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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XIX. Rede

13.

Ob du Steuern eintreibst, ob du sie auszahlst, du tust es in Christus. In Vereinigung mit dem Haupte machst du die Schätzung, mit dem Logos erwägst du. Christus wird dir jetzt geboren. Er ist Gott und wird Mensch und verkehrt mit Menschen. Was ist damit gesagt? Ich meine, es ist denen, welche mit solchen Ämtern betraut sind, die Lehre gegeben, daß sich Gott an den wichtigsten Ämtern stets beteiligt. Um die Steuerbeamten zur Gewissenhaftigkeit zu erziehen, ist er gerade damals Fleisch und Mensch geworden; um uns in unseren Untertanenpflichten zu ermuntern und die nicht zu vernachlässigende Loyalität zu lehren, zahlte er die Doppeldrachme nicht nur für sich selbst, sondern auch für Petrus, den geehrtesten seiner Jünger1. Denn unsertwegen ist er Mensch geworden und hat er Knechtsgestalt angenommen, und unserer Sünden wegen ist er in den Tod geführt worden. So wirkte der Erlöser; nur durch seinen Willen wollte er, der Gott, uns erlösen, nachdem er durch sein Wort die Welt erschaffen hatte. Das Wertvollste und [S. 401] Ergreifendste, was er uns geschenkt hat, ist Mitleid und Solidarität. Was haben wir als Jünger des sanften, gütigen, so dienstbereiten Christus zu tun? Müssen wir nicht die Barmherzigkeit des Herrn nachahmen? Müssen wir nicht gegen unsere Mitknechte gut sein, damit der Herr uns mit gleichem Maße vergelte, mit dem wir messen2? Sollen wir nicht durch Milde unsere Seelen retten? Es ist genug, daß man als freier Mensch dienen muß und daß die Gegensätze so groß sind, daß, obwohl alle aus dem gleichen Staube kommen, die einen herrschen, die anderen beherrscht werden, die einen Abgaben auferlegen, die anderen Abgaben zahlen, die einen Unrecht und Leid zufügen dürfen, die anderen betteln und ringen müssen, um von der Not verschont zu bleiben. Diese Gegensätze finden sich an ein und demselben (göttlichen) Ebenbilde, an den Geschöpfen derselben Würde, an den Erben des gleichen Lebens, für welche Christus in gleicher Weise gestorben ist. Es ist genug, daß freie Menschen solches Schicksal erfahren müssen. Nicht darf das Joch noch schwerer, nicht die Strafe für die Erbsünde noch drückender werden!

1: Matth. 17, 27.
2: Vgl. Luk. 6, 38.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger