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Paul Koetschau, Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes. In: Origenes, Schriften vom Gebet und Ermahnung zum Martyrium. Aus dem Griechischen übersetzt von Paul Koetschau. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 48) München 1926.
Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes

A. Das Leben des Origenes

Chronologie

Chronologie.

Für Origenes läßt sich weder das Datum der Geburt noch das des Todes mit voller Sicherheit feststellen, obwohl Eusebius einige ganz bestimmte Angaben darüber hat. Der Tatbestand ist folgender. 1. Im 10. Jahre des Kaisers Septimius Severus (= 29. August 201 bis 28. August 202 nach Eduard Schwartz, Eusebius Kirchengeschichte 3. Teil, Leipzig 1909, S. 31) erlitt Leonides, der Vater des Origenes, den Märtyrertod und ließ seinen ältesten Sohn „noch recht jung“ (Euseb. VI 1,1), d.h. bevor er das 17. Jahr vollendet hatte (Euseb. VI 1,12) zurück. Die Zahl 17 wird durch die weitere Bemerkung des Eusebius (VI 3,3) gestützt, daß Origenes im 18. Jahre gestanden habe, als er bald darauf Vorsteher der Katechetenschule geworden sei. Fällt nun das Martyrium des Leonides etwa Anfang Oktober 201, so kann die Geburt des Origenes Mitte Oktober 184 angesetzt werden. Jedenfalls scheint der Ausdruck des Eusebius (VI 1, 12) darauf hinzudeuten, daß Origenes beim Tode des Vaters kurz vor Vollendung des 17. Jahres gestanden hat. 2. Als [S. 10] Caracalla im Jahre 215/16 das Blutbad in Alexandria anrichtete (Herodian IV 9. Dio Cass. LXXVII 22 f. Spartian. 6), begab sich Origenes nach Cäsarea in Palästina. Dort wurde er als „noch recht junger Mann“ von den anwesenden Bischöfen hoch geehrt (Euseb. VI 19,16.18). Damals würde er, wenn 184 geboren, 31/32 Jahre alt gewesen sein, was zu dem Ausdruck des Eusebius paßt. 3. Im dritten Jahre des Kaisers Philippus (246/47) hatte Origenes das 60. Jahr überschritten (Euseb. VI 35. 36,1), d.h. er war, wenn 184 geboren, 62/63 Jahre alt. 4. Eusebius erwähnt VII 1 das Ende des Kaisers Decius, der nach einer Herrschaft von nicht ganz zwei Jahren getötet worden sei (d. h. zwischen Juni und August 251), und die Nachfolge des Kaisers Gallus und fährt dann fort: „In dieser Zeit (d. h. unter der Regierung des Gallus und Volusianus) stirbt Origenes, nachdem er 69 Jahre vollendet hatte." Die Regierung des Gallus und Volusianus dauerte bis zum 22. Oktober 253; den Tod des Origenes über diesen Termin hinaus in die Regierungszeit der Kaiser Valerianus und Gallienus zu verschieben, scheint mir mit dem Wortlaut bei Eusebius unvereinbar zu sein. Eusebius bemerkt ferner ausdrücklich, daß Origenes bei seinem Tode des 69. Lebensjahr vollendet gehabt habe. Fällt nun sein Geburtstag Mitte Oktober 184, so kann sein Tod nach Vollendung des 69. Jahres noch vor dem 22. Oktober 253 angesetzt werden. Wenn auch diese Berechnung, die alte Angaben des Eusebius zu verwerten sucht, keine Sicherheit bietet, so scheint sie mir doch die wahrscheinlichste Lösung einer Streitfrage zu sein, die schon von vielen Gelehrten behandelt worden ist. Eine Schwierigkeit liegt hur darin, daß Photius in seinem Referat über die Origenes-Apologie des Pamphilus-Eusebius (Bibl. Cod. 118) zwei verschiedene Überlieferungen über den Tod des Origenes mitteilt. a) „Pamphilus der Märtyrer und viele andere, die ihre Nachrichten von Freunden des Origenes selbst erhalten hätten, sagten, Origenes sei durch ein berühmtes Martyrium in Cäsarea selbst aus dem Leben geschieden, als gerade Decius gegen die Christen wütete" Da hier nicht der Wortlaut des Zeugnisses des Pamphilus, sondern nur eine allgemeine [S. 11] Angabe des Photius vorliegt, so kann diese Überlieferung dem bestimmten Zeugnisse des Eusebius (VII 1) gegen-über nicht ins Gewicht fallen. b) „Andere aber sagten, daß er bis Gallus und Volusianus gelebt habe und in einem Alter von 69 Jahren in Tyrus gestorben und begraben sei." Dies ist die Nachricht, die wir bei Eusebius finden, nur daß Photius ebenso wie Hieronymus (De vir. ill. 54 a. E.) als Todes- und Begräbnisort Tyrus nennt. Wenn sich nun Photius für die zweite Überlieferung deshalb entscheidet, weil ihm Briefe des Origenes vorlagen, die nach der Verfolgung des Decius geschrieben waren und nicht den Verdacht der Fälschung erweckten, so muß für uns, da wir jetzt dieses Beweismaterial nicht mehr haben, das Urteil des gelehrten Patriarchen von besonderem Werte sein. Wer sich also, wie z. B. Erwin Preuschen (RE für prot. Theol. und Kirche3 XIV S. 470. Theol. Stud. und Krit. 78, 1905, S. 370), der ersten Überlieferung anschließt, stellt sich in Gegensatz zu dem wohlbegründeten Urteil des Photius und muß auch das Zeugnis des Eusebius, wonach Origenes beim Tode seines Vaters 17 Jahre alt gewesen ist, verwerfen. Die meisten Gelehrten folgen daher auch, wie wir, der zweiten Überlieferung; vgl. A. Harnack, Chronologie S. 28. 36 und Nachtrag S. 542 f., G. Krüger, Gött. Gel. Anz. 1905 S. 9 f., O. Bardenhewer, Gesch. d. altkirchl. Lit. II2 S. 106. 111, O. Stählin, Die altchristl. griech. Lit. S. 1317 A. 4. Wenn schon zur Zeit des Pamphilus und Eusebius über den Tod des Origenes und auch über den Ort seines Todes keine einheitliche Überlieferung vorlag, sondern von vielen sein Tod um ungefähr zwei Jahre zu früh angesetzt wurde, so erklärt sich dies wohl daraus, daß nach allgemeiner Annahme sein unter Decius erlittenes Martyrium der tatsächliche Anlaß seines Todes gewesen ist, wenn dieser auch nicht unmittelbar, sondern einige Zeit später erfolgte.

Aus Buch VI und VII 1 der Kirchengeschichte des Eusebius läßt sich folgende chronologische Übersicht über das Leben des Origenes gewinnen.

201/2 = 10. Jahr des Septim. Severus: Lätus Statthalter, Demetrius kurz vorher Bischof. Tod [S. 12] des Leonides (VI 2,2). Origenes nicht ganz 17 Jahre (2,12). Privater Unterricht (3,1).

202/3 Aquila Statthalter. Origenes 18 Jahre, Schulleiter, Fortdauer der Verfolgung (3,3 ff.). Askese des Origenes (3,9), sieben Schüler von ihm Märtyrer (4,1 ff.). Origenes entmannt sich (8,1 ff.).

211-217 Antoninus Caracalla. Alexander Bischof von Jerusalem (8,7. 11,2). Origenes reist nach Rom unter Zephyrinus (14,10 f.); nimmt Heraklas zum Gehilfen (15). Beginn der Arbeit an den Hexapla; Hebräisch; Übersetzungen (16,1-3. 17). Ambrosius bekehrt (18,1). Origenes als Philosoph (18,3. 4). Porphyrius (19,3). Origenes Schüler des Ammonius (19,6), zum Dux Arabiae berufen (19,15).

215/16 Χρόνου δὲ μεταξὺ διαγενομένου, οὐ σμικροῦ κατὰ τὴν πόλιν ἀ. πολέμου. Origenes ἔτι νέος ὤν reist nach Cäsarea Pal. (19,16), wird von Alexander und Theoktistus wegen Predigens bei Demetrius entschuldigt (19,17 f.), kehrt nach Alexandria zurück (19,19).

218-222 Makrinus und Antoninus Elagabal. In Rom † Zephyrinus 218, es folgt Kallistus 218-223, Urbanus 223-231.

222-235 Alexander Severus. Origenes von Mamäa nach Antiochia berufen (21, 3 f.). Origenes, von Ambrosius gedrängt, beginnt mit Kommentaren zur Heiligen Schrift (23,1 f.).

231-237 in Rom Pontianus, Nachfolger des Urbanus. Origenes reist nach Griechenland durch Palästina und wird in Cäsarea zum Presbyter geweiht; Folgen davon (23,4). — Schriften 218-230: In Joh. B. 1-5, In Gen. B. 1-8, In Ps. 1-25 B?, In Lament, B. 1-5 (hier De resurr. erwähnt). De resurrectione B. 1. 2. Periarchon B. 1-4 (nach 220 und vor 222? hier De resurr. erwähnt). Stromateis B. 1-10 nach 222.

29. August 230/31 = 10. Jahr des Alexander. Origenes 231 nach Cäsarea (26). Demetrius †, Nachfolger: Heraklas (29, 4). Firmilianus (27).

235-238 Maximinus. Verfolgung der Vorsteher der Gemeinden (28). Origenes schreibt De martyrio, [S. 13] Verfolgung im Joh.-Komm. B. XXII und in Briefen erwähnt.

238-244 Gordianus. In Rom Nachfolger des Pontianus: Anteros (1 Mon). Fabianus 238-250. Gregorius und Athenodorus fünf Jahre (233-238) Schüler des Origenes (30). Jul. Africanus (31,1). Kommentare zu Jesaia und Ezechiel (32,1). Origenes in Athen, wo Ezech.-Komm. vollendet und Cant.-Komm. begonnen (32, 2). Beryllus von Bostra bekehrt (33,1 f.).

244-249 Philippus (ob Christ?). Im 3. Jahr (247) † Heraklas, der sechzehn Jahre Bischof gewesen, Dionysius folgt (35). Origenes, über sechzig (= dreiundsechzig) Jahre alt, läßt Homilien von Schnellschreibern nachschreiben (36,1). Die acht Bücher gegen Celsus (36, 2). Kommentare zu Matth., den zwölf Propheten, Briefe (36,3. 4). Origenes bekehrt die Thnetopsychiten in Arabien (37). Elkesaiten. (38).

250/51 Decius. Verfolgung (39,1 ff.). In Rom † Fabianus, Cornelius folgt; in Jerusalem † Alexander, in Antiochia † Babylas. Origenes im Kerker gefoltert. Briefe des Origenes berichten darüber (39, 5).

251-253 (August) Gallus. (VII 1. 10,1). Origenes stirbt nach vollendetem 69. Lebensjahre (VII1).

Eusebius hat demnach die ihm bekannten Tatsachen aus dem Leben des Origenes chronologisch nach Kaiser- und Bischofslisten angeordnet, und es scheint mir nicht ratsam, in der Lebensbeschreibung des Origenes von diesem Schema irgendwie erheblich abzuweichen.

 

 

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Vom Gebet (De oratione) (Origenes († 253/54))
Ermahnung zum Martyrium (Exhortatio ad martyrium) (Origenes († 253/54))
Gegen Celsus (Contra Celsum) (Origenes († 253/54))

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger