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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XX. Rede

12.

Wenn du auf mich, einen von Verwegenheit freien Theologen, hören willst, dann bitte darum, auch das eine zu verstehen, wie du das andere verstanden hast! Liebe das eine und sorge dafür, daß es in dir bleibt! Das andere möge als himmlischer Schatz aufgezeichnet sein! Durch Tüchtigkeit steige empor! Durch Reinigung erwirb dir das Reine! Willst du einmal Theologe werden und der Gottheit würdig sein, dann beobachte die Gebote, schreite durch die Satzungen vorwärts! Handeln führt zum Schauen1. Diene der Seele durch den Körper! Sollte es einer so weit wie Paulus bringen können, dann beachte er jedoch, daß Paulus sagt, er schaue durch einen Spiegel und durch Rätsel und es komme eine Zeit, da werde er schauen von Angesicht zu Angesicht2. Solltest du im Reden gescheiter als andere sein, aber auf jeden Fall stehst du hinter Gott zurück. Vielleicht bist du weiser als andere, aber der Abstand zwischen dir und der [S. 414] Wahrheit ist so groß wie der zwischen deinem Sein und Gottes Sein. Wir haben die Verheißung, daß wir dereinst erkennen werden, soferne wir erkannt sind3. Wenn ich in diesem Leben nicht die völlige Erkenntnis der Dinge besitzen kann, was ist das, was mir noch übrigbleibt, was ich zu hoffen habe? Du wirst auf jeden Fall antworten: das Himmelreich. Dieses besteht aber nach meiner Ansicht in nichts anderem als in dem Besitze des Reinsten und Vollkommensten. Das Vollkommenste aber, was es gibt, ist die Erkenntnis Gottes. Erkenntnisse wollen wir teils festhalten, teils ― solange wir auf Erden leben ― zu erwerben suchen, teils im Jenseits aufgespeichert lassen, auf daß wir als Lohn für unsere Mühen das volle Licht der heiligen Dreifaltigkeit, d. i. das Verständnis für ihr Sein, ihre Art und ihre Größe erhalten in Christus, unserem Herrn, dem die Ehre und Kraft sei in alle Ewigkeit! Amen.

1: πρᾶξις ἐπίβασις θεωρίας [praxis epibasis theōrias].
2: 1 Kor. 13, 12.
3: [Ebd.] 1 Kor. 13, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger