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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVIII. Rede

32.

Dieser Vorfall betraf beide Eltern. Längst werden nun aber wohl solche, welche die Geschichte meines Vaters genau kennen, sich darüber wundern, daß wir bei dem Erwähnten so lange verweilten, als wenn es das einzige wäre, was zu seiner Ehre gesagt werden [S. 379] könnte, daß wir dagegen zögern, an jene schlimmen Zeitverhältnisse zu erinnern, gegen welche der Vater offen angekämpft hatte. Man könnte meinen, daß wir entweder von diesem Kampfe nichts wissen oder ihn für unbedeutend halten. Darum wollen wir auch noch davon sprechen. Unsere Zeit hatte das erste und wohl auch das Endübel hervorgebracht in dem Kaiser, der sowohl von Gott als auch von der Vernunft abgefallen war. Julian hielt es für ein Geringes, sich die Perser zu unterwerfen, er erachtete es dagegen für eine große Tat, die Christen zu bezwingen, wozu ihm auch seine Dämonen, von denen er sich leiten ließ, rieten. Er schrak daher vor keiner Art Bosheit zurück. Er gewann durch Überreden, Drohen und Belehren, bald mit List, bald durch Gewalt. Es konnte gar nicht verborgen bleiben, daß hinter seinen philosophischen Ideen die Verfolgung lauerte, oder daß er seine Macht direkt benützte, uns auf jede Weise, sei es durch List, sei es mit Gewalt, vollständig in seine Hand zu bekommen. Wer hätte nun mehr (als mein Vater) den Kaiser verachtet und abgetan? Daß er ihn verachtete, beweisen außer vielem anderen jene Bogenschützen samt ihrem Kommandanten, welche Julian in unsere Kirchen schickte, um sie in Besitz zu nehmen bzw. zu bezwingen. Nachdem er sich bereits gegen viele andere gerichtet hatte und nun auch hier in gleicher Absicht erschien und dem Befehle gemäß nach der Kirche trachtete, war der Vater von einem Entgegenkommen so weit entfernt, daß jener vielmehr, wenn er nicht, klug auf einen Berater hörend, sich eilends meinem Vater gefügt hätte, mit Fußtritten weiterbefördert worden wäre; denn der Priester brannte von Unmut gegen ihn und von Eifer für das Haus Gottes. Hätte einer wohl besser seine Erledigung bewerkstelligen können als dadurch, daß er den Frevler beseitigte, einerseits öffentlich durch Bitten und Gebete des ganzen Volkes ohne Rücksicht auf die Zeit, anderseits privat, indem er nächtliche Angriffe auf ihn machte, soferne er seine alten, feuchten Glieder, auf der Erde liegend, marterte und den Boden mit Tränen benetzte? Fast ein volles Jahr hindurch übte er diese Abtötung, welche nur dem, [S. 380] der das Verborgene sieht, bekannt war, da er sie in der schon erwähnten Absicht, seine Frömmigkeit nicht zur Schau zu tragen, zu verheimlichen suchte. Die vollständige Verheimlichung wäre ihm gelungen, wenn ich nicht einmal unvermutet bei ihm eingetreten wäre, seine auf dem Boden vorgenommenen Übungen gesehen, ihn darnach gefragt und so das nächtliche Geheimnis erfahren hätte.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger