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Paul Koetschau, Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes. In: Origenes, Schriften vom Gebet und Ermahnung zum Martyrium. Aus dem Griechischen übersetzt von Paul Koetschau. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 48) München 1926.
Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes

A. Das Leben des Origenes
Lebensabriss

16.

Von großer Bedeutung für die Erklärung der Heiligen Schrift waren auch, die Homilien (= ὁμιλίαι und διαλέξεις [bei Eusebius VI 36,1] und tractatus bei Hieronymus), d.h. Predigten oder Lehrvorträge über die in der Kirche vorher verlesenen Schriftabschnitte. Von jeher waren Ansprachen vor der versammelten Gemeinde üblich gewesen, zur Zeit des Origenes aber wurden sie regelmäßig an Abschnitte der Heiligen Schrift angeknüpft. Hierbei bestimmte der Bischof, worüber geredet werden sollte; gelegentlich wurde auch ein Wunsch der Gemeinde berücksichtigt, obwohl die Reihenfolge der Schriftabschnitte („ordo lectionum, quae recitantur", In Num. hom. XV 1, VII 128, 17) im allgemeinen maßgebend war. Das Ziel des Redenden bestand darin, durch Auslegung der betreffenden Schriftstelle die Gemeinde zu belehren, zugleich aber auch zu erbauen (In Lev. hom. I 1 und VII 1, VI 281, 26 und 370, 18 f.). Origenes führt dies z.B. in der XIII. Homilie zu Exodus (VI 276, 10 ff.) näher aus: die Pflicht des Redenden sei nicht nur zu belehren und der Gemeinde ihre Sünden vorzuhalten, sondern ihr auch Trost und Erbauung aus den heiligen Schriften zu bieten. In der Belehrung der Gemeinde mußte er natürlich auf das Verständnis der großen Menge, der „einfachen Christen“, und der ebenfalls anwesenden Katechumenen (In Luc. hom. XXII Lom. V 169. In Psal. 36 hom. I 5, Lom. XII 165. In Ezech. hom. VI 5, Lom. XIV 86) Rücksicht [S. 58] nehmen und sich mehr auf die wörtliche Erklärung der Schriftstellen beschränken; auch verlangte die ihm zugemessene Zeit eine gewisse Kurze der Behandlung (In Exod. hom. I 1, VI 145, 21 ff. In Jud. hom. VI 1, VII 498, 22: „brevitatem namque auditores ecclesiae diligunt". In Exod. hom. XIII 4, VI 275, 14: „Oportet enim et dici aliqua ei aliquanta servari”). Deshalb verzichtet Origenes auf längere Einleitungen; er wendet sich schnell der Sache selbst zu und schließt auch nur mit einer kurzen Doxologie ab. Ausführliche Erörterungen des tieferen Sinnes der zu erklärenden Schriftstellen vermeidet er mit gutem Grund („neque nobis universa explicare neque vobis cuncta audire possibile est": In Exod. hom. I 1, VI 146, 4) und spart diese ebenso wie die genauere Erläuterung der einzelnen Worte für seine Kommentare auf („hoc enim facere per otium scribentis est“: In Lev. hom. I 1, VI 281, 25). Auch Rügen sittlicher Mängel, Tadel unziemlichen Betragens beim Gottesdienst u. dgl. finden wir bei Origenes nicht allzu häufig, vgl. aber: In Gen. hom. X 1.3 (VI 93, 6 ff. 96, 21 ff.). In Exod. hom. XII 2. XIII 3 (VI 263, 22 ff. 272, 25 ff.). In Lev. hom. IX 7 (VI 430,18 ff.). In Jos. hom. I 7. X 1 (VII 295, 9 ff.358,13ff.). Die Gliederung und äußere Form der Homilien des Origenes ist einfach und schmucklos, er verschmäht die ihm wohlbekannten Mittel der Rhetorik und will durch den Inhalt wirken, vgl. Hieron., Prolog. in Ezechiel. (Lom. XIV 4: „omni rhetoricae artis splendore contemto — res quippe volumus, non verba laudare”). Die Kraft des Vortrags, durch die Origenes große Wirkungen erzielte1, ist nach seiner Überzeugung eine Gnade Gottes (In Ep. ad Rom. IX 2, Lom. VII 292); wie in den Propheten der Geist Gottes lebte und wirkte, so muß er auch den Prediger erfüllen (In Psalm 37 [36] hom. III l, Lom. XII 181. In Ep.ad Rom. VI 13, Lom. VII 80), wenn er sein Hauptziel, die Erbauung der Gemeinde, erreichen will. Origenes ist sicherlich ein bedeutender, feuriger und geistvoller Prediger gewesen, der durch seine umfassende Gelehrsamkeit, tiefe [S. 59] Frömmigkeit und Begeisterung für die heiligen Schriften zu ihrer Auslegung ganz besonders berufen war. Sofort nach seiner Ankunft in Cäsarea 231 ist ihm deshalb von dem Bischof Theoktistus dieses Amt übertragen worden, und Origenes hat es auch ohne längere Unterbrechung ungefähr zwei Jahrzehnte lang, von 231-251, verwaltet. Da er nun, wie Sokrates h. e. V 22 berichtet, regelmäßig jeden Mittwoch und Freitag, ja, wie Pamphilus im ersten Buche seiner Apologie (Lom. XXIV 298) bemerkt, „fast täglich unvorbereitet" predigte, vgl. In Num. hom. XIII 1 a. A., und da diese Predigten teils von Origenes selbst, teils von andern aufgezeichnet und herausgegeben worden sind, so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Worte des Hieronymus: „mille et eo amplius tractatus, quos in ecclesia locutus est, edidit" (Ep. 84, 8 ad Pamm. et Ocean.) keine Übertreibung enthalten. Auch für diese Art der Schrifterklärung in Form von Homilien hat Origenes die Bahn gebrochen und kann deshalb mit Recht „derVater der Homilie" (Redepenning, Origenes II 212) genannt werden. Denn wenn es auch vorher schon Homilien gab, so hat doch erst Origenes durch die überaus große Zahl von Musterstücken, die er darbot, eine für lange Zeit gültige Form der Predigt geschaffen und der Nachwelt einen reichen Schatz hinterlassen, von dem sie auch mit Nutzen Gebrauch gemacht hat. In der von Eusebius verfaßten Lebensbeschreibung des Pamphilus befand sich da, wo dessen große Sammlung von Schriften des Origenes und anderer Kirchenschriftsteller erwähnt war, auch ein Katalog der Schriften des Origenes (Euseb. VI 32, 3), dessen Verlust wir schmerzlich bedauern müssen. Vermutlich sind aber schon dort nicht mehr alle Homilien, die Origenes in den vielen Jahren gehalten hat, verzeichnet gewesen; von der großen Masse Homilien, die noch Pamphilus in seiner Bibliothek besaß, und von den „mille tractatus", die Hieronymus (s.o.) erwähnt, kennen wir nur einen kleinen Teil, und von diesem besitzen wir Wieder nur einen recht kleinen Teil, und zwar meist nur in der Übersetzung des Rufinus und Hieronymus. Jedenfalls gab es zwei Arten von Homilien des Origenes, a) solche, die er selbst vorher ausgearbeitet oder nachher [S. 60] aufgezeichnet und selbst herausgegeben hatte, b) solche, die von Schnellschreibern während seines Vortrags, den er später meistens unvorbereitet hielt, aufgenommen und von andern auch veröffentlicht worden waren. Die Erlaubnis dazu hat Origenes den Schnellschreibern erst nach seinem sechzigsten Lebensjahr gegeben; da Eusebius (VI 36,1) diese Bemerkung nach dem dritten Jahre des Kaisers Philippus (d.h. 247) einfügt, so ist damals Origenes, wenn 184 geboren, dreiundsechzig Jahre alt gewesen. Er selbst brauchte damals seiner langjährigen Übung wegen keine Vorbereitung mehr und hielt seine Homilien aus dem Stegreif, d.h. aus der Fülle seiner Gelehrsamkeit, bei jeder Gelegenheit, wenn es gewünscht wurde; denn unter Philippus nahm die Zahl der Christen gewaltig zu, und die christliche Lehre konnte vor allen frei verkündigt werden.

1: Vgl. oben S. 51(Gregor. Thaum.) und unten S. 60 f. (Bekehrung des Bischofs Beryllus von Bostra).

 

 

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B. Die Schriften des ...

Einleitung zu:
Vom Gebet (De oratione) (Origenes († 253/54))
Ermahnung zum Martyrium (Exhortatio ad martyrium) (Origenes († 253/54))
Gegen Celsus (Contra Celsum) (Origenes († 253/54))

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger