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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXI-XXX: Zehn Predigten am Geburtsfeste unseres Herrn Jesu Christi.
Sermo XXVI. 6. Predigt auf Weihnachten.

2.

Freilich hat sich jene Kindheit, die von der Majestät des Gottessohnes nicht verschmäht wurde, durch Zuwachs an Jahren zum reifen Mannesalter entwickelt, freilich haben durch die Erringung des Triumphes seines Leidens und seiner Auferstehung all die Handlungen, welche Christus in seiner Erniedrigung für uns auf sich nahm, ihren Abschluß gefunden, aber dennoch erneuert uns der heutige Festtag die hochheilige Geburt Jesu, der aus der Jungfrau Maria zur Welt kam. Indem wir die Menschwerdung unseres Erlösers anbeten, feiern wir offenbar den Beginn unseres eigenen Lebens. Ist doch die Erzeugung Christi der Ursprung des christlichen Volkes, und der Geburtstag des Hauptes zugleich auch der Geburtstag des Leibes. Mag auch jeder einzelne von den Berufenen seinen besonderen Stand haben, mögen auch all die Kinder der Kirche durch der Zeiten Folge voneinander getrennt sein, so ist doch die Gesamtheit aller Gläubigen, die aus dem Taufquell hervorging, ebenso mit Christus in seiner Geburt geboren worden, wie sie mit ihm in seinem Leiden gekreuzigt, in seiner Auferstehung auferweckt und in seiner Himmelfahrt zur Rechten des Vaters gesetzt wurde. Denn wer nur immer von den Gläubigen in irgendeinem Teile der Welt in Christus wiedergeboren wird, verwandelt sich durch diese Wiedergeburt in einen neuen Menschen, da ihm der Weg der alten Abstammung abgeschnitten wird. Auch gilt er nicht länger bloß für einen Nachkommen seines leiblichen Vaters, sondern vielmehr für einen Sprossen des Erlösers selbst, der deshalb des Menschen Sohn geworden, damit wir Kinder Gottes werden könnten. Würde nämlich nicht Christus in dieser unserer Niedrigkeit zu uns herabsteigen, so vermöchte niemand durch irgendwelche eigene Verdienste zu ihm zu gelangen. In keiner Weise soll hier irdische Weisheit die Herzen der Berufenen verblenden! Und der dem Staube entnommene Mensch, der bald zur Tiefe zurückkehren wird, möge sich in seinem Denken nicht gegen die Erhabenheit der göttlichen Gnade auflehnen! In Erfüllung ging am Ende der Jahrhunderte, was vor ewigen Zeiten beschlossen worden war. Aufgehört haben Zeichen und Vorbilder, und das Gesetz und die Prophezeiungen sind in den gegenwärtigen Tatsachen zur Wahrheit geworden: Abraham wurde der Stammvater aller Völker, und in seinem Samen wurde der Welt der verheißene Segen zuteil1 . Nicht nur jene haben als Israeliten zu gelten, die Fleisch und Blut erzeugt hat2 , sondern alle an Kindes Statt Angenommenen gelangen in den Besitz des für die Kinder des Glaubens bestimmten Erbteils. Nicht sollen zu unseren Ohren dringen die Gotteslästerungen alberner Spitzfindigkeiten, und nicht möge menschliches Vernünfteln die Folgen göttlichen Wirkens vereiteln! W i r setzen mit Abraham unsere Hoffnung auf Gott und schwanken nicht aus Mißtrauen3 , sondern sind fest davon überzeugt, daß der Herr die Macht besitzt, sein Versprechen zu halten4 .

1: vgl.Gen 22,18; 12,3; 18,18; 26,4; Eccli 44,25; Apg 3,25; Gal 3,16
2: vgl. Röm 9,8
3: vgl. Röm 4,20
4: vgl. Röm 4,21

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger