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Gregor v. Nazianz († 390) - Reden
XVIII. Rede

21.

Seine schönste und bedeutendste Tugend war, daß er mit seiner hochherzigen Gesinnung nicht Ehrgeiz verband. Wie wenig er es tat, will ich dartun. Obwohl er sowohl die Güter, wie die Freigebigkeit gemeinsam mit seinem Weibe besaß, und beide um die schönsten Ideale wetteiferten, so überließ er doch das Schenken meist ihrer Hand, da sie die beste und verlässigste Verwalterin in solchen Dingen war. Welch treffliches Weib war sie, von der ich da rede! Nicht einmal der Atlantische Ozean oder sonst ein Riesengewässer hätte, wenn sie dieselben hätte ausschöpfen können, ihrer Freigebigkeit genügt. So groß und unermeßlich war ihre Liebe zum Schenken. Sie ahmte den Blutegel nach, von dem Salomon spricht1, allerdings in entgegengesetzter Beziehung. Denn durch die Unersättlichkeit im guten Sinne überwand sie die Unersättlichkeit im schlimmen Sinne; im Wohltun konnte sie sich nicht genug tun. Alles, was sie besaßen oder sich erwarben, war ihr zu wenig im Vergleich zu dem, was sie schenken wollte. Ja, gerne hätte sie ― wie ich oft aus ihrem eigenen Munde gehört habe ― sich selbst und ihre Kinder, wenn es möglich gewesen wäre, hingegeben, um den Armen zu dienen. Der Vater ließ der Freigebigkeit der Mutter alle Zügel schießen. Hierin war er meines Erachtens das beste Vorbild. Hochherzige Freigebigkeit kann man zwar unschwer auch sonst [S. 369] finden, mag man sein Geld hinauswerfen, um in der Öffentlichkeit und im politischen Leben seinen Ehrgeiz zu befriedigen, oder mag man es durch Vermittlung der Armen an Gott ausleihen als einzige Kostbarkeit derer, welche es ausgeben. Nicht leicht aber dürften wir jemanden finden, der auch noch auf den Ruhm (der Freigebigkeit) verzichten würde; denn der Ehrgeiz ist es ja, der die meisten freigebig macht. Wo man von der Gabe nichts erfährt, da erstirbt das Geben.

1: Sprichw. 30, 15.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger