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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVIII. Rede

39.

Da die Nachwelt ein Denkmal seiner Hochherzigkeit haben sollte, gab es nichts Besseres als jene Kirche, die er Gott und uns mit kleinen Zuschüssen des Volkes, größtenteils aber aus eigenen Mitteln erbauen ließ. Das Werk darf nicht verschwiegen werden, da es an Größe die meisten, an Schönheit aber fast alle Kirchen überragt1. Die Kirche ist in einem gleichseitigen, [S. 387] geradlinigen2 Achteck erbaut und strebt in zwei herrlichen Stockwerken von Säulen und Säulenhallen mit naturgetreu dargestellten Figuren in die Höhe. Von oben her wird sie durch das Gewölbe erleuchtet; zahlreiche Lichtquellen blenden das Auge: eine wahre Lichthalle. Ringsum zieht sich ein gleichwinkeliger Wandelgang von glänzendstem Gestein, welcher den großen Raum in der Mitte umschließt. Anmutig strahlen die Tore und Vorhallen und begrüßen schon von ferne die Kommenden. Noch nicht rede ich von dem äußeren Schmuck, der Schönheit und Größe der gutgefügten Quadersteine; bald ist es Marmor, wie an den Sockeln und Kapitellen, welche die Kanten verdecken3, bald ist es einheimischer Stein, der aber dem ausländischen nicht nachsteht. Noch nicht spreche ich von den vielgestaltigen, bunten Gurten, welche vorspringen und eingelassen sind vom Fundament bis zur Spitze, die, den Blick versperrend, den Besucher belästigt. Wie kann man mit wenigen Worten ein Denkmal schildern, das von einer solchen Hand in so langer Zeit unter so vielen Mühen errichtet worden ist? Vielleicht genügt die Bemerkung: Während andere Städte zahlreicher privater und öffentlicher Denkmäler zu ihrem Schmucke bedürfen, vermochte diese Kirche allein schon uns weit und breit berühmt zu machen. Dies ist die Bedeutung unseres Gotteshauses. Da es aber auch einen Priester brauchte, verschaffte er ihn aus Eigenem; ob dieser dem Gotteshause entspricht, vermag ich nicht zu sagen. Genug, daß er ihn gegeben hat. Da man endlich noch der Opfer bedurfte, sorgte er hiefür in den Leiden und im Opfermut seines Sohnes, damit Gott von ihm eine vernünftige Gabe, ein geistiges Opfer erhalte, das würdig ist, an Stelle des Gesetzesopfers dargebracht zu werden.

1: Folgende Beschreibung der Kirche wurde bereits übersetzt von Dr. Zell in Hübsch, „Die altchristlichen Kirchen nach den Baudenkmalen und älteren Beschreibungen“ (Karlsruhe 1863) S. 44 f. und von B. Keil in J. Strzygowski. „Kleinasien, ein Neuland der Kunstgeschichte“ (Leipzig 1903) S. 94 f. – Hübsch gibt a. a. O. Tafel XIX, 7 u. 8 eine Rekonstruktion der von Gregor beschriebenen Kirche. An derselben tadelt jedoch Strzygowski S. 95, daß sie zu sehr nach dem Baptisterium zu Florenz, zu wenig nach S. Vitale zu Ravenna gemacht sei – Eine schon von Kaiser Konstantin im Achteck erbaute Kirche erwähnt Eusebius, „Leben Konstant.“ 3, 50. „Über alte Oktogonkirchen“ vgl. Strzygowski S. 70-103.
2: Die Kirche hatte also keine Absiden.
3: Zell übersetzt: „welche die Ecken trennen“. Keil: „welche die Ecken schmücken.“ Der Text lautet: τὰς γωνίας διειλήφασι [tas gōnias dieilēphasi]. Die Bedeutung von διαλαμβάνω [dialambanō] ergibt sich aus Rede 19, 5, wo es von den Märtyrern heißt: πᾶσαν διειλήφασι τὴν οἰκουμένην ὥσπερ . . . σύνδεσμοι [pasan dieilēphasi tēn oikoumenēn hōsper . . . syndesmoi], d. i. „wie ein Netz haben sie den ganzen Erdkreis bedeckt“.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger