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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVIII. Rede

26.

Noch eher würde der Tau den Strahlen der Morgensonne widerstehen, als daß in ihm etwas Zorn geblieben wäre. Kaum war ein Zorneswort gesprochen, war auch schon mit dem Wort der Zorn entflogen, nur Liebe zum Guten zurücklassend und nie über Sonnenuntergang hinausdauernd. Seine Erbitterung wußte nichts von dem Zorne, der auch am Leben verständiger Menschen nagt, hinterließ keine Spur von ihren Schmerzen an seinem Körper, bewahrte ihm vielmehr auch im Sturme seine Sanftmut. So geschah das Staunenswerte, daß er zwar nicht allein es war, der zurechtwies, wohl aber einzig und allein bei den Angeklagten Liebe und Bewunderung erntete, da eben seine Güte über seine Erbitterung siegte. Und wahrlich, es ist ehrenvoller, von einem gerechten Manne getadelt als von einem schlimmen Menschen gesalbt zu werden. Die Rauhheit des ersteren wirkt angenehm, da sie Nutzen bringt; die Güte des letzteren dagegen erregt Verdacht, da seinem Leben die Güte fehlt. Trotzdem der Vater ein Mann von Gemüt, von [S. 373] Einfalt und göttlicher Gesinnung war, so war er doch wegen seiner Gläubigkeit von denen gefürchtet, welche sich groß dünkten; nichts hatte es ihm so sehr angetan als Verachtung der Einfalt. Wünschte er jemandem etwas Gutes oder etwas Schlechtes, sofort mußte er ihm etwas Gutes geben, das Bestand hatte, oder etwas Unangenehmes widerfahren lassen, das nicht von Bestand war. Der gute Wunsch kam aus der Tiefe des Herzens, der böse aber lag nur auf den Lippen und war väterliche Zurechtweisung. Viele von denen, welche sich gegen ihn verfehlt hatten, wurden nicht erst spät von der Vergeltung ereilt. Nicht hinkte, wie ein Dichter sagt, die Strafe erst nach, sondern auf der Stelle wurden sie geschlagen, kehrten um, kamen, fielen auf die Knie nieder, erlangten Verzeihung, um, zu ihrem Vorteile besiegt, wegzugehen und durch die Züchtigung und Verzeihung bessere Menschen zu werden; denn Verzeihen hat oft großen Erlösungswert, da es durch Beschämung den Sünder niederzwingt und aus der Angst heraus zu Liebe und sicherem Wohlwollen führt. Heimgesucht wurden die einen, indem sie von Rindern, welche durch noch ungewohntes Joch scheu wurden und plötzlich ausrissen, in die Höhe geworfen wurden, andere, indem sie von Pferden, trotzdem diese sehr lenksam und zahm waren, zu Boden geschleudert und getreten wurden, wieder andere, indem sie von unerträglicher Hitze sowie von der Erinnerung an ihre Taten erfaßt wurden. Die einen wurden auf diese, die anderen auf jene Weise geschult und lernten aus ihrer Züchtigung Gehorsam.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger