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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVIII. Rede

34.

Der Kaiser erschien, wutentbrannt gegen die Christen. Die Wahl war ihm ein Greuel. Dem Gewählten drohte Gefahr. Die Stadt war in äußerst kritischer Lage: sie konnte von diesem Tage an aufhören zu bestehen, sie konnte aber auch ihre Existenz retten und des Kaisers Gnade finden. Auf die gleiche Stufe mit der aufregenden Zerstörung des Fortunatempels zur Zeit der Erfolge wurde die Wahl dieses Mannes gestellt, in der man ein wahres Volksunglück erblickte. Der Statthalter suchte zu beruhigen und sann auf Strafe für ihn; war er sonst schon nicht gut auf ihn zu sprechen, so kam er nun wegen politischer Differenzen mit [S. 382] ihm in Konflikt. Er lud die, welche den Bischof gewählt hatten, schriftlich vor, damit sie Anklage gegen ihn erhöben; das Schreiben war nicht gerade höflich, sein Ton war bereits etwas drohend, wie wenn der Kaiser die Forderung gestellt hätte. Da die schriftliche Vorladung auch an meinen Vater gerichtet war, antwortete er ohne Furcht und ohne geringstes Zögern. Aus seiner Entgegnung wollen wir lernen, wie groß sein Mut und wie klar sein Geist war. Seine Antwort lautete: „Mächtigster Herrscher, wir haben nur einen einzigen Richter, der alle Handlungen prüft; es ist der König, gegen den nun der Kampf geht. Er wird auch urteilen über vorliegende Wahl, die wir dem Recht und Gott entsprechend vorgenommen haben. In anderen Dingen uns nach eurem Willen zu bezwingen, wird euch überaus leicht fallen. Doch wird niemand uns daran hindern, Handlungen zuzustimmen, die recht und gerecht geschehen sind; es müßte denn sein, daß ihr das Gesetz erlasset, es sei ein Unrecht, wenn wir für unsere Angelegenheiten sorgen.“ Selbst der Adressat mußte dieses Schreiben bewundern, wenn er sich auch etwas darüber geärgert hatte, wie die vielen aus seiner nächsten Umgebung berichteten. Das Schreiben besänftigte aber auch das stürmische Wesen des Kaisers und befreite die Stadt von der drohenden Gefahr und ― wie ich mit gutem Grunde beifügen dürfte ― uns selbst von der Schmach. Es war die Tat des Bischofs einer kleinen Stadt, eines Mannes, der erst nach dem Metropoliten kam. Ist es nicht viel besser, in dieser Weise (als einfacher Bischof) seine führende Stellung auszunützen, als von höherem Bischofsstuhle aus Worte zu machen? Ist es nicht besser ein Herrscher in der Tat, als einer dem Namen nach zu sein?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger