himmlischen Begierden zu ermahnen. In seiner Abwesenheit verfiel in dem Frauenkloster, das unter seiner Leitung stand, eine der Frauen, die dem verweslichen Fleische nach schön aussah, in ein heftiges Fieber. Sie hatte große Beklemmungen und stieß mehr knirschend als rufend hervor: „Ich muß auf der Stelle sterben, wenn nicht der Mönch Basilius kommt und mich durch seine [S. 15] Heilkunst wieder gesund macht.” Keiner von den Mönchen jedoch durfte es wagen, in Abwesenheit des Heiligen das Frauenkloster zu betreten, am wenigsten jener Neueingetretene, dessen Lebenswandel die Kongregation noch nicht kannte. Man sandte eilends einen Boten ab und ließ dem Diener Gottes Equitius sagen, daß jene Klosterfrau an einem ungemein heftigen Fieber erkrankte und daß sie sehnlichst nach einem Besuche des Mönches Basilius verlange. Als der Heilige dies hörte, lächelte er abweisend und sagte: „Habe ich nicht gesagt, daß dieser ein Teufel ist und kein Mönch? Gehet und jaget ihn aus dem Kloster! Wegen der Dienerin Gottes aber, die durch ein heftiges Fieber beängstiget wird, beunruhigt euch nicht weiter, denn sie wird von dieser Stunde an kein Fieber mehr haben und nicht mehr nach Basilius verlangen.” Der Mönch kehrte zurück und erfuhr, daß die gottgeweihte Jungfrau zur selben Stunde gesund wurde, zu welcher es der Diener Gottes Equitius in weiter Ferne gesagt hatte. Bei diesem Wunder folgte der Heilige dem Beispiele des göttlichen Meisters, der zum Sohne des königlichen Beamten gebeten wurde und ihn durch das Wort allein gesund machte,5 so daß der Vater bei seiner Rückkehr erfuhr, daß sein Sohn zu der gleichen Stunde dem Leben wiedergegeben worden war, zu welcher er dies aus dem Munde der ewigen Wahrheit vernommen hatte. Die Mönche kamen aber alle sogleich dem Befehle des Abtes nach und verstießen den Basilius aus der Klosterbehausung. Nach seiner Vertreibung aus dem Kloster erzählte er, er habe oft die Zelle des Equitius in die Lüfte erhoben, ohne jemandem darin ein Leid antun zu können. Nicht lange darnach wurde er hier in Rom, als das christliche Volk gegen ihn aufgebracht wurde, verbrannt.

Eines Tages begab sich eine Dienerin Gottes aus demselben Frauenkloster in den Garten und sah dort eine Salatstaude. Sie wollte davon essen, vergaß aber, sie mit [S. 16] dem Kreuzzeichen zu segnen, und biß gierig hinein. Augenblicklich wurde sie vom bösen Feinde ergriffen und stürzte zu Boden. Da sie heftige Schmerzen litt, benachrichtigte man eilends den Abt Equitius, damit er komme und ihr durch sein Gebet helfe. Kaum hatte der Abt den Garten betreten, so schrie schon der böse Geist, der sie ergriffen hatte, wie zu seiner Entschuldigung aus ihrem Munde: „Was habe ich denn getan? Was habe ich denn getan? Ich saß ruhig auf der Salatstaude, sie kam und hat mich gebissen.” Mit großer Entrüstung befahl ihm der Mann Gottes, er solle weichen und nicht länger in der Dienerin des allmächtigen Gottes verweilen. Er entwich sofort und konnte ihr nichts mehr anhaben.

Ein Edelmann aus der Provinz Nursia, der Vater jenes Castorius, der sich jetzt bei uns in Rom aufhält, sah, daß der ehrwürdige Equitius, ohne eine heilige Weihe empfangen zu haben, von Ort zu Ort eilte und mit Eifer das Predigtamt ausübte. Eines Tages nun wagte er es, ihn freundschaftlicherweise darüber zu befragen und sagte: „Du hast keine heilige Weihe und hast auch vom römischen Oberhirten, unter dem du stehst, keine Vollmacht zu predigen erhalten, wie getraust du dich dennoch zu predigen?” Der Heilige sah sich durch diese Frage gezwungen, zu offenbaren, auf welche Weise er die Erlaubnis zu predigen bekommen hatte, und sagte: „Oft muß ich selbst über das, was du sagst, nachdenken. Aber es erschien mir einmal in der Nacht ein schöner Jüngling, der legte ein Aderlaßmesser auf meine Zunge und sagte: ‘Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund; ziehe aus zu predigen!’ Und von jenem Tage an kann ich nicht mehr von Gott schweigen, selbst wenn ich wollte.”

Petrus. Da möchte ich erst ein Wunderwerk von diesem Abte hören, wenn er schon solche Gnadengaben empfangen hat.

Gregorius. Das Wunderwerk, Petrus, kommt von der Gnadengabe, nicht die Gnadengabe von dem Wunderwerk, sonst wäre die Gnade nicht mehr Gnade. Denn [S. 17] jedem Werke gehen Gnaden voraus, wenn auch allerdings die Gnadengaben durch die nachfolgenden Werke neues Wachstum empfangen. Damit du jedoch nicht ohne Kenntnis von seinem Lebenswandel bist, so wisse, daß der hochwürdigste Bischof Albinus von Reate6 ihn gut kannte und daß noch viele leben, die ihn kennen konnten. Warum fragst du aber noch nach einem Wunderwerk, da doch die Reinheit seines Lebens mit seinem Predigteifer übereinstimmte? Denn er besaß einen so großen Eifer, Gott Seelen zu gewinnen, daß er neben der Leitung der Klöster noch die Kirchen, Städte und Dörfer und die Häuser der Gläubigen im ganzen Umkreis besuchte und in den Herzen seiner Zuhörer die Liebe zum himmlischen Vaterlande entzündete. Dabei war er so armselig gekleidet und war so unscheinbar in seinem Auftreten, daß man ihm, wenn man ihn etwa nicht kannte, nicht einmal den Gruß erwidern mochte, So oft er sich nach auswärts begab, ritt er das schlechteste von allen Tieren, das im Kloster zu finden war; dabei benützte er die Halfter als Zaumzeug und ein Hammel feil als Sattel. Die heiligen Bücher führte er an seinem eigenen Leibe mit sich und trug sie rechts und links in Taschen aus Fell; sowie er irgendwo hinkam, erschloß er den Quell der heiligen Schriften und bewässerte die geistigen Gefilde. Natürlich drang die Kunde von seinen Predigten auch nach Rom; und wie nun einmal die Schmeichlerzunge die Seele dessen, der ihr sein Ohr leiht, zu umgarnen und zu töten weiß, so beklagten sich damals die Kleriker dieses apostolischen Stuhles schmeichlerischer Weise beim Papste und sagten: „Wer ist denn dieser Bauer, der die Befugnis zu predigen sich herausnimmt und das Amt unseres apostolischen Herrn sich anzumaßen wagt, ohne daß er etwas gelernt hat? Man soll darum, wenn es so beliebt, jemand hinschicken und ihn hierher bringen lassen, damit er einen Begriff von Kirchenzucht bekomme!” Wie nun in der Regel die Schmeichelei bei [S. 18] einem vielbeschäftigten Geiste sehr leicht Eingang findet, wenn sie nicht schon an der Schwelle des Herzens schleunigst abgewiesen wird, so stimmte der Papst dem Rat der Kleriker bei, daß man den Equitius nach Rom bringen müsse, damit er lerne, was sich für ihn gezieme. Er betraute mit dieser Sendung den damaligen Defensor7 Julianus, der später Bischof von Sabina wurde, trug ihm jedoch auf, den Diener Gottes auf sehr ehrenvolle Weise hierherzuführen und ihm aus dem Beschluß keinerlei Kränkung entstehen zu lassen. Um den Wunsch der Kleriker bezüglich des Equitius zu erfüllen, brach er eilends nach dessen Kloster auf. Der Gesuchte war gerade nicht zu Hause. Julianus fand aber die Bücherschreiber über ihrer Arbeit und erkundigte sich, wo der Abt sei. Sie sagten: „Dort unten im Tal, unterhalb des Klosters, mäht er Gras.” Es hatte aber Julianus einen sehr hochmütigen und trotzigen Diener, über den er oft selbst kaum Herr werden konnte. Diesen also schickte er fort, den Equitius so schnell wie möglich herbeizuholen. Der Diener machte sich auf den Weg und betrat keck und eiligen Schrittes die Wiese. Er musterte mit seinem Blicke alle Mäher und fragte, wer von ihnen Equitius sei. Kaum aber hatte er gehört, welcher es sei, und ihn von weitem angesehen, ergriff ihn eine ungeheure Furcht, und es befiel ihn ein Zittern und eine solche Schwäche, daß er sich schwankenden Fußes kaum aufrecht halten konnte. Zitternd nahte er sich dem Manne Gottes, umfing demütig unter Küssen seine Knie und meldete ihm, daß sein Herr zu ihm gekommen sei. Der Diener Gottes erwiderte seinen Gruß und befahl ihm: „Nimm von dem frischen Gras und füttere damit die Tiere, auf denen ihr hergeritten [S. 19] seid! Ich werde, da nur mehr wenig steht, die Arbeit vollenden und dann nachkommen.” Der Defensor Julianus wunderte sich gar sehr, daß sein Diener so lange nicht zurückkehrte. Doch endlich, sieh, da sah er ihn kommen und Gras von der Wiese dahertragen. Darob wurde er sehr aufgeregt und herrschte ihn an: „Was ist denn das? Ich habe dich fortgeschickt, den Mann zu bringen, und nicht Gras!” Der Diener antwortete darauf: „Siehe, der, den du suchst, kommt nach mir gegangen.” Da kam der Mann Gottes, mit genagelten Stiefeln angetan und mit der Sense auf der Schulter. Als er noch weit entfernt war, zeigte der Diener auf ihn und sagte seinem Herrn, dieser sei es, den er suche. Auf den ersten Anblick dachte Julianus gering von dem Diener Gottes wegen seines Äußeren und legte sich hochfahrend schon die Worte zurecht, mit denen er ihn anreden wollte. Der Diener Gottes war aber kaum näher gekommen, da befiel Julianus auch schon ein unerträglicher Schrecken, so daß er zitterte und kaum das Wort finden konnte, um zu sagen, wozu er gekommen sei. Gedemütigten Sinnes fiel er ihm zu Füßen, bat ihn um sein Gebet und berichtete, sein apostolischer Vater, der Papst, trage Verlangen, ihn zu sehen. Equitius, der ehrwürdige Mann, sprach dafür Gott, dem Allmächtigen, unendlichen Dank aus und versicherte, in dem Papste habe ihn die göttliche Gnade einer Heimsuchung gewürdigt. Auf der Stelle berief er die Brüder zu sich, ließ in derselben Stunde noch die Reittiere in Bereitschaft setzen und drängte seinen Exekutor energisch zu augenblicklicher Abreise. Julianus aber wendete ein: „Das geht nicht an, denn ich bin noch müde von der Reise und kann heute nicht mehr aufbrechen.” Darauf erwiderte Equitius: „Ach, du machst mich traurig, mein Sohn, denn wenn wir heute nicht mehr fortgehen, kommen wir auch morgen nicht mehr zur Abreise.” So verblieb also der Diener Gottes, durch die Müdigkeit seines Exekutors genötigt, diese Nacht noch in seinem Kloster. Aber siehe! Am folgenden Tage kam [S. 20] beim Morgengrauen auf einem durch den Ritt ganz abgehetzten Pferde ein Diener mit einem Brief zu Julianus; in dem Briefe wurde ihm aufgetragen, den Diener Gottes nicht zu belästigen und ihn nicht vom Kloster fortzunehmen. Als nun Julianus fragte, warum der Auftrag geändert worden sei, erfuhr er, daß in derselben Nacht, in der er als Exekutor abgeschickt wurde, der Papst durch eine Erscheinung lebhaft darüber in Schrecken versetzt worden sei, daß er sich unterfangen habe, den Mann Gottes herbeiholen zu lassen. Sogleich erhob sich Julianus, empfahl sich in das Gebet des ehrwürdigen Mannes und sagte: „Unser Vater bittet, ihr sollet euch nicht weiter mehr bemühen.” Als der Diener Gottes dies vernahm, wurde er traurig und sagte: „Habe ich es dir nicht gestern gesagt, daß wir überhaupt nicht reisen dürfen, wenn wir nicht sogleich aufbrechen?” Darnach hielt er seinen Exekutor zum Erweise der Gastfreundschaft noch eine Weile im Kloster zurück und nötigte ihn trotz seines Sträubens einen Lohn für seine Bemühung anzunehmen. Erkenne also, Petrus, wie sehr diejenigen unter dem Schutze Gottes stehen, die gelernt haben, in diesem Leben sich selbst gering zu achten; welches Reiches Bürgern diejenigen in Ehren innerlich beigezählt werden, die sich nichts daraus machen, nach außen vor den Menschen gering zu scheinen, daß dagegen in den Augen Gottes diejenigen wenig gelten, welche in ihren eigenen Augen und vor den Augen der Mitmenschen aus eitler Ruhmsucht sich groß tun! Darum gilt gar manchen das Wort der ewigen Wahrheit: „Ihr rechtfertiget euch wohl vor den Menschen, aber Gott kennt eure Herzen; denn was hoch ist vor den Menschen, das ist ein Greuel vor Gott.”8

Petrus. Ich muß mich sehr darüber wundern, daß einem so großen Papste dieser Irrtum über den großen Mann unterlaufen konnte. [S. 21]

Gregorius. Wie kannst du dich wundern, Petrus, daß wir irren, da wir doch Menschen sind? Oder hast du vergessen, daß David, der doch sonst den Geist der Weissagung hatte, den unschuldigen Sohn des Jonathas bestrafte, nachdem er den Worten eines lügnerischen Dieners Gehör geschenkt hatte?9 Wir glauben zwar, daß die Bestrafung nach einem verborgenen Urteil Gottes gerecht war, weil sie von David so verhängt wurde, mit unserer menschlichen Vernunft jedoch können wir nicht begreifen, wie sie sich rechtfertigen ließ. Weshalb sich also wundern, wenn wir durch Lügenreden manchmal auf Irrwege geführt werden, da wir doch keine Propheten sind? Sehr zu beachten ist, daß die Überlast der Sorgen den Geist eines jeden Vorgesetzten beschwert. Und wenn die Seele sich in vieles teilen muß, nimmt ihre Kraft für das einzelne ab, und um so eher entgeht ihr etwas in irgendeiner Sache, je weitläufiger sie sich mit vielem befassen muß.

Petrus. Das ist sehr richtig, was du sagst.

Gregorius. Ich darf nicht verschweigen, was ich über diesen Mann von meinem ehemaligen hochwürdigsten Abt Valentinus erfahren habe. Der Leib des Equitius wurde nämlich in der Kirche des hl. Märtyrers Laurentius beigesetzt; da stellte einmal ein Bauersmann, ohne zu bedenken, welch ein großer und würdiger Mann hier begraben liege, und ohne sich zu scheuen, eine Truhe voll Getreide auf das Grab. Plötzlich kam dann vom Himmel her ein Sturmwind, hob die Truhe, die auf dem Grabe stand, in die Höhe, und schleuderte sie, während alle anderen Dinge fest auf ihrem Platze blieben, weit weg, so daß alle deutlich erkennen konnten, wie groß das Verdienst dessen sein müsse, der hier begraben lag.

Auch das Ereignis, das ich noch anfüge, erfuhr ich von dem genannten ehrwürdigen Mann Fortunatus, den ich wegen seines Alters, seiner Tugenden und seiner Einfalt sehr lieb [S. 22] habe. Als nämlich die Langobarden in die Provinz Valeria einfielen, flüchteten sich die Mönche aus dem Kloster des hochwürdigsten Mannes Exquitius zu seinem Grabe in der vorher erwähnten Kirche. Die Langobarden drangen in ihrer Wut in das Gotteshaus ein und schleppten die Mönche heraus, um sie entweder zu foltern oder mit dem Schwerte zu töten. Da jammerte einer von ihnen und rief, von heftigen Schmerzen ergriffen: „Ach, ach, heiliger Equitius, hast du denn ein Wohlgefallen daran, daß wir fortgeschleppt werden, und verteidigest du uns nicht?” Auf diese Worte hin fuhr sogleich ein unreiner Geist in die wütenden Langobarden. Sie stürzten zu Boden und wurden so lange gequält, bis sie alle, auch jene Langobarden, welche vor der Kirche sich befanden, erkannten, daß sie den heiligen Ort nicht länger entehren dürften. Wie nun der heilige Mann hier seine Jünger in Schutz nahm, so hat er auch nachher vielen, die dorthin ihre Zuflucht nahmen, Hilfe geleistet.

1: Martyrol. 11. Aug.
2: Die Provinz Valeria ist das an der Via Valeria liegende Gebiet. Die Via Valeria wurde i. J. 307 v. Chr. von M. Valerius Maximus angelegt und führt von Tivoli in das Gebirge hinein; vor Arsoli teilt sie sich; eine Strecke führt den Anjo aufwärts nach Subiaco, die andere nach Alba überm Fucinersee. Das Gebiet an der Strecke nach Subiaco wird vornehmlich als die Provinz Valeria bezeichnet. In dieser Gegend gründete der hl. Benedikt zwölf Klöster.
3: wahrscheinlich in der Nähe des heutigen Sora
4: S. Vittorino zwischen Aquila und Teramo
5: Joh 4,46ff
6: Rieti
7: Defensor war in der nachkonstantinischen Zeit der auf Vorschlag des Bischofs vom Kaiser ernannte kirchliche Beamte, der die Kirche in ihren weltlichen Angelegenheiten vor Gericht und vor der weltlichen Behörde zu vertreten hatte. Die Defensoren waren zur Zeit Gregors Kleriker und besaßen großen Einfluß. Ihre Nachfolger wurden später die adeligen Kirchenvögte. S. Buchberger, Handlexikon, zu „Defensor”'
8: Lk 16,15
9: 2 Kön 16,3; 19,27

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger